Alltagsgedächtnis leidet bei Cannabiskonsum

05.09.2008

Jeder kennt das. Man geht aus dem Haus, zieht die Tür hinter sich zu und stellt in dem Moment fest, dass der Schlüssel drin geblieben ist. Oder man geht mit einer Einkaufsliste im Kopf los, ist im Supermarkt angekommen und hat aber einen Teil davon wieder vergessen. Diese kleinen Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsfehler treten mehr oder weniger häufig im Alltag auf. Die Häufigkeit des Auftretens sagt aber auch etwas über die Leistungsfähigkeit des Gehirns aus. Psychoaktive Substanzen wie Cannabis haben hierauf Einfluss. Ob sich Cannabis auch auf den Alltag auswirkt, hat ein britisches Forschungsteam in einer Studie untersucht.

Catherine Montgomery und John Fisk haben bereits bei Ecstasykonsumierenden nachweisen können, dass sie im Vergleich zu abstinenten Personen häufiger Dinge im Alltag vergessen (Meldung vom 12.10.2007). In der Studie war bei den untersuchten Personen allerdings der Mischkonsum mit Cannabis durchaus typisch, weshalb sich die Effekte von Ecstasy nicht eindeutig von jenen trennen lassen, die womöglich vom Cannabis ausgehen.

Das Forschungsteam hat nun in einer neuen Studie Personen untersucht, die als einzige illegale Droge bislang nur Cannabis konsumiert haben. Zusätzlich wurde eine Gruppe von Personen einbezogen, die noch nie gekifft oder sonstige Drogen konsumiert hat. Beide Untersuchungsgruppen mussten sich einer Reihe an Tests unterziehen, in denen ihre Hirnleistungen untersucht wurden. Beispielsweise mussten sie Rechenaufgaben machen oder Wortlisten lernen. Die Tests wurden ergänzt durch spezielle Fragebögen, in denen die Probandinnen und Probanden Angaben zu ihrem Alltagsgedächtnis machen mussten. Darin ging es um die kleinen Ausfälle im Alltag, wie sie oben beschrieben wurden. Da es ja mit den Selbstangaben so eine Sache ist, wurden auch Freundinnen und Freunde sowie Angehörige gebeten einzuschätzen, wie oft den Testpersonen Fehlleistungen im Alltag unterlaufen.

Die Ergebnisse liefern ein zweigeteiltes Bild. Bei den Hirnleistungstests im Labor ließen sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Cannabiskonsumierenden und abstinenten Personen feststellen. Der Cannabiskonsum hat demnach keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Hierzu ist zu erwähnen, dass die Cannabis-Gruppe vor Beginn der Tests mindestens 24 Stunden nicht kiffen durfte.

Im Kontrast dazu gaben die Personen der Cannabis-Gruppe jedoch signifikant häufiger Fehlleistungen im Alltag zu. Die Selbsteinschätzungen deckten sich auch mit den Aussagen von Freundinnen und Freunden sowie Angehörigen.

Das Autorenteam argumentiert in ihrer Studie, dass sich Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten unter Laborbedingungen zwar konzentrieren und gleiche Leistungen wie abstinente Personen abliefern können, im echtem Leben würden sie sich aber leichter ablenken lassen und demzufolge auch häufiger kleine Erinnerungsprobleme und andere Fehlleistungen zeigen als abstinente Personen. „Auch wenn Cannabiskonsumenten normale Leistungen im Labor gezeigt haben, bedeutet dies nicht, dass THC keinen Effekt auf die zugrundeliegenden neuronalen Strukturen hat“, schlussfolgert das Autorenteam in ihrer Studie.

Quelle:
Fisk, J. & Montgomery, C. (2008). Real-world memory and executice procecces in cannabis users and non-users. Journal of Psychopharmacology, 22, 727-736. Abstract

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