Fentanyl
Was ist Fentanyl und wie wird es angewendet?
Herkunft und Wirkungsweise
Fentanyl ist ein künstlich hergestelltes Opioid, das 1960 erstmals hergestellt wurde. Fentanyl hat eine schmerzstillende Wirkung, die bis zu 100-mal stärker ist als die von Morphin. Das Medikament Fentanyl wird daher in der Regel erst bei starken oder chronischen Schmerzen verabreicht, die sich nicht mehr durch andere Schmerzmittel behandeln lassen.
Fentanyl ist ein synthetisches Opioid mit einer bis zu 100-mal stärkeren schmerzstillenden Wirkung als Morphin.
Darreichungsformen (Narkose und akute Schmerzen)
Im Rahmen einer Narkose oder zur Akutbehandlungen von Schmerzen wird Fentanyl intravenös gespritzt. Für die Behandlung von so genannten Durchbruchschmerzen steht Fentanyl auch als Nasenspray oder in Form von Lutschtabletten oder Sublingualtabletten, die unter die Zunge gelegt werden, zur Verfügung. Hierbei wird der Wirkstoff schnell durch die Mund- oder Nasenschleimhaut aufgenommen. Durchbruchschmerzen sind besonders starke akute Schmerzen, die bei Krebspatientinnen und -patienten auftreten können.
Wirkstoffaufnahme und Depotbildung bei Pflastern
Seit den 1990er Jahren werden auch Fentanyl-Pflaster eingesetzt, die ihren Wirkstoff über die Haut abgeben. Aufgrund seiner guten Fettlöslichkeit wird Fentanyl leicht über die Haut aufgenommen, wo sich Fentanyl-Depots bilden, von denen der Wirkstoff langsam in die Blutbahn übergeht.
Unterschiedliche Typen von Fentanylpflastern
Bei so genannten Matrixpflastern ist der Wirkstoff in der klebrigen Schicht enthalten, die direkt mit der Haut in Kontakt kommt. Ein anderer Pflastertyp enthält ein gelartiges Reservoir, das den Wirkstoff über eine Membran an die Haut abgibt. Das Fentanyl-Pflaster wird drei Tage auf der Haut getragen.
Welche Risiken birgt der Missbrauch von Fentanyl?
- Lebensbedrohliche Überdosierungen durch Verlangsamung der Atmung bis hin zum Atemstillstand; erste Anzeichen sind Müdigkeit oder Bewusstseinsstörungen.
- Berichte über Todesfälle durch die missbräuchliche Anwendung von Fentanylpflastern zu Rauschzwecken
- Zunahme des Missbrauchs bei verschlechterter Verfügbarkeit oder Reinheit von Heroin
- Vermarktung teilweise als „synthetisches Heroin“
- Rauscherlebnis wird oft als „uninteressant“ oder „langweilig“ beschrieben
Welche rechtlichen Bestimmungen gelten für Fentanyl?
Fentanyl ist im Betäubungsmittelgesetz unter Anlage III eingruppiert. Es gehört somit zu den verschreibungsfähigen Betäubungsmitteln. Eine Verwendung ohne Verschreibung ist illegal.
Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick
- Fentanyl ist ein synthetisches Opioid mit einer bis zu 100-mal stärkeren schmerzstillenden Wirkung als Morphin und wird vorwiegend bei starken oder chronischen Schmerzen eingesetzt.
- Die Anwendung kann intravenös, als Nasenspray, in Tablettenform oder über spezielle Hautpflaster erfolgen, die den Wirkstoff über einen Zeitraum von mehreren Tagen abgeben.
- Ein Missbrauch der Substanz ist lebensbedrohlich, da Überdosierungen die Atmung verlangsamen und bis zum Atemstillstand führen können.
- Rechtlich ist Fentanyl als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, dessen Nutzung ohne ärztliche Verschreibung illegal ist.
Quellen:
- EMCDDA (2012). Fentanyl in Europe - EMCDDA Trendspotter Study. Lisbon: EMCDDA.
- Lane, M. E. 2013). The transdermal delivery of fentanyl. European Journal of Pharmaceutics and Biopharmaceutics, 84, 449-455.
- Nelson, L. & Schwaner, R. (2009). Transdermal Fentanyl: Pharmacology and Toxicology. Journal of Medical Toxicology, 5 (4), 230-241.
- Pharmazeutische Zeitung 16/2013 „Missbrauch von Fentanyl-Pflastern“
- Pharmazeutische Zeitung 38/2009 „Nasenspray gegen Durchbruchschmerzen“
- MedlinePlus Fentanyl
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Stand der Information: Juni 2016