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Drugcom: Topthema: Warum Jugendliche ungehemmt saufen

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Topthema

Warum Jugendliche ungehemmt saufen

Juni 2014

Nicht alle Jugendlichen saufen bis zum Umfallen, aber das Rauschtrinken ist bei ihnen weiter verbreitet als bei Erwachsenen. Warum eigentlich schauen vor allem Jugendliche zu oft zu tief ins Glas?

Zwei weit aufgerissene Augen, die durch einen Glasboden starren

Bild: Fiebke / photocase.com

Wie ein Sportwagen ohne Bremsen. So bezeichnet der Hirnforscher David Walsh das jugendliche Gehirn. Neuronale Veränderungen führen bei Jugendlichen dazu, dass ständig neue Eindrücke gesucht werden. Mögliche Risiken und negative Konsequenzen werden dabei aber oft nicht beachtet, getreu dem Motto: „No risk, no fun“. Warum ist das so?

Effizientere Verschaltungen

Ein Forschungsteam um Studienleiter Salvatore Camanella von der Freien Universität Brüssel sieht die Hauptgründe in der Gehirnentwicklung, die bei Jugendlichen durch fundamentale Veränderungen geprägt ist. Das Gehirn vollzieht einen Umbau, der auf die Entwicklung eines effizienten Netzwerks abzielt. Überflüssige, selten genutzte Nervenverbindungen werden abgebaut und die Leitfähigkeit wichtiger Nervenzellen wird verbessert. Dies erhöht die Übertragungsgeschwindigkeit und fördert die Vernetzung voneinander entfernter Hirnregionen.

Bis ins junge Erwachsenenalter findet ein wichtiger neuronaler Reifungsprozess vor allem im präfrontalen Cortex statt. Diese Hirnregion ist unter anderem für die langfristige Planung und die Hemmung impulsiver Reaktionen zuständig. Im präfrontalen Cortex waltet gewissermaßen die innere Stimme der Vernunft, die zur Mäßigung aufruft.

Eine weitere Hirnregion, die stark vom neuronalen Umbau betroffen ist, ist das mesolimbische System, auch bekannt als Belohnungssystem. Wichtigster Neurotransmitter ist Dopamin. In der Jugendphase sinkt jedoch das Dopaminlevel im Gehirn. Alkohol hingegen fördert die Ausschüttung von Dopamin.

Asynchrone Entwicklung

Die Crux an den Umbaumaßnahmen ist allerdings, dass sie nicht gleichzeitig und unterschiedlich schnell in den Hirnregionen vonstatten gehen. Die Entwicklung verläuft asynchron. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten hierin den zentralen Grund für die gesteigerte Risikofreudigkeit bei Jugendlichen. Denn während sich das Belohnungssystem früh in der Pubertät ausbildet und emotionale Prozesse in den Vordergrund treten, bleibt die rationale Steuerung durch den präfrontalen Cortex noch längere Zeit auf dem Stand eines Kindes.

Die Fähigkeit, kurz- und längerfristige Effekte des eigenen Handelns bewerten zu können und aufkommende Impulse zu kontrollieren, bilden sich erst im frühen Erwachsenenalter richtig aus. Jugendliche haben hingegen das starke Bedürfnis, neue Erfahrungen zu sammeln. Für die Entwicklung der Selbstständigkeit und zur Abgrenzung gegenüber den eigenen Eltern ist das sogenannte „Sensation Seeking“, die Suche nach neuen, aufregenden Erfahrungen, durchaus sinnvoll. Die ungehemmte jugendliche Risikofreude verstärkt aber auch die Gefahr, beim Alkohol- oder Substanzkonsum über die Stränge zu schlagen. Entsprechend ist das typische Trinkmuster bei Jugendlichen das Rauschtrinken.

Sozialer und kultureller Einfluss

Natürlich sind es nicht nur neuronale Umstellungen, die Alkohol in der Jugend besonders verlockend machen. Praktisch für den Jugendlichen, aber ungünstig für seine Entwicklung ist die Tatsache, dass der jugendliche Organismus oft noch nicht in dem Maße an einem Kater zu leiden hat wie der von Erwachsenen. Hinzukommt, dass der letzten Kater schnell in Vergessenheit gerät. Gleichzeitig wirken die positiven Aspekte des Konsums, beispielsweise das gemeinsame Feiern im Freundeskreis und der Wunsch, mitzumachen und dazuzugehören, in der Jugend deutlich stärker als im Erwachsenenalter.

Generell spielen soziale und kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Die Beobachtung anderer Jugendlicher, der Einfluss durch die Medien und vor allem eigene Erfahrungen prägen die Erwartungen an den Alkoholkonsum und damit auch das eigene Konsumverhalten. Nicht zuletzt spielt der Einfluss des sozialen Umfeldes, also das Trinkverhalten im eigenen Freundeskreis, eine wichtige Rolle beim Alkoholkonsum. Wer bei sich und anderen vorwiegend positive Aspekte des Konsums beobachtet, wird entsprechend häufiger zum Alkohol greifen.

Mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter und der Übernahme von Verantwortung im Job oder der Gründung einer Familie reduzieren die meisten Menschen ihren Alkoholkonsum. Einige Jugendliche behalten allerdings ein problematisches Konsummuster bei und entwickeln im Laufe der Zeit eine Alkoholabhängigkeit. Warum eigentlich sind manche Jugendliche stärker gefährdet als andere?

Risiken für spätere Abhängigkeit

Zu den zentralen Risikofaktoren für die Entwicklung einer Abhängigkeit zählen unter anderem die Konsummotive, also die Gründe, warum Alkohol konsumiert wird. Wird Alkohol als Strategie für die vermeintliche Problemlösung oder Stressbewältigung missbraucht, erhöht sich die Gefahr, später eine Abhängigkeit zu entwickeln. Auch Jugendliche, die früh in den Konsum einsteigen und häufiges Rauschtrinken praktizieren, haben ein höheres Risiko, später eine Abhängigkeit zu entwickeln.

Daneben gibt es Risikofaktoren, die weniger gut zu beeinflussen sind. Dazu zählt die genetische Veranlagung. Biologische Kinder von alkoholabhängigen Eltern haben ein 3- bis 5-fach höheres Risiko, ebenfalls eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln, als Kinder nicht alkoholabhängiger Eltern. Auch die besonders starke Ausprägung bestimmter Persönlichkeitseigenschaften wie dem beschriebenen „Sensation Seeking“ kann zu einem erhöhtem Konsum und einer späteren Abhängigkeit führen. Nicht zuletzt spielt auch das Geschlecht eine Rolle. Denn im Zuge des jungen Erwachsenenalters sind es insbesondere Männer, die einen problematischen Alkoholkonsum entwickeln.

Exzessiver Alkoholkonsum in der Jugend erhöht allerdings nicht nur das Risiko einer späteren Abhängigkeit. Denn bereits bei jungen Erwachsenen hat Rauschtrinken negative Auswirkungen auf die Blutgefäße und verursacht sogar Veränderungen in der DNA. Darüber hinaus könnte der Alkoholkonsum in der Jugend die Gehirnentwicklung beeinträchtigen und kognitive Defizite verursachen.

Selbstkontrolle stärken

Allein über die möglichen Risiken des Alkoholkonsums aufzuklären mache wenig Sinn, schlussfolgern Campanella und sein Team. Aufgrund des biologisch gegebenen „jugendlichen Leichtsinns“ sei das Eingehen von Risiken quasi vorprogrammiert. Sie schlagen vielmehr vor, dass Jugendliche ihre, wenn auch nur in Ansätzen vorhandene Fähigkeit zur Selbstkontrolle stärken müssten. Hierzu könnten sie sich auch die Ursachen des eigenen Handelns und Fühlens stärker bewusst machen und sich gezielt auf bestimmte Risikosituationen vorbereiten, in denen impulsives Verhalten möglichst ausgebremst werden sollte. Denn auch wenn beispielsweise das eine oder andere Bier auf einer Party durchaus normal ist, so sollten junge Menschen lernen, sich soweit im Griff zu haben, nicht vollends „abzustürzen“.

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