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Drugcom: Aktuelles: Fentanyl-Pflaster vermutlich für Todesfälle verantwortlich

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01.06.2018

Fentanyl-Pflaster vermutlich für Todesfälle verantwortlich

Das Schmerzmittel Fentanyl wird auch zu Rauschzwecken missbraucht. Eine Studie aus Bayern hat nun zeigen können, dass seit der Einführung von Fentanyl-haltigen Matrixpflastern die Zahl der Todesfälle durch Überdosierungen gestiegen ist.

Mann liegt auf dem Boden, Spritze im Vordergrund

Bild: anankkml / Fotolia.com

Fentanyl ist eines der stärksten Schmerzmittel überhaupt. Das künstlich hergestellte Opioid wirkt etwa 100-mal stärker als Morphin und wird in der Regel erst bei besonders starken Schmerzen verabreicht, die sich nicht mehr durch andere Schmerzmittel behandeln lassen. Fentanyl wird auch zu Rauschzwecken missbraucht. Das Risiko für Überdosierungen ist in Anbetracht der hohen Wirksamkeit allerdings besonders hoch.

Seit 2005 wird ein Anstieg der drogenbedingten Todesfälle beobachtet, in denen Fentanyl eine Rolle spielt. Ein Jahr zuvor wurden so genannte Matrixpflaster in Deutschland eingeführt. Bei Matrixpflastern ist der Wirkstoff in der klebrigen Schicht enthalten, die direkt mit der Haut in Kontakt kommt. Die in Matrix-Pflastern enthaltene Dosis ist um ein Vielfaches höher, als dies bei der intravenösen Gabe notwendig wäre.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Inga Sinicina ist dem Verdacht nachgegangen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Verfügbarkeit von Matrixpflastern und Todesfällen. Dazu hat das Team alle Todesfälle zwischen 2004 und 2014 untersucht, zu denen toxikologische Befunde im Institut für Rechtsmedizin der Ludwig Maximilians Universität München vorlagen.

Fentanyl spielt bei bis zu 52 Prozent der Drogentoten durch Opioide eine Rolle

2004 gab es keinen dokumentieren Todesfall durch Fentanyl. Ab 2005 hat sich die Situation allerdings geändert. Die Anzahl der Todesfälle stieg fast stetig an, der Höhepunkt war 2013 mit 57 Fällen. Damit spielte Fentanyl in dem Jahr bei 52 Prozent aller Drogentoten durch Opioide eine Rolle. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurden 242 Todesfälle dokumentiert, in denen Fentanyl bei den Verstorbenen nachgewiesen werden konnte.

Bei 20 Verstorbenen wurde nur Fentanyl gefunden. Bei den meisten Todesfällen waren noch Alkohol und andere Drogen mit im Spiel. Denkbar ist aber eine verstärkte Wirkung, wenn weitere Substanzen eingenommen werden, die dämpfend auf das zentrale Nervensystem wirken wie Alkohol oder Benzodiazepine.

Matrixpflaster wohl einzige Quelle für missbräuchlich konsumiertes Fentanyl

Sinicina und ihr Team gehen davon aus, dass in den meisten Fällen Fentanyl-haltige Matrixpflaster verantwortlich waren für die Überdosis oder zumindest eine entscheidende Rolle gespielt haben. Dafür spricht, dass bei einigen Verstorbenen Reste von Matrixpflastern gefunden werden und in keinem der untersuchten Todesfälle illegal hergestelltes Fentanyl vor Ort gefunden wurde. Hinzu kommt, dass es in ganz Deutschland keine Beschlagnahmungen illegalen Fentanyls im Untersuchungszeitraum gab.

Nach Angaben des Forschungsteams werden die Pflaster von Opioidabhängigen meist ausgekocht. Die so erhaltene Lösung wird anschließend gespritzt. Die Pflaster werden aber auch gelutscht oder geschluckt.

Die Ergebnisse von Sinicina und ihrem Team unterstreichen somit die Gefährlichkeit von Fentanyl, ist es doch für einen vergleichsweise großen Anteil an Todesfällen durch Opioide verantwortlich.

Quelle:
Sinicina, I., Sachs, H. & Keil, W. (2018). Post-mortem review of fentanyl-related overdose deaths among identified drug users in Sourtern Bavaria, Germany, 2005-2014. Drug and Alcohol Dependence, 180, 286-291.

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