Home > News > Aktuelle Meldungen > Entzugserscheinungen von Cannabis genauso schlimm wie von Zigaretten
22.02.2008
Wer dauerhaft intensiv Cannabis konsumiert, kann bei Konsumverzicht Entzugserscheinungen erleben, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind. Wie stark genau, dass hat ein US-amerikanisches Forschungsteam im Rahmen einer Vergleichsstudie untersucht. Darin wurde die Entzugssymptomatik bei Versuchspersonen untersucht, die täglich kiffen und Zigaretten rauchen.
„I don’t have a drinking problem, accept when I can’t have a drink“, besang einst Tom Waits seinen offensichtlichen Hang zum Alkohol. Er habe kein Alkoholproblem, es sei den der Stoff gehe ihm aus. Diese nicht ganz erst gemeinte Songzeile beschreibt dennoch ganz anschaulich, dass sich eine Substanzabhängigkeit vor allem dann bemerkbar macht, wenn der Konsum eingestellt wird. Dann zeigen sich oftmals unangenehme Entzugssymptome. Das gilt auch für Cannabis. In Studien berichten langjährige Kifferinnen und Kiffer beispielsweise von depressiven Stimmungen, innerer Unruhe oder ausgeprägten Schlafstörungen beim Versuch, mit dem Kiffen aufzuhören.
Doch bis heute habe die Entzugssymptomatik als Kennzeichen einer Cannabisabhängigkeit keinen Einzug gefunden in die medizinischen Standardwerke der Diagnostik, schreiben Ryan Vandrey und sein Forschungsteam in ihrem Fachartikel. Die „klinische Relevanz“ sei noch unklar. Das bedeutet, man wisse noch nicht, ob die Entzugssymptome so bedeutsam sind, als dass sie extra beschrieben werden müssten.
Das Forschungsteam der John Hopkins School of Medicine hat sich vorgenommen, den wissenschaftlichen Mangelzustand zu beheben, indem es die Entzugsymptome bei Cannabis mit denen einer gut erforschten Substanz, dem Tabak, verglich. Dazu wurden insgesamt 42 Freiwillige in die Studie einbezogen, die zumindest in den letzten 6 Monaten täglich gekifft und mindestens 10 Zigaretten pro Tag geraucht hatten.
Die Versuchspersonen mussten jeweils 5 Tage lang entweder auf Cannabis, auf Zigaretten oder auf beides verzichten. Täglich gaben sie Auskunft darüber, wie sie sich fühlen und wie intensiv sie Entzugssymptome erleben. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde der Urin ebenfalls täglich auf Abbauprodukte von THC - dem Hauptwirkstoff von Cannabis - und Nikotin untersucht.
Von den ehemals 42 Versuchspersonen haben nur zwölf bis zum Schluss durchgehalten. Offenbar waren die 750 US-Dollar, die für eine vollständige Studienteilnahme in Aussicht gestellt wurden, nicht Anreiz genug, um die Strapazen der konsumfreien Zeit in Kauf zu nehmen. Das sagt schon einiges. Das wichtigste Ergebnis aber ist die Feststellung, dass die Art und Intensität der Entzugssymptome beim Verzicht auf Cannabis oder Zigaretten in etwa gleich stark ausgeprägt sind. Bei beiden Substanzen erlebten die Versuchspersonen schon nach einem Tag Abstinenz signifikante Entzugssymptome.
Entgegen den Erwartungen gab es keine eindeutigen Belege dafür, dass der gleichzeitige Verzicht von Cannabis und Zigaretten schwieriger ist, als die Abstinenz von nur einer Substanz. Fünf der verbliebenen zwölf Versuchspersonen empfanden es sogar als leichter, gleich auf beides zu verzichten. Die Autorinnen und Autoren der Studie vermuten, dass der Konsum von Zigaretten oder Cannabis gleichzeitig Auslösereiz für die jeweils andere Substanz ist. Denn sowohl Cannabis als auch Tabak werden überwiegend geraucht.
Quellen:
Pressemitteilung
Vandrey, R. G., Budney, A. J., Hughes, J. R. & Liguori, A. (2008). A within-subject comparison of withdrawal symptoms during abstinence from cannabis, tobacco, and both substances. Drug and Alcohol Dependence, 92, 48-54. Abstract
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