Nichtrauchen steckt an

30.05.2008

Warum hören Raucherinnen und Raucher auf zu rauchen? Wegen der Gesundheit? Wegen des Geldes? Diese Gründe mögen bei dem einen oder der anderen eine Rolle spielen, aber in Wirklichkeit werden sie unbewusst durch die Normen ihres sozialen Netzwerks gesteuert. So könnte man überspitzt formuliert die Ergebnisse einer groß angelegten Langzeitstudie interpretieren. Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat soziale Netzwerke untersucht und festgestellt, dass nicht einzelne, sondern immer ganze Gruppen gleichzeitig aufhören zu rauchen.

Ein Forschungsteam um Studienleiter Nicholas Christakis von der Harvard Medical School rekonstruierte die sozialen Netzwerke von über 12.000 Personen und beobachtete deren Entwicklung über einen Zeitraum von 32 Jahren. Die Basis der Untersuchung bildete die Framington Heart Study, die bereits 1948 gestartet wurde. Gesammelt wurden Informationen über familiäre Veränderungen wie Geburt, Heirat, Scheidungen und über soziale Kontakte zu Freunden, Kollegen und Nachbarn.

Das zentrale Ergebnis lautet: Personen hören nicht als Individuum mit den Rauchen auf, sondern immer im Kontext einer größeren Gruppe, ähnlich einem einzelnen Vogel, der seine Flugrichtung ändert, wenn der große Schwarm sich wendet. „Wir haben herausgefunden, dass in großen sozialen Netzwerken ganze Gruppen von Menschen, die sich vielleicht nicht einmal kennen, alle zeitgleich mit dem Rauchen aufgehört haben", sagt Christakis.

Christakis illustriert diesen Aspekt durch die Beschreibung von drei Individuen, Person A, B und C: Person A ist ein Freund von B und B ist mit C befreundet, aber A und C kennen sich nicht. Wenn C mit dem Rauchen aufhört, hat A eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, ebenfalls mit dem Rauchen aufzuhören, unabhängig davon, ob B raucht oder nicht. Person B fungiert hier als eine Art Vermittler von sozialen Normen.

In diesem Zusammenhang spiele Bildung eine wichtige Rolle. Personen seien demnach stärker durch den Rauchausstieg anderer beeinflusst, wenn diese höher gebildet sind. Zudem wirke der Einfluss anderer stärker, wenn man selber eine höhere Bildung genossen hat.

Gleichzeitig hat das Forschungsteam festgestellt, dass die Raucherinnen und Raucher, die anfänglich ebenso in sozialen Netzwerken integriert waren wie nichtrauchende Personen, in den 1980er und 1990er Jahren immer weiter an den Rand gedrängt wurden. „Entgegen unserer Ansichten, die wir noch in der Schule hatten, ist Rauchen mittlerweile eine äußerst schlechte Strategie, um sich beliebt zu machen“, sagt James Fowler, Co-Autor der Studie.

Quelle:
Pressemitteilung
Christakis, N. A. & Fowler, J. H. (2008). The Collective Dynamics of Smoking in a Large Social Network. The New England Journal of Medicine, 358, 2249-2258. Artikel

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