Hirnschäden durch Cannabiskonsum in der Pubertät?

29.10.2003

Der erste Joint wird meist in der Pubertät geraucht. Doch gerade in dieser Entwicklungsphase sollen junge Menschen besonders gefährdet sein, gesundheitliche Schäden davon zu tragen. Zu dieser These kommen Wissenschaftler aufgrund von aktuellen Tierexperimenten.

Die Dichte der Bindungsstellen im Gehirn (Rezeptordichte), die für Cannabinoide (Wirkstoffe der Hanfpflanze Cannabis sativa) empfänglich sind, ist zu Beginn der Pubertät sehr hoch. Im Laufe der Pubertät reift das Gehirn, wodurch die Rezeptordichte sinkt.

Die Neurokognitionswissenschaftler Miriam Schneider und Michael Koch vom Institut für Hirnforschung der Universität Bremen untersuchten die Auswirkungen des synthetischen Cannabinoids WIN 55,212-2 auf die Gehirne pubertärer und erwachsener Ratten. Die Tiere bekamen 25 Tage lang WIN injiziert. Anschließend untersuchten die Forscher die Aufmerksamkeitsleistungen, das Kurzzeitgedächtnis und die Motivation der Ratten.

Es zeigte sich, dass die regelmäßige Verabreichung des Cannabinoids bei den pubertären Tieren eine deutliche und langfristige Beeinträchtigung in allen Verhaltenstests ergab. Erst nach der Behandlung mit einem Mittel, das bei Schizophrenie eingesetzt wird (Haloperidol), konnten die negativen Effekte aufgehoben werden. Erwachsene Tiere zeigten hingegen keine Beeinträchtigungen.

Die Forscher schlussfolgern, dass die Auswirkungen des Cannabiskonsums bei Jugendlichen nicht unterschätzt werden dürfe. Die Pubertät stelle eine Entwicklungsphase des Menschen dar, in der Cannabinoide besonders schädlich seien und Veränderungen im Gehirn verursachen würden. Aufgrund ihrer Ergebnisse sehen die Wissenschaftler darüber hinaus einen Hinweis für einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum in der Pubertät und Schizophrenie.

Weiteres zu den Langzeitfolgen des Cannabiskonsums im drogenlexikon

Quellen:

idw-online.de
www.nature.com

Originalliteratur:
Schneider, M. & Koch, M. (2003). Chronic Pubertal, but not Adult Chronic Cannabinoid Treatment Impairs Sensorimotor Gating, Recognition Memory, and the Performance in a Progressive Ratio Task in Adult Rats. Neuropsychopharmacology, 28, 1760-1769.

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