Exzessiver Konsum von Social Media könnte Denkfähigkeit beeinträchtigen

29.04.2026

Instagram, TikTok & Co können nicht nur viel Zeit fressen. Durch übermäßigen Gebrauch von Social Media scheint auch unsere Denkfähigkeit zu leiden, wie eine aktuelle Studie nahelegt.

Junger Mann legt Kopf auf einem Stapel Bücher ab

Bild: David-W / photocase.de

Nur noch ein Reel. Und noch eins. Und noch eins. Und so weiter. Eigentlich wolltest du nur mal kurz durch den Insta-Feed scrollen. Doch aus den geplanten 20 Minuten werden zwei Stunden, und dein Kopf fühlt sich irgendwie matschig an. Der Konsum von Social Media kann nicht nur süchtig machen. Eine Studie aus der Türkei hat zeigen können, dass die Denkfähigkeit generell zu leiden scheint.

Studienleiter Emre Toprak und sein Team haben eine Befragung unter rund 1.700 Studierenden von sieben türkischen Universitäten durchgeführt. Dabei sind verschiedene Fragebögen zum Einsatz gekommen. Die Forschenden haben sowohl das Ausmaß des problematischen Social-Media-Konsums, als auch zwei zentrale geistige Fähigkeiten erfasst: Kritisches Denken und kognitive Flexibilität.

Warum kritisches Denken und kognitive Flexibilität wichtig sind

Kritisches Denken brauchen wir, um Informationen wie beispielsweise Social-Media-Posts zu analysieren und auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu prüfen. In Zeiten von „Fake News“ ist das eine wichtige Kompetenz. Kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Probleme und Bedingungen einstellen und alternative Strategien entwickeln zu können. Wir sind kognitiv flexibel, wenn wir in der Lage sind, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und zwischen verschiedenen Lösungswegen umzuschalten.

Beides sind Fähigkeiten, die im Studium benötigt werden. Insbesondere die kognitive Flexibilität gilt als entscheidende mentale Fähigkeit, um sich an die akademischen Anforderungen des Studierens anpassen zu können. Kognitiv flexible Studierende sind Studien zufolge stressresistenter, seltener depressiv und toleranter gegenüber Ungewissheit.

Vom oberflächlichen Scrollen zur „mentalen Rigidität“

Die Ergebnisse von Toprak und seinem Team legen nahe, das eben diese zentralen geistigen Fähigkeiten abnehmen, je stärker die Social-Media-Sucht bei den befragten Studierenden ausgeprägt war. Die Forschenden erklären, dass exzessiver Social-Media-Konsum vermutlich die Fähigkeit unseres Gehirns schwächt, Informationen zu filtern und tiefer in ein Thema zu tauchen, um es kritisch zu durchleuchten.

Der stete Fluss unendlich scrollbarer Feeds verleite Nutzende dazu, generell nur noch oberflächlich über Inhalte zu gleiten. Wie ein flacher Stein, der mit Schwung geworfen übers Wasser springt. Verschärft werde das Problem durch die „Echokammern“, in denen man fast nur noch Inhalte sieht, die die eigenen Ansichten bestätigen.

Die Studie betont, dass der kompetente Umgang mit Informationen für Studierende besonders wichtig ist, sei es für Hausarbeiten, die Recherche, die berufliche Orientierung oder schlicht dafür, echte Nachrichten von Desinformation zu unterscheiden. Ständiges Scrollen auf Social Media fördere hingegen die „mentale Rigidität“, die letztlich auch den akademischen Erfolg gefährdet.

Social-Media-Nutzung nicht ausschließlich für geminderte Denkfähigkeit verantwortlich

Einschränkend erläutern die Forschenden, dass Social-Media-Konsum nicht eins zu eins mit verminderten Denkfähigkeiten zusammenhängt. Das exzessive Social-Media-Verhalten erkläre rund 39 Prozent des Leistungsabfalls. Das sei auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung ein vergleichsweise guter Wert. Aber klar sei auch, dass noch weitere Einflüsse wie die formale Bildung oder die Erziehung den mentalen Schutzschild prägen, der durch kritisches Denken und kognitive Flexibilität gebildet wird.

Auch sei angesichts der einmaligen Befragung nicht sicher, ob exzessiver Social-Media-Konsum die Denkfähigkeit mindert oder es nicht eher andersherum ist. Doch das ist womöglich nur eine akademische Frage, wenn sich nach der nächsten Scrollsession der Kopf wieder schummrig anfühlt. Dann ist es so oder so ratsam, die Zeit auf Social Media zu begrenzen. 

„Studierende sollten ihre Online-Zeit im Auge behalten, da diese sich auf ihre Fähigkeit, kritisch zu denken, auswirkt“, empfehlen Toprak und sein Team.

Hilfe bei Problemen mit dem Medienkonsum

Wer seinen Social-Media-Konsum überprüfen will, kann den Selbsttest auf ins-netz-gehen.de machen. Professionelle Coaches von ins-netz-gehen.de bieten bei Bedarf kostenlose und anonyme Chat-Beratung rund um das Thema exzessiver Medienkonsum an.

Quelle:

  • Toprak, E., Taşçi, G. & Çelebi, M. (2026). From social media addiction to information literacy: unravelling the underlying mechanism of critical thinking and cognitive flexibility. BMC Psychology, https://doi.org/10.1186/s40359-026-04337-4.

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