Jede zweite Person mit regelmäßigen Cannabiskonsum kennt Entzugssymptome

27.05.2020

Der Wunsch nach erneutem Konsum kann im Entzug unterschiedlich stark ausgeprägt sein und die Gefahr erhöhen, doch wieder zum Joint zu greifen.

Bild: dioxin / photocase.de

Entzugssymptome vom Kiffen? Gibt es so was überhaupt? Unter Konsumierenden gibt es vermutlich unterschiedliche Standpunkte zu dieser Frage. Doch Studien konnten belegen, dass Cannabisabhängige eine Reihe von Entzugssymptomen erleben können, darunter Schlafprobleme, seltsame Träume, verstärktes Schwitzen, Schüttelfrost, Appetitlosigkeit, Schmerzen, körperliches Unwohlsein, Zittern, Reizbarkeit, Aggression, Angst, depressive Stimmung und Unruhe.

Jedoch scheinen nicht alle Kiffer in gleicher Weise betroffen zu sein. Auch in der Forschung gibt es unterschiedliche Ergebnisse zur Verbreitung von Entzugssymptomen. Ein Forschungsteam aus Kanada hat nun eine Meta-Analyse zu diesem Thema vorgelegt. Darin wurden alle relevanten Studien gesichtet und zusammengefasst. Über 23.000 Personen umfasst die gesamte Stichprobe.

Konsum anderer Drogen erhöht Wahrscheinlichkeit von Entzugssymptomen

Das Ergebnis der Meta-Analyse lautet: Im Schnitt erleben 47 Prozent der Personen mit regelmäßigem Cannabiskonsum oder Cannabisabhängigkeit irgendwann in ihrem Leben Entzugssymptome. Wer täglich kifft, dazu noch Tabak raucht oder andere Drogen nimmt, ist mit höherer Wahrscheinlichkeit davon betroffen.

Einhergehend mit Entzugssymptomen verspüren Konsumierende häufig ein intensives Verlangen nach erneutem Konsum. Dieses Verlangen wird auch als Craving bezeichnet. In einer Studie aus den USA hat ein Forschungsteam bei 80 Studierenden nachweisen können, dass das Craving über einen Zeitraum von zwei Wochen deutlich schwanken kann.

Umgang mit Craving wichtig beim Cannabisausstieg

Die Teilnehmenden der Studie hatten sich vorgenommen, ihren Konsum in der nächsten Zeit einzustellen. Zwei Wochen lang füllten die Teilnehmenden mehrmals am Tag einen kurzen Fragebogen zum aktuellen Craving auf ihrem Smartphone aus. Dabei zeigte sich, dass die Gedanken an Cannabis und das Bedürfnis nach weiterem Konsum mal stärker, mal schwächer waren. Dieser Umstand habe nach Einschätzung des Forschungsteams vermutlich dazu beigetragen, dass bisherige Studien mit einmaligen Befragungen zu teils sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind, was die Verbreitung von Entzugssymptomen betrifft.

Wie sich in der zweiwöchigen Befragung zeigte, ist es den Studierenden unterschiedlich gut gelungen, abstinent zu bleiben. Je stärker das Craving war, desto wahrscheinlicher war ein Rückfall ins alte Konsummuster. Das Forschungsteam empfiehlt Ausstiegswilligen daher, Strategien zu entwickeln, um das Craving in den Griff zu kriegen.

 

Quellen:

  • Bahji, A., Stephenson, C., Tyo, R., Hawken, E. R., Seitz, D. P. (2020). Prevalence of Cannabis Withdrawal Symptoms Among People With Regular or Dependent Use of Cannabinoids. JAMA Network Open, 3(4), e202370.
  • Budney, A. J. & Hughes, J. R. (2006). The cannabis withdrawal syndrome. Curr Opin Psychiatry, 19, 233-238.
  • Enkema, M. C., Hallgren, K. A. & Larimer, M. E. (2020). Craving is impermanent and it matters: Investigating craving and cannabis use among young adults with problematic use interested in reducing use. Drug and Alcohol Dependence, 210, 107957.

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