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03.04.2015
Nicht nur Drogenkonsum, auch Verhalten wie Chatten oder Shoppen kann einen suchtähnlichen Charakter annehmen. Ein kanadisches Forschungsteam hat nun untersucht, wie sich süchtiges Verhalten ohne professionelle Behandlung über die Zeit entwickelt.

Bild: © Syda Productions / Fotolia.com
Wenn der Kaufrausch kein Ende nimmt oder das Online-Game den Tag und die Nacht bestimmt, dann könnte ein vermeintlich harmloses Verhalten zur Sucht geworden sein. Zwar gibt es in der Forschung noch eine Debatte darüber, ob und welche Verhaltensweisen als eigenständige Suchterkrankung behandelt werden sollten, unstrittig ist aber, dass manche exzessiven Verhaltensweisen suchtähnlichen Charakter annehmen können. Bislang ist jedoch unklar, wie sich Verhaltenssüchte über die Zeit entwickeln.
Ein Forschungsteam aus Kanada führte deshalb eine Studie durch, in der die Entwicklung verschiedener Verhaltenssüchte bei Erwachsenen über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet wurde. Dabei stellte sich heraus, dass eine Verhaltenssucht, oft nur von kurzer Dauer ist und von selbst wieder verschwindet. Dies widerspricht einem bisher üblichen Verständnis von Suchterkrankungen.
Für seine Untersuchung nutzte das Team um Barna Konkolÿ Thege Daten von über 4.000 kanadischen Bürgerinnen und Bürgern mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren. Untersucht wurde die übermäßige Ausübung von Sport, sexuellem Verhalten, Einkaufen, Chatgesprächen, Videospielen und Essen.
Knapp 500 der Teilnehmenden gaben an, dass mindestens einmal in den letzten 12 Monaten eine der untersuchten Tätigkeiten problematisch gewesen sei. Problematisch bedeutet, dass die Kontrolle über das Verhalten eingeschränkt war und das exzessive Verhalten negative Folgen wie Geldprobleme, Schwierigkeiten mit der Familie und mit Freunden oder ähnliches nach sich zog.
Die wiederholte Befragung der Teilnehmenden hat allerdings gezeigt, dass die beschriebenen Verhaltenssüchte nicht unbedingt von Dauer sein müssen. Vielmehr hat sich herausgestellt, dass das Problemverhalten in den meisten Fällen nur einmal innerhalb der 5 Jahre auftrat und dann wieder verschwand, in den meisten Fällen zudem ohne professionelle Hilfe. Dies unterscheide sich von Befunden zu anderen Süchten wie Drogenabhängigkeit, die oftmals über Jahre bestehen bleibt.
Weiterhin hat die Studie gezeigt, dass das Geschlecht einen Einfluss auf die Art der Verhaltenssucht hat. Ein süchtiges Essverhalten war bei Frauen 2-mal häufiger und exzessives Kaufen sogar 3-mal häufiger anzutreffen als bei Männern. Männer zeigten hingegen 4-mal häufiger ein suchtartiges Sexualverhalten als Frauen. Die zeitliche Unbeständigkeit dieser Verhaltenssüchte tritt aber bei Männern und Frauen gleichermaßen auf.
Trotz der Ergebnisse solle eine Verhaltenssucht aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Konkolÿ Thege und sein Team weisen darauf hin, dass die Teilnehmenden ein Durchschnittsalter von 46 Jahren aufwiesen und eher die Normalbevölkerung repräsentieren. Bei anderen Altersgruppen oder bei Personen, die durch Erkrankungen wie einer Depression vorbelastet sind, gelten möglicherweise andere Bedingungen. Eine frühere Studie hat allerdings zeigen können, dass exzessives Computerspielen auch bei Jugendlichen meist nur ein vorübergehendes Phänomen ist.
Quelle:
Konkolÿ Thege, B., Woodin, E. M., Hodgins, D. C., & Williams, R. J. (2015). Natural course of behavioral addictions: a 5-year longitudinal study. BMC Psychiatry, 15:4.
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