Stigmatisierung ist ein Problem unter Cannabis-Konsumierenden

01.04.2026

Eine neue Studie zeigt: Personen, die Cannabis konsumieren, erleben nicht nur Stigmatisierung, sondern neigen auch zur Selbst-Stigmatisierung. Das gilt besonders, wenn sie Cannabis aus medizinischen Gründen einnehmen.

Bild: syahrir maulana /iStock.com

Sie gelten als faul und träge, mit einem Hang zur Gleichgültigkeit gegenüber den Anforderungen des Alltags. Das stereotype Bild vom demotivierten „Kiffer“ hat sich über Jahrzehnte tief ins kollektive Bewusstsein eingebrannt. Zwar ist Cannabis seit 2017 aus medizinischen Gründen und seit April 2024 auch zu Freizeitzwecken legal verwendbar, doch Cannabiskonsumierende erleben bis heute Stigmatisierung, wie eine aktuelle Studie aus Deutschland aufzeigt. 

Studienleiter Moritz Rosenkranz und sein Team haben 684 Personen dazu befragt, ob sie Stigmatisierung wahrnehmen. Alle Befragten konsumierten mindestens monatlich Cannabis, sechs von zehn hatten eine Cannabiskonsumstörung. 

Viele der Befragten erleben den Ergebnissen zufolge nicht nur Stigmatisierung durch andere Menschen. Sie würden auch zur Selbst-Stigmatisierung neigen. Das bedeutet, sie verinnerlichen negative Zuschreibungen der Öffentlichkeit und beziehen sie auf sich selbst.

Stigma in Zusammenhang mit Konsum aus medizinischen Gründen und Bildungsstand

Die Forschenden fanden heraus, dass ausgerechnet die Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen verschrieben bekommen, also einen guten Grund für den Konsum haben, am stärksten von wahrgenommener Stigmatisierung und Selbst-Stigmatisierung betroffen sind. Während 24 Prozent der Menschen, die Cannabis lediglich zu Freizeitzwecken konsumieren, Stigmatisierung erfahren, trifft dies auf 47 Prozent der Personen zu, die Cannabis ausschließlich aus medizinischen Gründen einnehmen. 

Rosenkranz und sein Team vermuten, dass Betroffene die negative öffentliche Wahrnehmung von Cannabis in ihr Selbstbild übernommen haben und sich dafür schämen, eine „Droge“ und kein Arzneimittel zur Linderung ihrer Erkrankung zu verwenden.

Interessanterweise sind auch Menschen mit einem höheren Bildungsstand stärker von Stigmatisierung und Selbst-Stigmatisierung betroffen. Denkbar sei, nach Angabe der Forschenden, dass das Klischee des faulen „Kiffers“, der keine beruflichen Ziele erreicht, stärker in Kontrast steht zum Selbstbild, wenn die betreffende Person formal höher gebildet ist. 

Besonders hohes Erleben von Stigma bei psychischer Belastung und Cannabiskonsumstörung

Auch steigt die Wahrscheinlichkeit für Stigmatisierung, wenn die Person sich psychisch belastet fühlt. Besonders hoch belastete Menschen waren in der Befragung dreimal so stark durch Selbst-Stigmatisierung betroffen wie die psychisch am wenigsten Belasteten. Dabei sei es aber unklar, ob psychisch belastete Menschen stärker dazu neigen, sich selbst zu stigmatisieren oder ob psychische Belastungen eine Folge der Stigmatisierung sind. Denkbar sei auch eine wechselseitige Beziehung, bei der beides zutrifft.

Als besonders problematisch bezeichnen die Forschenden das Ergebnis, dass insbesondere Personen mit Cannabiskonsumstörung zur Selbststigmatisierung neigen. So würden diese womöglich seltener professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie sich für ihren Konsum schämen. 

Stigmafreie Bezeichnungen respektieren die menschliche Würde

Rosenkranz und sein Team weisen darauf hin, dass auch im Kontext der professionellen Suchthilfe Bezeichnungen verwendet werden, die stigmatisierend wirken können. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat bereits 2023 in einer Stellungnahme Empfehlungen für Stigma-freie Bezeichnungen im Bereich der Konsumstörungen ausgesprochen.

So sollten beispielsweise stigmatisierende Personen-Zuschreibungen wie „Alkoholiker“ oder „Kiffer“ vermieden und stattdessen von „Menschen mit einer Substanzkonsumstörung“ gesprochen werden. Eine entstigmatisierte Sprache beziehe sich auf die Krankheit selbst und nicht auf die Person als Ganzes und respektiere so die menschliche Würde und individuelle Geschichte jeder Person.

 

Quellen:

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