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Cannabiskonsum könnte Risiko für Lungenschäden erhöhen

10.06.2020

Manche Lungenerkrankungen treten plötzlich und ohne erkennbare Vorzeichen auf. Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob Cannabiskonsum der Auslöser sein könnte.

Bild: Kay Fochtmann / photocase.de

Ein 30-jähriger Mann kommt mit starken Schmerzen in der Brust in die Notaufnahme. Die Schmerzen seien plötzlich aufgetreten, die Ursache ist zunächst unklar. Das Röntgenbild seines Brustkorbs zeigt auf der rechten Seite der Lunge einen so genannten Pneumothorax.

Bei der Entstehung eines Pneumothorax gelangt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustwand, wo sich normalerweise keine Luft befindet. Die Folge ist eine eingeschränkte Atemfunktion der Lunge. Der Mann hat keine Vorerkrankungen, die den Pneumothorax erklären könnten. Er gibt allerdings an, dass er seit fünf Jahren täglich Cannabis rauche.

Solche und ähnliche Fälle hat ein Forschungsteam um Alessandro Stefani in einer aktuellen Studie untersucht. Beteiligt waren Patientinnen und Patienten, die zwischen Januar 2009 und Dezember 2018 wegen eines Pneumothorax im Universitätsklinikum Modena in Italien operiert wurden. Ebenso wie der 30-Jährige wiesen auch die Untersuchungspersonen keine vorbestehenden Lungenerkrankungen auf. Tritt ein Pneumothorax bei Personen ohne Vorerkrankungen auf, spricht man von einem Spontanpneumothorax.

Kiffen in Zusammenhang mit Schädigungen der Lunge

Ziel der Studie von Stefani und seinem Team war es, den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Auftreten eines Spontanpneumothorax zu untersuchen. Dafür wurden die Patientinnen und Patienten zu ihrem Rauchverhalten befragt. Von den insgesamt 112 Personen gab etwa ein Drittel an, Cannabis zu rauchen. Zusätzlich wurde eine cannabisabstinente Vergleichsgruppe mit und ohne Tabakkonsum gebildet. Außerdem wurden weitere Informationen gesammelt, die mit der Entstehung eines Spontanpneumothorax zusammenhängen könnten.

Den Ergebnissen zufolge, würde Cannabiskonsum mit einem erhöhten Risiko für einige Aspekte der Erkrankung einhergehen. Dazu zählen chronische Atemwegsbeschwerden wie Husten und Atemnot, bullöse Lungenerkrankungen sowie die Bildung eines Spannungspneumothorax. Ein Spannungspneumothorax entsteht, wenn sich in dem Spalt zwischen Lunge und Brustwand immer mehr Luft sammelt und nicht mehr entweichen kann.

Einschränkend weist das Forschungsteam allerdings darauf hin, dass nicht endgültig beantwortet werden kann, ob Cannabis die Erkrankung ausgelöst hat. Als Ursache käme auch Tabakkonsum in Betracht, zumal 37 von 39 untersuchten Cannabiskonsumierenden zusätzlich Tabak rauchten. Allerdings fanden sich in einer anderen Studie, in der Cannabiskonsumierende mit und ohne Tabakkonsum verglichen wurden, ebenfalls Belege dafür, dass regelmäßiger Cannabiskonsum auch ohne zusätzliches Tabakrauchen Lungenschäden nach sich ziehen kann.

 

Quellen:

  • Mishra, R., Patel, R. & Khaja, M. (2017). Cannabis-induced bullous lung disease leading to pneumothorax. Case report and literature review. Medicine 96(19): e6917.
  • Lungenärzte im Netz > Was ist ein Pneumothorax?
  • Stefani A., Aramini B., Baraldi C., Pellesi L., Della Casa G., Morandi U. & Guerzoni, S. (2020) Secondary spontaneous pneumothorax and bullous lung disease in cannabis and tobacco smokers: A case-control study. PLoS ONE 15(3): e0230419.

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