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Süchtig nach Schönheit und Stärke

September 2004

Der Mediziner Carsten Boos von der Universität Lübeck hat eine Studie über Doping im Freizeitsport in Deutschland durchgeführt. Nach Angaben von Netdoktor.de hat Boos 454 Männer und Frauen in 58 kommerziellen Sportstudios quer durch Deutschland interviewt. 19 Prozent (22 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen) gaben zu, anabol wirkende Substanzen zu nehmen. „Sollten die vorliegenden Zahlen auch nur zur Hälfte stimmen, ist bei derzeit 3,5 Millionen registrierten Sportlern in Fitnessstudios von 350.000 Anabolika-Konsumenten in Deutschland auszugehen", erläutert Boos gegenüber Netdoktor.de. Seiner Meinung nach würden das Suchtverhalten und die körperlichen Folgeprobleme unterschätzt.

Hohes Gesundheitsrisiko durch Doping

In einer aktuellen Studie werden die Gefahren des Dopings mit Anabolika aufgezeigt (siehe News vom 13.08.04). Demnach schwächen die chemischen Trainingshelfer das Immunsystem und machen es anfälliger für Infektionen und Krebs. Sogar 50-mal geringere Dosen als jene, die Spitzensportler verwenden, greifen das Immunsystem an. Weitere Nebenwirkung: Bei den untersuchten Sportlern reduzierte sich das Einfühlungsvermögen für andere Menschen und sie wurden aggressiver.

Erst kürzlich hatte der Heidelberger Molekularbiologe Professor Werner Franke in der Online-Ausgabe der Ärzte Zeitung vor den gesundheitlichen Folgen des wachsenden Anabolika-Konsums im Breitensport gewarnt. Bei jungen Bodybuildern würden zunehmend Kardiomyopathien (Herzmuskelschäden), Leberschäden und schwere Persönlichkeitsveränderungen beobachtet. Franke kritisiert, dass das Phänomen weitgehend verschwiegen werde.

Die Suche nach dem Kick

Gegenüber SPIEGEL ONLINE erläutert der Kölner Psychologe und Psychotherapeut Werner Hübner: „Die Jugendlichen suchen den Kick über ihren eigenen Körper und erleben dabei buchstäblich Entwicklungen, die sie ansonsten im Leben vermissen.“ Ihre Motive seien die gleichen wie bei anderen Jungen: den Mädchen und der eigenen Clique imponieren. Allein in Köln mit knapp einer Million Einwohnern, schätzt Hübner, gebe es „einige Hundert dopende Jugendliche - mit steigender Tendenz seit etwa drei Jahren.“

Bei der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) sehe man vor allem gesellschaftliche Ursachen: „Der Körperkult ist aus den Medien in den Breitensport hinübergeschwappt", sagt Geschäftsführer Roland Augustin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Es werde „ein Körperbild transportiert, das realitätsfern ist und dem einzelnen nahe legt, dass man an sich etwas ändern muss - ähnlich wie bei Schönheitsoperationen." Zudem hätten Breitensportler keine ausgebildeten Trainer: „So erkennen viele ihre Leistungsgrenze nicht, oder sie ignorieren sie."

Quellen:

Studie der Universität Lübeck
Ärzte Zeitung
SPIEGEL ONLINE
News vom 13.08.2004: Hohes Gesundheitsrisiko durch Doping

 

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