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14.01.2026
Wie viel Alkohol ist noch okay? Infos dazu liefern offizielle Richtlinien. Laut einer aktuellen Studie scheinen viele Menschen aber ihre eigene Definition davon zu haben, was unter „riskantem Alkoholkonsum“ zu verstehen ist.

Bild: Inside Creative House / iStock.com
Ob zum Feiern, zum Entspannen oder weil es schmeckt, Alkohol wird zu vielen Anlässen und aus unterschiedlichen Gründen getrunken. Da wäre es gut zu wissen, ab wann Alkoholkonsum als riskant zu bezeichnen ist. Doch was heißt „riskant“ eigentlich?
Genau das hat ein Forschungsteam 308 Erwachsene aus Schweden und dem Vereinigten Königreich gefragt. In der Befragung wurden die Teilnehmenden zunächst gebeten, ihre persönliche Definition von riskantem Alkoholkonsum kurz zu beschreiben. Anschließend wurden ihnen die offiziellen Richtlinien ihres Landes für riskanten Alkoholkonsum präsentiert. In Schweden gelten beispielsweise mehr als 9 Standardgläser pro Woche sowie mehr als drei Gläser pro Trinkgelegenheit als riskant. Danach wurden die Teilnehmenden der Studie gefragt, wie relevant diese Richtlinien für sie persönlich sind.
Die Ergebnisse zeigen, dass sehr unterschiedliche Auffassungen zum Thema „riskanter Alkoholkonsum“ existieren. Deutlich wurde vor allem, dass sich die Befragten kaum an Zahlen orientieren. Vielmehr spielte eine Rolle, wie und welcher Alkohol in welchen Situationen und aus welchen Gründen getrunken wird.
So bezeichneten manche der Befragten schlicht das tägliche Trinken als riskant. Andere nannten den Konsum von Hochprozentigem, vor allem das wiederholte Trinken von „shots“ als einen Indikator für riskantes Trinken.
Häufig wurde der Kontrollverlust als Marker für riskanten Alkoholkonsum genannt. Ein 42-Jähriger schrieb: „Nicht in der Lage zu sein, einfach nur ein Bier zu trinken – es immer mehr werden“. Auch der Zweck sei nach Einschätzung der Befragten ein Hinweis für riskanten Konsum, wie das Trinken, um Schmerzen zu lindern oder um einschlafen zu können.
Wenn Teilnehmende doch konkrete Mengenangaben machten, lagen diese oft weit über den offiziellen Empfehlungen, etwa wenn für sie riskanter Konsum ab „mehr als 20 Einheiten pro Woche“ oder bei „10 Einheiten und mehr pro Tag“ beginne.
Konfrontiert mit den offiziellen Richtlinien bewerteten viele der Befragten diese als „übertrieben“ oder als „nicht realistisch“. Viele Antworten legen die Vermutung nahe, dass die Befragten ihr eigenes Trinkverhalten mit den Richtlinien abgleichen und dabei einerseits feststellen, dass sie diese übersteigen, andererseits aber kein Problem darin sehen. So stellt ein 66-Jähriger Schwede fest, sein Alkoholkonsum sei „weit darüber (den Richtlinien), und das seit über 40 Jahren. Ich bin immer noch kein Alkoholiker“.
Studienleiter Joel Crawford und sein Team sehen darin ein zentrales Problem. Offizielle Richtlinien setzen in erster Linie auf Zahlen, also auf eine bestimmte Menge alkoholischer Getränke. Die individuelle Risikowahrnehmung der Menschen weiche aber bedeutsam von diesem Prinzip ab.
Die Befragten scheinen bei ihren Einschätzungen von riskantem Alkoholkonsum eher nach Gefühl und auf der Basis persönlicher Erfahrungen vorzugehen. In der Konsequenz scheinen die in den Richtlinien genannten Grenzwerte für täglichen oder wöchentlichen Alkoholkonsum für die meisten der Befragten keine oder nur wenig persönliche Relevanz zu haben.
Zu erwähnen ist, dass offizielle Richtlinien nicht nur darauf abzielen, das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung zu mindern. Grenzwerte dienen vielmehr dem Zweck, jegliches gesundheitliche Risiko zu mindern, auch das Risiko für Krebs und andere Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Herz-Kreislauferkrankungen. Die Antworten der Befragten lassen aber erkennen, dass sie den Begriff „Risiko“ nur mit der Gefahr einer Abhängigkeit in Verbindung bringen.
Aus Sicht des Forschungsteams legen die Ergebnisse nahe, dass die Gesundheitskommunikation mehr auf persönliche Lebensrealitäten eingehen sollte. Statt nur Mengen zu nennen, sollten Botschaften verdeutlichen, wie Alkohol Kontrolle, Stimmung und Beziehungen beeinflusst.
In Deutschland wurden die Richtlinien für den risikoarmen Alkoholkonsum im Jahr 2024 überarbeitet. Auf der Basis des aktuellen Forschungsstands wird nun empfohlen, nicht mehr als 1 bis 2 Gläser Alkohol pro Woche zu trinken. Die Risiken steigen mit dem Konsum.
Wer seinen persönlichen Konsum überprüfen möchte, kann dies mit dem Selbsttest Check your Drinking tun. Neben der Konsummenge berücksichtigt der Selbsttest auch Motive und Situationen. Persönliche Hilfe gibt es kostenlos und anonym in der Chatberatung oder E-Mail-Beratung von drugcom.de.
Quelle:
Gibt es Toleranz beim Kater? (04.06.2025)
Jede dritte Person riskiert Gesundheitsschäden durch Alkohol (03.12.2025)
Weniger Alkohol? Gewohnheiten spielen eine wichtige Rolle (13.11.2024)
Alkoholkonsum erhöht das Demenzrisiko auch in geringen Mengen (15.10.2025)
Bestimmte Gene erhöhen gleichzeitig Risiko für Sucht und psychische Erkrankungen (11.12.2024)Webanalyse / Datenerfassung
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