Cannabis verstärkt genetisch bedingtes Psychose-Risiko

23.10.2015

Ob man an einer Psychose wie der Schizophrenie erkrankt, hängt unter anderem von den Genen ab. Cannabis, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, kann das genetisch bedingte Erkrankungsrisiko zusätzlich erhöhen.

Frau schreit und sieht sich mit beiden Händen Wollmütze über die Augen

Bild: sommerkind / photocase.com

Warum ein Mensch an Schizophrenie erkrankt, das weiß man bis heute nicht ganz genau. In der Wissenschaft geht man aber davon aus, dass die Gene eine wichtige Rolle spielen. Demzufolge ist das persönliche Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, höher, wenn es in der Familie bereits Fälle von Schizophrenie gibt.

Eine Schizophrenie muss aber nicht zwangsläufig ausbrechen, wenn eine Person ein genetisches Risiko hierfür in sich trägt. Zusätzliche ungünstige Umweltbedingungen wie traumatische Ereignisse oder Drogenkonsum können eine bislang verborgene Schizophrenie jedoch zum Ausbruch bringen. Cannabis steht ebenfalls im Verdacht, im Zusammenspiel mit den Genen das Risiko für Schizophrenie zu erhöhen.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Ruud van Winkel hat den Einfluss von Cannabis auf das Psychose-Risiko an einer großen Stichprobe überprüft. 978 Geschwisterpaare waren beteiligt, von denen eines der Geschwister an einer Psychose erkrankt war.

Mehr schizotype Symptome bei Cannabiskonsum

Um das Psychose-Risiko der nicht erkrankten Personen zu ermitteln, hat das Forschungsteam einen Fragebogen eingesetzt, der auf Anzeichen der so genannten Schizotypie testet. Schizotypie beinhaltet ähnliche Symptome wie Schizophrenie ohne dass aber schon deutliche Anzeichen von Wahnvorstellungen oder Halluzinationen vorhanden sind. Personen mit schizotypen Störungen haben Probleme im Kontakt mit anderen Menschen und wirken meist seltsam oder verschroben. Schizotype Störungen gelten zu 50 Prozent als erblich bedingt und können einer Schizophrenie vorausgehen.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass es ein Zusammenspiel gibt zwischen einer genetischen Veranlagung für Psychose und Cannabis. So zeigten die Geschwister von Personen, die an einer Psychose erkrankt waren, mehr schizotype Störungen, wenn sie Cannabis konsumierten, als Geschwister, die abstinent waren, aber ebenfalls einen Bruder oder eine Schwester hatten, der oder die an einer Psychose erkrankt war.

Kiffen allein reicht vermutlich nicht

Dies legt den Schluss nahe, dass Cannabis die Symptome einer bislang verborgenen Psychose bei ansonsten gesunden Personen verstärken kann. Kiffen allein reicht aber vermutlich nicht aus, um eine Psychose auszulösen. Wer jedoch mit höherer Wahrscheinlichkeit genetisch vorbelastet ist, weil ein enges Familienmitglied an einer Psychose erkrankt ist, der- oder diejenige ist stärker gefährdet, durch das Kiffen ebenfalls psychotisch zu werden.

Quelle:
van Winkel, R. & GROUP Investigators (2015). Further Evidence That Cannabis Moderates Familial Correlation of Psychosis-Related Experiences. PLoS ONE, 10(9), e0137625.


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