Wie hoch ist das Risiko, eine Cannabisabhängigkeit zu entwickeln?

17.06.2020

Ein gewisser Anteil der Cannabiskonsumierenden entwickelt eine Abhängigkeit. Wie viele, das hat ein Forschungsteam in einer aktuellen Meta-Analyse untersucht.

Bild: Catalenca / photocase.de

Nicht bei jeder Person, die kifft, wird der Konsum zum Problem. Doch einige der Konsumierenden entwickeln eine Cannabisabhängigkeit. Bislang galt die Faustformel: Eine von zehn Personen mit Cannabiskonsum ist betroffen. Diese Aussage basiert allerdings auf Studien, die fast 30 Jahre alt sind. Ein australisches Forschungsteam um Studienleiterin Janni Leung hat nun eine aktuelle Meta-Analyse zu diesem Thema vorgelegt. Das Team hat Studien der letzten zehn Jahre gesichtet und davon 21 in eine vertiefte Analyse einbezogen. Die meisten Studien stammen aus den USA, einige wurden auch in Europa, Australien und Neuseeland durchgeführt.

Eine von fünf Personen mit Cannabiskonsum entwickelt eine Substanzgebrauchsstörung

In den letzten Jahren hat sich die Definition des Begriffs Abhängigkeit gewandelt. Inzwischen wird im offiziellen Diagnosesystem DSM-5 nicht mehr von Abhängigkeit gesprochen, sondern von einer Substanzgebrauchsstörung, die in unterschiedliche Schweregrade unterteilt ist. Die Gebrauchsstörung kann von leicht bis schwer variieren. So wird eine leichte Gebrauchsstörung den früheren Kriterien zufolge noch nicht als Abhängigkeit, sondern eher als Missbrauch eingestuft. Da unterschiedliche Studien unterschiedliche Begrifflichkeiten verwendet haben, hat das Forschungsteam berechnet wie viele Konsumierende von einer Substanzgebrauchsstörung oder von Abhängigkeit betroffen sind.

Den Analysen zufolge liegt bei 22 Prozent der Cannabiskonsumierenden eine Substanzgebrauchsstörung vor. Bei etwa einer von fünf Personen ist der Konsum also bereits mit Problemen verbunden. Eine Cannabisabhängigkeit betrifft den Ergebnissen zufolge 13 Prozent der Konsumierenden. Das heißt: Ungefähr eine von acht Personen mit Cannabiskonsum wird abhängig. Somit muss die eingangs erwähnte Faustformel auf der Grundlage aktueller Studien verschärft werden.

Bei wöchentlichem Konsum steigt das Abhängigkeitsrisiko

Das Risiko für eine Abhängigkeit steigt zudem mit der Konsumhäufigkeit. So entwickeln 33 Prozent der Personen, die ein oder mehrmals pro Woche kiffen, eine Abhängigkeit. Außerdem kommen die meisten Studien, die zwischen Männern und Frauen unterschieden haben, zu dem Ergebnis, dass Männer ein höheres Abhängigkeitsrisiko aufweisen.

Einschränkend weist das Forschungsteam darauf hin, dass die einbezogenen Studien keine Angaben zum Wirkstoffgehalt gemacht hätten. Der Konsum hochpotenter Cannabissorten mit einem hohen Anteil des Wirkstoffs THC sei aber vermutlich anders zu beurteilen. Denn in der Forschung gibt es Belege dafür, dass der Konsum von hochpotentem Cannabis mit einem erhöhten Risiko für eine Abhängigkeit einhergeht.

 

Quelle:

Leung, J., Chan, G. C. K., Hides, L. & Hall, W. D. (2020). What is the prevalence and risk of cannabis use disorders among people who use cannabis? A systematic review and meta-analysis, Addictive Behaviors, doi: https://doi.org/10.1016/j.addbeh.2020.106479

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