Laute Musik steigert Alkoholkonsum

25.07.2008

Um ihren Umsatz zu steigern werden Kneipenbesitzer zukünftig womöglich die Musik etwas aufdrehen, denn ein französisches Forschungsteam hat belegen können, dass laute Musik in Bars die Gäste dazu animiert, mehr Alkohol in kürzerer Zeit zu trinken.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass die Forscherinnen und Forscher aus der Bretagne wissenschaftliches Neuland betreten hätten. Denn dass Musik einen Einfluss auf das Alkoholtrinken hat, ist bekannt, gibt das Autorenteam zu. „Frühere Studien haben zeigen können, dass schnelle Musik zu schnellerem Alkoholtrinken animiert und dass Musik vs. keine Musik eine Person dazu verleitet, länger in einer Bar zu verweilen“, sagt Nicolas Guéguen, Leiter der Studie. Doch habe bislang niemand diesen Zusammenhang experimentell in einer echten Bar untersucht.

Um diese klaffende Lücke in der wissenschaftlichen Beweiskette aus der Welt zu schaffen haben sich die Forscherinnen und Forscher diskret als normale Gäste getarnt in zwei Bars einer französischen Kleinstadt begeben. An jeweils drei Samstagabenden observierten sie die männlichen Besucher, die sich ein Bier bestellten. In Absprache mit dem Forschungsteam manipulierte der Wirt des Lokals den Lautstärkepegel. Die normale Lautstärke entsprach 72 Dezibel, in der lauten Untersuchungsbedingung wurden 88 Dezibel gemessen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die heimlich beobachteten Männer bei lauter Musik mehr und schneller Alkohol tranken als bei normaler Lautstärke. Die Autorinnen und Autoren der Studie liefern zwei Hypothesen zur Erklärung dieses Phänomens. Die erste Erklärung basiert auf der Annahme, dass laute Musik allgemein zu einer erhöhten Aktivierung führt, die zu mehr und schnellerem Alkoholtrinken verleitet. „Zweitens, laute Musik könnte einen negativen Effekt auf die soziale Interaktion in der Bar haben, in der Form, dass die Gäste mehr trinken, weil sie weniger sprechen“, vermutet Guéguen.

Die Empfehlungen des Forschungsteams zur Reduzierung des übermäßigen Alkoholtrinkens klingen denn auch so einleuchtend wie unrealistisch, dürften die Kneipenwirte damit doch in einen Interessenkonflikt geraten: „Wir sollten die Barbesitzer dazu ermuntern, die Musik auf einem moderaten Level zu spielen“, empfiehlt Guéguen.

Quelle:
Pressemitteilung der Université de Bretagne-Sud

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