Topthema
August 2026
Kiffen und Tabakrauchen, das passt offenbar gut zusammen. Wer Cannabis konsumiert, raucht meist auch Tabak. Und wer mit dem Kiffen aufhören will, dem kommt nicht selten das Rauchen in die Quere - oder das Vapen von nikotinhaltigen E-Zigaretten.

Bild: OlafSpeier / istockphoto.com
Meist im Joint, manchmal in der Bong. Beim Kiffen wird Cannabis in der Regel verbrannt. Was häufig unerwähnt bleibt: Oft wird Tabak untergemischt. Viele Cannabiskonsumierende rauchen ohnehin regelmäßig Zigaretten. Cannabis und Tabak scheinen eine enge Verbindung einzugehen. Die Risiken des Konsums werden jedoch unterschiedlich bewertet. Während viele Cannabiskonsumierende das Kiffen als eher harmloses Freizeitvergnügen betrachten, wird das Tabakrauchen deutlich kritischer gesehen.
Cannabis wird von Konsumierenden gerne als „natürliche“ Substanz bezeichnet oder sogar als „gesund“ wahrgenommen. Die Schädlichkeit des Tabakrauchens wird hingegen kaum angezweifelt. Die Botschaften aus den Aufklärungskampagnen der letzten Jahrzehnte sind in das Allgemeinwissen eingesickert.
Das Wissen um die gesundheitlichen Gefahren hat auch dazu beigetragen, dass das Rauchen in vielen Ländern auf dem Rückmarsch ist. Allerdings scheint dies nicht für Personen zu gelten, die Cannabis konsumieren. In den USA hat der Anteil der Personen, die Cannabis und Tabak mischen, sogar zugenommen. Die Forschung zeigt, dass Cannabis und Tabak offenkundig eine stärkere Allianz eingehen. Warum ist das so?
In den meisten Fällen wird die erste Zigarette zeitlich gesehen vor dem ersten Joint geraucht. Der so genannten Gateway-Theorie zufolge öffnet die erste Substanz eine Art Eingangstor (engl. Gateway) zum nachfolgenden Konsum einer anderen Substanz.
Zwar gilt es wissenschaftlich als umstritten, ob eine Substanz tatsächlich den Einstieg in eine andere verursachen kann. Eine Meta-Analyse unter der Leitung von Tesfa Mekonen Yimer hat jedoch herausgefunden: Im Vergleich zu abstinenten Jugendlichen fangen Gleichaltrige, die Nikotin konsumieren, mit einer mehr als 2-fach höheren Wahrscheinlichkeit im Nachgang an, auch Cannabis zu konsumieren. Das gilt nicht nur für klassische Zigaretten. Auch wer nikotinhaltige E-Zigaretten, also Vapes konsumiert, fängt eher an zu kiffen.
Das Gleiche gilt für den umgekehrten Fall. Vor allem in den USA, wo das Tabakrauchen abnimmt und der Cannabiskonsumzunimmt, steigen immer mehr junge Menschen mit Cannabis ein, ohne vorher mit Nikotin in Kontakt gekommen zu sein. In der zuvor erwähnten Meta-Analyse finden sich diverse Studien aus den USA, denen zufolge Jugendliche, die mit Cannabis beginnen, später im jungen Erwachsenenalter mit einer etwa 3-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit anfangen, klassische Zigaretten zu rauchen oder Vapes zu benutzen.
Wer sowohl Cannabis konsumiert als auch Tabak raucht, entwickelt zudem mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Cannabisabhängigkeit als Personen, die ausschließlich zu Cannabis greifen. Vermutet wird, dass dem Tabak eine Art Vermittlerrolle zukommt. In einer Studie aus Großbritannien konnte beobachtet werden, dass die Wahrscheinlichkeit, cannabisabhängig zu werden oder zu bleiben, zunimmt, je mehr Tabak die Befragten rauchten. Manche User sind sogar der Ansicht, dass Tabak die Wirkung von Cannabis verstärkt. Im Rahmen einer experimentellen Studie mit nikotinhaltigem und nikotinfreiem Tabak, konnte dieser Effekt allerdings nicht bestätigt werden.
Möglicherweise „profitieren“ sowohl Cannabis als auch Tabak von der Tatsache, dass die Form des Konsums mehr oder weniger gleich ist: Beides wird in der Regel geraucht. Hat sich der Körper erst einmal an das Einatmen von kratzigem Rauch gewöhnt, sinkt die Einstiegsschwelle für das Rauchen einer weiteren Substanz.
Einer anderen Theorie zufolge sind es nicht Substanzen, die den Einstieg in andere Substanzen begünstigen. Vielmehr würden sowohl dem Tabakrauchen wie auch dem Kiffen gemeinsame Risikofaktoren zugrunde liegen, die eine Person generell „anfällig“ machen für Tabak und andere Drogen. Einerseits können unsere Gene dafür verantwortlich sein, dass wir eine Vorliebe für Rauscherfahrungen entwickeln. Andererseits können belastende Faktoren wie psychische Erkrankungen, Missbrauchserfahrungen oder auch ein konsumierender Freundeskreis eine Person dazu verleiten, Drogen auszuprobieren, die gute Gefühle vermitteln.
Wie auch immer Cannabis und Tabak zueinanderfinden, Tatsache ist, dass beide Substanzen oftmals gemeinsam konsumiert werden. Das wird den Konsumierenden meist dann zum Verhängnis, wenn sie mit nur einer Substanz aufhören wollen. Da viele Menschen wissen, dass Tabakrauchen sehr schädlich ist, wollen sie sich gerne von diesem Laster befreien. Die Bereitschaft, mit dem Kiffen aufzuhören, ist allerdings deutlich geringer ausgeprägt.
In einer US-amerikanischen Online-Umfrage unter 282 Personen, die rauchten und kifften, gaben 79 Prozent an, den Rauchausstieg schon einmal in Angriff genommen zu haben. Hingegen hatten nur 40 Prozent schon mal versucht, mit dem Kiffen aufzuhören. Wie gesagt, viele Konsumierende betrachten Cannabis als eher harmlose Freizeitdroge.
Das Problem ist, dass der Ausstieg aus der einen Substanz, Auswirkungen auf die andere hat. 50 Prozent der Personen, die mit dem Rauchen aufhören wollten, sagten, dass sie hinterher mehr gekifft haben. Der umgekehrte Fall ist ebenfalls zu beobachten: Wer mit dem Kiffen aufhören will, neigt dazu, verstärkt zu Zigaretten zu greifen. Womöglich versuchen ausstiegswillige Cannabiskonsumierende bewusst oder unbewusst, Entzugssymptome mit Tabak zu bekämpfen.
Wer es im Zuge seines Cannabisausstiegs schafft, auch mit dem Tabakrauchen aufzuhören, hat mehr Erfolg. Cannabis und Tabak gleichzeitig einzustellen erhöht die Wahrscheinlichkeit, abstinent zu bleiben. Ein wichtiger Grund hierfür ist vermutlich die bereits erwähnte Konsumform. Sowohl Cannabis als auch Tabak werden geraucht und erschweren es damit, Abstand zu finden von alten Konsumgewohnheiten, weil das Rauchen von Zigaretten den Wunsch nach einem Joint wieder aufflammen lässt.
Aus diesem Grund empfehlen Forscherinnen und Forscher, beim Ausstieg aus dem Cannabiskonsum auch das Tabakrauchen anzugehen und am besten damit aufzuhören. Allerdings geben sie zu bedenken, dass die Bereitschaft für den gleichzeitigen Ausstieg nicht sehr hoch ist.
Zudem scheinen Menschen, die Rauchen und Cannabis konsumieren, eher selten professionelle Hilfe für ihren Ausstiegsversuch in Anspruch zu nehmen. Dies wäre aber sinnvoll, da professionelle Unterstützung in der Regel deutlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Ausstieg gelingt.
Wer aus dem Cannabiskonsum aussteigen möchte und sich auch vorstellen kann, das Tabakrauchen aufzugeben, der- oder diejenige kann dazu das mehrwöchige Programm Quit the Shit nutzen. Es ist kostenlos, anonym nutzbar und wissenschaftlich überprüft. Alternativ oder zusätzlich können auch weitere Rauchausstiegshilfe genutzt werden. Unter www.rauchfrei-info.de gibt es Informationen und Unterstützung für den Rauchausstieg.
Cannabis und Tabak können eine starke Allianz eingehen. Wer neben Cannabis auch Zigaretten raucht, entwickelt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Cannabisabhängigkeit. Häufig sind Konsumierende sowohl von Cannabis als auch von Tabak abhängig. Wer aus dem Cannabiskonsum aussteigen will, greift oft nicht nur verstärkt zu Tabak oder E-Zigaretten, sondern erlebt auch häufiger einen Rückfall in den Cannabiskonsum. Expertinnen und Experten empfehlen daher, beim Ausstieg aus dem Cannabiskonsum auch das Tabakrauchen anzugehen und möglichst die Abstinenz von beiden Substanzen anzupeilen.
Quellen: