Ist hohe Intelligenz ein Risikofaktor?

02.12.2011

Die Idee, den Intelligenzquotienten von fünfjährigen Kindern mit späterem Drogenkonsum in Beziehung zu setzen, darf sicherlich als ungewöhnlich bezeichnet werden. Zwei britische Forscher haben diesen Gedanken in die Tat umgesetzt und sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen. Demnach könne eine überdurchschnittliche Intelligenz in der Kindheit das Risiko für späteren Drogenkonsum erhöhen.

Kleiner Junge mit Lederhose vor Betonwand liest in großem Buch mit gelben Umschlag

Bild: luxuz::. / photocase.com

In der Forschung galt eine hohe Intelligenz in der Kindheit und Jugend bislang als eine Art Schutzfaktor vor einem ungesunden Lebensstil als Erwachsener. Wer schon als Kind schlau ist, bewegt sich später mehr, isst mehr Obst und raucht weniger oder stellt das Qualmen früher wieder ein. Das legt doch die Annahme nahe, dass intelligente Kinder später weniger Drogen nehmen, oder? Die Studienlage hierzu war bislang jedoch widersprüchlich und erlaubt keine eindeutige Antwort.

Um mehr Klarheit zu diesem Thema zu bekommen, haben die britischen Forscher James White und David Batty die Daten einer großen Längsschnittstudie analysiert. Bei über 11.000 Kindern wurde die Intelligenz im Alter von fünf und zehn Jahren ermittelt. Mit 16 und 30 Jahren wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten anzugeben, ob und welche Drogen sie im letzten Jahr konsumiert haben. Rund 8000 Personen haben sich daran beteiligt. Angesichts der Größe und der Dauer der Studie dürften die Erkenntnisse, die hierbei gewonnen werden also als besonders zuverlässig betrachtet werden.

Die Ergebnisse brachten Erstaunliches zutage: Der Intelligenzquotient im Alter von fünf und zehn Jahren steht demnach signifikant in Zusammenhang mit Drogenkonsum im Jugend- und Erwachsenalter. Dies betrifft den Konsum von Cannabis, Kokain und Amphetaminen. Generell zeigte sich, dass Männer als Jugendliche und Erwachsene mehr Drogen konsumieren als Frauen. Das ist nicht ungewöhnlich und findet sich auch in Studien aus Deutschland. Bemerkenswert ist jedoch, dass der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Drogenkonsum bei Frauen stärker ausgeprägt war als bei Männern. Teilt man die Personen hinsichtlich ihrer Intelligenz in drei Gruppen ein, so war die Wahrscheinlichkeit für Drogenkonsum bei den Frauen des oberen Drittels teils mehr als doppelt so hoch wie bei den Frauen aus dem unteren Drittel.

Die Intelligenz erwies sich zudem als ein Faktor, der auch dann noch signifikant bleibt, wenn der sozio-ökonomische Status und mögliche psychische Belastungen in der Jugend in die Analyse mit einbezogen werden. Der Faktor Intelligenz, so scheint es, hat demnach ein von den genannten Faktoren unabhängigen Einfluss auf Drogenkonsum.

Wie kann das sein? Das haben sich die beiden Autoren der Studie auch gefragt, können aber nur darüber spekulieren, welches die Gründe sein könnten. So sei bekannt, dass Personen mit hoher Intelligenz besonders neugierig und offen für neue Erfahrungen sind. Das Experimentieren mit Drogen könne somit eine Folge der Suche nach Neuem sein. Andere Studien würden zudem Hinweise liefern, dass hochintelligente Kinder oft gelangweilt sind oder von anderen Gleichaltrigen gemobbt werden. Beides könne ein Grund dafür sein, dass intelligente Kinder Drogenkonsum als eine Art Bewältigungsstrategie nutzen. Dies sind jedoch nur Spekulationen, die noch weiter erforscht werden müssen, betonen die Autoren der Studie.

Quellen:

  • Pressemitteilung BMJ
  • White, J. & Batty, D. (2011). Intelligence across childhood in relation to illegal drug use in adulthood: 1970 British Cohort Study. J Epidemiol Community Health, doi:10.1136/jech-2011-200252. Zusammenfassung

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