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Drugcom: Topthema: Alkohol und Drogen senken Schwelle für Aggression und Gewalt

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Topthema

Alkohol und Drogen senken Schwelle für Aggression und Gewalt

Oktober 2017

Ob randalierende Fußballfans, Schlägereien im Club oder Gewalt in der Familie: Alkohol und Drogen spielen vergleichsweise häufig eine Rolle, wenn es zu gewalttätigen Handlungen kommt. Doch warum erhöhen manche psychoaktive Substanzen die Gefahr für Gewalt?

Schattensilhouette einer Prügelei vor Wand

Bild: Jonathan Stutz / Fotolia.com

Meist sorgt Alkohol für Entspannung und gute Laune. Aber nicht immer. Vor allem das Rauschtrinken kann Aggression und Gewalt fördern. 2016 wurden über ein Viertel aller aufgeklärten Gewaltverbrechen von alkoholisierten Personen begangen. Zu den Gewaltverbrechen zählen beispielsweise gefährliche oder schwere Körperverletzung. „Bei diesen Delikten prägt Alkoholeinfluss die Tatbegehung weiterhin in erheblichem Umfang“, heißt es in der polizeilichen Kriminalstatistik.

Alkohol enthemmt

Woher kommt der Zusammenhang zwischen Alkohol und Aggression? Ein wichtiger Aspekt dürfte die enthemmende Wirkung von Alkohol sein. Nicht nur trauen sich Menschen unter dem Einfluss von Alkohol Dinge zu, die sie nüchtern nicht tun würden. Alkoholisierte Menschen können ihr Verhalten mitunter auch nicht mehr vollständig kontrollieren.

Unter dem Einfluss von Alkohol ist die Aufmerksamkeit eingeengt, wie bei einer Kamera, die nur einen Teil der Szene scharf einstellt. Ein Rempler in der Diskothek wird dann womöglich vorschnell als feindselig interpretiert. Die Möglichkeit, dass der Zusammenstoß ein Versehen war, wird nicht in Betracht gezogen, weil Alkohol gleichzeitig die Informationsverarbeitung im Gehirn einschränkt. Alkohol beeinflusst auch die anschließende Entscheidungsfindung, bei der es um die Frage geht: Streit suchen oder lieber die Situation verlassen?

Wirkungserwartungen prägen Verhalten

Doch nicht jede Person würde in der geschilderten Situation aggressiv reagieren. Warum das so ist, dazu gibt es keine einfache Antwort. Vielmehr scheinen es eine Reihe von Faktoren zu sein, die aggressives Verhalten unter Alkoholeinfluss befördern. Eine Erklärung liefern soziale Lerntheorien. Demzufolge haben Personen unterschiedliche Wirkungserwartungen. Bereits im Vorschulalter haben Kinder Vorstellungen davon, wie eine Person unter Alkoholeinfluss reagiert. Im Laufe des Lebens prägen die Familie, der Freundeskreis, die Medien und nicht zuletzt auch eigene Erfahrungen die Wirkungserwartung. Wenn diese Erfahrungen besagt, dass Menschen unter Alkoholeinfluss aggressiv werden, wird die Person auch selbst eher aggressiv handeln, wenn Alkohol im Spiel ist.

Charaktereigenschaften haben ebenfalls Einfluss. So steigt die Gefahr, unter Alkoholeinfluss handgreiflich zu werden, wenn eine Person schon im nüchternen Zustand zu Gewalt neigt. Wer wenig Empathie zeigt, sich also schlecht in andere Menschen hineinfühlen kann, ist ebenfalls stärker gefährdet, unter Alkoholeinfluss mit Aggression zu reagieren.

Gereizt durch Cannabis?

Neben Alkohol ist Cannabis die am häufigsten konsumierte psychoaktive Droge in Deutschland. Im Gegensatz zu Alkohol hat Cannabis jedoch den Ruf, eine eher beruhigende und friedlich stimmende Wirkung zu haben. Dennoch gibt es Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen von Cannabiskonsum und Gewalt hinweisen. So gibt es Hinweise, dass sowohl das eigene Verhalten als auch die Reaktionen anderer Menschen tendenziell häufiger als feindselig eingeschätzt werden, wenn die Person gekifft hat. Insbesondere in Paarbeziehungen scheinen Cannabiskonsumierende öfter zu Gewalt gegen die Partnerin oder den Partner zu neigen als Nicht-Konsumierende.

In einer weiteren Studie konnte hingegen die entspannende Wirkung von Cannabis bestätigt werden. Experimentell wurden aggressive Gefühle oder aggressives Verhalten provoziert. Während Probandinnen und Probanden unter dem Einfluss von Alkohol eher zu aggressiven Reaktionen neigten, reduzierte sich die Aggressivität der Cannabiskonsumierenden unter der Wirkung von THC, dem Hauptwirkstoff von Cannabis.

Crystal und neue psychoaktive Substanzen fördern Gewalt

Bei Aufputschmitteln wie Crystal Meth mit dem Wirkstoff Methamphetamin ist der Zusammenhang zwischen Aggression und Konsum deutlicher ausgeprägt als bei Cannabis. So konnte bei australischen Crystal-Konsumierenden eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Gewalt und Methamphetaminkonsum nachgewiesen werden: Je mehr Crystal die Teilnehmenden der Studie konsumiert hatten, desto häufiger neigten sie zu gewalttätigem Verhalten. Bei Personen, die an mehr als der Hälfte des Monats Crystal konsumierten, stieg die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten sogar um das 10-fache.

Neue psychoaktive Substanzen, das sind meist synthetische Cathinone, die auch als Legal Highs oder Badesalz bezeichnet werden, scheinen ebenfalls vergleichsweise häufig aggressives Verhalten auszulösen. Erhöhte Aggressivität ist sogar das am häufigsten auftretende Einzel-Symptom beim Konsum dieser Substanzen. In solchen Fällen ist der Rausch oft geprägt durch eine massive Psychose mit Wahnvorstellungen.

So hat in einem Fall ein Mann seine Frau und anschließend sich selbst erschossen, nachdem die Polizei ihn wegen zu schnellen Fahrens angehalten hatte. Toxikologische Untersuchungen konnten das synthetische Cathinon MDPV sowie Lidocain, das als Verschnittstoff in Kokain verwendet wird, bei dem Mann nachweisen. Unklar ist, wie stark der Konsum der neuen psychoaktiven Substanzen verbreitet ist und welche Bedeutung solchen und anderen Einzelfällen beigemessen werden muss, in denen Betroffene im Zustand einer Psychose sich selbst oder andere Personen getötet haben.

Gewalt gegen sich selbst

Das Beispiel macht gleichzeitig deutlich, dass drogenbedingte Aggression nicht nur nach außen, sondern auch gegen die eigene Person gerichtet sein kann. Suizid, also die Selbsttötung, ist so ein Fall von Gewalt gegen die eigene Person. Insbesondere Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit gelten nach Depressionen als häufige Auslöser für Suizid bei Erwachsenen.

Bei Jugendlichen steht einer Studie zufolge vor allem der Gebrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Schlaf- und Beruhigungsmittel in Zusammenhang mit Suizidversuchen. Daneben wurden in einer Längsschnittstudie vergleichsweise häufig Suizidversuche bei Personen beobachtet, die Kokain und Amphetamine konsumieren.

Fazit

Psychoaktive Substanzen haben häufig eine enthemmende Wirkung. Nicht selten ist Alkohol bei Gewaltverbrechen beteiligt, wie polizeiliche Kriminalstatistiken jedes Jahr aufs Neue verdeutlichen. Stimulanzien wie Crystal Meth und neue psychoaktive Substanzen scheinen ebenfalls vergleichsweise häufig mit aggressivem Handeln in Zusammenhang zu stehen.

Allerdings ist nicht jeder Mensch betroffen. Hier scheinen insbesondere Erwartungen an die Wirkung der Droge sowie charakterliche Eigenschaften wie mangelndes Einfühlungsvermögen eine Rolle zu spielen.


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