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24.02.2006
Mohnsamen werden wegen ihres typischen Geschmacks gerne in Brot, Brötchen und Kuchen verarbeitet. Die Samen stammen vom Schlafmohn, aus dem auch psychoaktive Substanzen wie Morphin und Codein gewonnen werden. In der Regel enthält der Speisemohn nur Spuren dieser Substanzen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat nun in einer Studie nachgewiesen, dass Speisemohn aufgrund qualitativer Schwankungen unterschiedliche Mengen Morphin enthalten kann. In ungünstigen Fällen können dadurch über Mohnkuchen und anderen mohnhaltige Lebensmittel Morphindosen aufgenommen werden, die im therapeutisch wirksamen Bereich liegen.
Hintergrund der Studie bildet ein Fall, in dem eine Mutter ihrem sechs Wochen alten Säugling die abgeseihte Milch vom Backmohn verabreicht hat, um diesem zum Durchschlafen zu verhelfen. Das Rezept für das alte Hausmittel hatte sie einem Backbuch entnommen. Schon wenige Stunden danach musste der Säugling mit einem Notarztwagen in eine Klinik gebracht werden. Das Kind hatte Atemstörungen, das Bewusstsein war getrübt, und es reagierte kaum auf Schmerzreize. Da ein Atemstillstand drohte, musste der Säugling mit einer Sauerstoffmaske beatmet werden. Wegen des Verdachts auf eine Opiat-Vergiftung wurde das Kind mit einem Gegenmittel behandelt. Eine Urinuntersuchung, bei der hohe Mengen der Alkaloide Morphin und Codein nachgewiesen wurden, bestätigte den Verdacht.
Analysen des BfR belegen nun, dass die Morphingehalte von Speisemohn stark schwanken und in letzter Zeit offensichtlich angestiegen sind. Mohnsorte, Erntezeitpunkt und geografische Herkunft können die Morphinmenge beeinflussen. Hauptursache für deutlich erhöhte Werte dürften aber Verunreinigungen durch alkaloidhaltige Bruchstücke von Samenkapseln oder Milchsaft bei der Gewinnung des Samens sein. Nach Angaben des BfR ließen sich die Morphingehalte durch Waschen der Samen drastisch reduzieren. Es wird deshalb vermutet, dass die erhöhten Morphingehalte in Mohnsamen mit neu eingeführten maschinellen Erntetechniken zusammenhängen, bei denen die Kapsel gequetscht wird.
In ungünstigen Fällen können damit über Lebensmittel Morphinmengen aufgenommen werden, die im therapeutischen Bereich liegen. „Im schlimmsten Fall kann es bei solchen Dosen zu Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Atemdepression und Herzkreislaufeffekten kommen“, warnt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Um dieses Risiko für den Verbraucher auszuschließen, hat das BfR im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums eine maximale tägliche Aufnahmemenge abgeleitet und einen Richtwert für Morphin in Mohnsamen empfohlen. Bis die Hersteller die Morphingehalte erfolgreich reduziert haben, rät das Institut Verbraucherinnen und Verbrauchern vom übermäßigen Verzehr stark mohnhaltiger Lebensmittel ab, besonders während der Schwangerschaft.
Quellen:
Pressemitteilung des BfR
Studie des BfR (pdf, 292, kB)
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