Abgestumpft durchs Kiffen?

18.07.2014

Starke Kiffer haben nicht selten Probleme in Beziehungen. Dies könnte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass sie Schwierigkeiten haben, die Gefühle anderer zu erkennen.

Vier Menschen halten gemalte Emoticons vor ihr Gesicht

Bild: © istock.com / stacey_newman

Ob Wut, Freude oder Angst, die Gefühle anderer Menschen teilen sich uns vor allem durch ihren Gesichtsausdruck mit. Das Gesicht wird daher auch als „Spiegel der Seele“ bezeichnet. Aber nicht jeder Mensch kann die Stimmung seines Gegenübers gleich gut deuten. Manche Menschen haben ein feines Gespür für die kleinen Nuancen der Mimik, andere sind hierfür weniger empfänglich.

Starker Cannabiskonsum steht im Verdacht, die Empfänglichkeit für die Gefühle anderer Menschen dauerhaft zu dämpfen. Um dies zu überprüfen, hat ein britisches Forschungsteam die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, bei 25 starken Kiffern und 34 vergleichbaren Kontrollpersonen getestet.

Der Test erfolgte mit Bildern, auf denen Gefühlszustände wie Überraschung, Ekel oder Traurigkeit durch Gesichtsausdrücke von Schauspielern dargestellt wurden. Bei der Darstellung der Gefühle wurde zudem die Intensität variiert, so dass sich manche Gesichtsausdrücke leicht, andere nur schwer deuten ließen. Jedes Bild wurde nur für eine halbe Sekunde eingeblendet. Anschließend mussten die Versuchspersonen jeweils angeben, um welche Emotion es sich handelt.

Schlechter auch bei starken Emotionen

Bei diesem Test haben die starken Kiffer signifikant schlechter abgeschnitten als die Personen der Kontrollgruppe. Sogar bei den vergleichsweise leicht einzuschätzenden Bildern, auf denen die Emotion mit einer Intensität von 100 Prozent abgebildet war, wie beispielsweise einem breiten Lachen, lagen die Kiffer signifikant häufiger daneben als die gleichaltrigen und ähnlich intelligenten Kontrollpersonen.

Damit konnte das Forschungsteam das Ergebnis einer anderen Studie aus dem Jahre 2008 wiederholen und bestätigen. Im Gegensatz zur früheren Studie hatte das Forschungsteam in der aktuellen Untersuchung auch darauf geachtet, mögliche Symptome einer so genannten schizotypen Störung zu berücksichtigen.

Die schizotype Störung ist noch keine Schizophrenie, die Betroffenen verhalten sich aber merkwürdig oder exzentrisch, mit der Tendenz zum sozialen Rückzug. Je nach Ausprägung der Symptome kann das Erkennen von Emotionen bei anderen Menschen beeinträchtigt sein. In dieser Studie unterschieden sich beide Gruppen aber nicht hinsichtlich der Symptome für eine schizotype Störung, wohl aber im Hinblick auf den Cannabiskonsum.

Quelle:
Hindocha, C., Wollenberg, O., Carter Leno, V., Alvarez, B. O., Curran, H. V. & Freeman, T. P. (2014). Emotional processing deficits in chronic cannabis use: A replication and extension. Journal of Psychopharmacology, 28(5), 466-471.


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