Hirnschäden durch Ketamin

27.09.2013

Ketamin ist ein Narkosemittel, das vor allem in der Notfallmedizin angewendet wird. Aufgrund der halluzinogenen Nebenwirkungen wird Ketamin auch als Droge missbraucht. Bislang ist wenig bekannt über die längerfristigen Auswirkungen des Konsums. Ein chinesisches Forschungsteam hat erstmals die Folgen dauerhaften Konsums untersucht.

Zeichnung eines halbtransparenten Männerkopfes mit verkleinertem Gehirn vor schwarzem Hintergrund

Bild: angelhell / istockphoto.com

In der Studie wurden 21 Ketaminabhängige in die „Röhre“ geschoben und mit Hilfe der Magnetresonanztomographie durchleuchtet. Das Ergebnis sind Schwarz-Weiß-Bilder, die Einblicke in das Innere des Gehirns liefern. Auf der Grundlage dieser Aufnahmen haben Chunmei Wang und sein Team nach den Auswirkungen jahrlangen Ketaminkonsums auf das Gehirn gefahndet. Drei gesunde, drogenabstinente Personen wurden zur Kontrolle einbezogen.

Die beteiligten Ketaminabhängigen hatten bis zu 12 Jahre Erfahrung mit der Droge. Der Durchschnittskonsum betrug ein Gramm pro Tag. Alle hatten die Droge durch sniefen, also durch die Nase eingenommen.

Das Ergebnis der Bildanalyse fiel eindeutig aus. „Wir haben nun einen klaren und eindeutigen Nachweis für Schäden im zentralen Nervensystem durch chronischen Konsum von Ketamin bei Menschen“, fassen Chunmei Wang und sein Team die Ergebnisse zusammen. Schon nach wenigen Jahren würden deutliche Hirnschäden sichtbar werden. In verschiedenen Bereichen des Gehirns seien Nervenzellen und Nervenbahnen atrophiert. Das bedeutet, dass sich Gehirnmasse zurückgebildet hat.

Chunmai Wang und sein Team schreiben, dass sich die beobachteten Schäden von denen anderer Drogen abheben, weil so viele Bereiche betroffen seien. Die atrophierten Bereiche würden sich „diffus“ über das gesamte Gehirn verteilen. Hingegen seien die Schäden bei Drogen wie Kokain oder Methamphetamin meist regional auf bestimmte Hirnareale begrenzt.

Allerdings liefert der im Fachmagazin Frontiers in Neuroanatomy veröffentlichte Artikel keine Hinweise darauf, welche anderen Drogen die untersuchten Personen sonst noch konsumiert haben. Auch ist nicht auszuschließen, dass es sich um Vorerkrankungen handelt. Insofern dürften noch weitere Studien notwendig sein, um die von Wang und seinem Team gezogenen Schlussfolgerungen zu belegen.

Quelle:
Wang, C., Zheng, D., Xu, J., Lam, W. & Yew, D. T. (2013). Brain damages in ketamine addicts as revealed by magnetic resonance imaging. Frontiers in Neuroanatomy, 7, 23.

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