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10.12.2025
Einer Studie aus Bayern zufolge sind im Jahr nach der Legalisierung mehr Cannabis-Psychosen diagnostiziert worden. Andere Psychosen wurden hingegen seltener diagnostiziert. Handelt es sich womöglich um eine „diagnostische Verschiebung“?

Bild: CactuSoup / iStock.com
Der Freizeitkonsum von Cannabis ist seit dem 1. April 2024 legal. Erwachsene dürfen Cannabis unter bestimmten Bedingungen besitzen und anbauen. Noch ist unklar, welche gesundheitlichen Auswirkungen sich für Deutschland daraus ergeben. Eine Pilotstudie aus Bayern hat sich der Frage angenommen, ob es Veränderungen bei den psychiatrischen Diagnosen wegen Cannabis gibt.
Daten aus sechs Kliniken im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben sind in die Analyse eingegangen. Somit wurden alle psychiatrischen Krankenhäuser in der Region berücksichtigt. Die Bevölkerung in Schwaben umfasst rund 1,9 Millionen erwachsene Personen. Studienleiterin Sophie-Kathrin Greiner und ihr Team haben sich die Anzahl der Krankenhausbehandlungen in den zwei Jahren vor der Legalisierung und ein Jahr danach angeschaut.
Die Ergebnisse deuten auf eine deutliche Steigerung bei den Diagnosen hin, in denen eine Psychose auf den Konsum von Cannabis zurückgeführt wurde. Vor der Legalisierung waren im Schnitt 1,68 Personen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in einer psychiatrischen Klinik wegen einer Cannabis-Psychose in Behandlung. Nach der Legalisierung stieg dieser Wert auf 3 Personen auf 100.000, hat sich also fast verdoppelt.
Behandlungen aufgrund anderer psychotischer Störungen aus dem Bereich der schizophrenen Erkrankungen waren hingegen rückläufig. Insgesamt hat sich die Anzahl psychotischer Störungen, die nicht-organischer Natur sind, kaum verändert. Allerdings ist der Anteil Cannabis-bezogener Psychosen an der Gesamtzahl psychotischer Erkrankungen von 4,7 auf 8,2 Prozent, also fast um das Doppelte gestiegen. Wie ist das zu interpretieren?
Da sich die Gesamtzahl psychotischer Störungen kaum verändert hat, könnte es sich zumindest in Teilen um eine Art „diagnostische Verschiebung“ handeln, erklären die Forschenden. Seit der Legalisierung werden insgesamt zwar nicht sehr viel mehr Psychosen diagnostiziert, aber wenn, dann werden diese häufiger dem Konsum von Cannabis zugeschrieben.
Nach Aussagen von Greiner und ihrem Team sei es denkbar, dass Betroffene infolge der Legalisierung offener über ihren Konsum sprechen, da Cannabis nicht mehr illegal ist. Manche Fälle von Cannabis-Psychose sind vor der Legalisierung womöglich nicht als solche erkannt worden. Die Psychose ist dann vielleicht als eine Erkrankung aus dem Spektrum der Schizophrenien diagnostiziert worden.
Außerdem könne es sein, dass Ärztinnen und Ärzte dem Thema Cannabis nach der Legalisierung mehr Aufmerksamkeit schenken und sich eine gewisse Erwartungshaltung daran knüpft. Die Forschenden sprechen von einem möglichen „Confirmation Bias“, also einer Tendenz zur Suche nach Bestätigung: Menschen neigen dazu, Informationen so wahrzunehmen oder zu interpretieren, dass sie ihre bestehenden Erwartungen oder Überzeugungen bestätigen. Auf das Thema Cannabis bezogen heißt das: Ärztinnen und Ärzte könnten nach der Legalisierung eher geneigt sein, eine durch Cannabis hervorgerufene Psychose zu diagnostizieren, weil sie damit rechnen, dass solche Fälle häufiger auftreten.
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen, dass ihre Ergebnisse nur beschreibenden Charakter haben und keine ursächlichen Beziehungen belegen können. Dafür brauche es längerfristige Beobachtungen.
Unabhängig davon sollten nach Aussage der Forschenden vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sowie Menschen mit psychischen Erkrankungen über das erhöhte Psychose-Risiko durch Cannabis aufgeklärt werden. Denn dass Cannabis mit einem erhöhten Psychose-Risiko in Verbindung steht, ist wissenschaftlich gut belegt. So haben frühere Studien bereits zeigen können, dass vor allem der Konsum hochpotenter Cannabissorten mit einem erhöhten Psychoserisiko einhergeht.
Wie riskant das persönliche Cannabiskonsummuster ist, lässt sich mit dem Selbsttest Cannabis Check herausfinden.
Quellen:
Jugendliche mit Cannabiskonsum erleben mehr psychoseähnliche Symptome (05.11.2025)
Cannabiskonsum erhöht Unfallgefahr – besonders vier Stunden später (21.01.2026)
Angststörungen gehen mit häufigerem Cannabiskonsum einher (26.11.2025)
Cannabis ist keine Hilfe bei Schlafproblemen (08.10.2025)Webanalyse / Datenerfassung
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