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31.10.2008
Wenn zwei Personen - die eine mit viel, die andere mit wenig Konsumerfahrung - THC verabreicht bekommen, wer ist dann wohl mehr „high“? Diese Frage hat ein US-amerikanisches Forschungsteam experimentell untersucht.
Wer von einem Rauschmittel immer mehr konsumieren muss, um die gleiche Rauschintensität zu erzielen, der hat eine Toleranz gegenüber dieser Substanz entwickelt. Von Alkohol beispielsweise ist diese Art der körperlichen Anpassung wohlbekannt. Doch wie verhält es sich mit Cannabis? Hierzu ist die Forschungslage nicht so eindeutig. Zwar gibt es Hinweise darauf, dass auch Cannabiskonsumierende eine Toleranz entwickeln, doch ist nicht bekannt, ob sich die abnehmende Empfänglichkeit für die Wirkungen von Cannabis gleichermaßen auf die positiven wie negativen Effekte auswirken.
Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat nun experimentell untersucht, wie THC, der Hauptwirkstoff von Cannabis, bei unterschiedlich stark konsumierenden Personen wirkt. Die Gruppe der regelmäßig Konsumierenden bestand aus 22 Personen, die mindestens 10-mal im letzten Monat gekifft haben. Um niemanden zum Cannabiskonsum zu verleiten, wurden für die Kontrollgruppe nur solche Männer und Frauen zugelassen, die schon mal Erfahrung mit Cannabis gemacht haben. Sie sollten allerdings im letzten Monat nicht mehr als einmal, also nur ganz selten gekifft haben.
In dem Experiment wurde den Probandinnen und Probanden entweder ein Placebo oder THC in zwei unterschiedlichen Dosen verabreicht. Die Substanzen wurden intravenös injiziert. Zwar wird Cannabis für gewöhnlich nicht gespritzt, im Experiment war dies aber nötig, damit die Probandinnen und Probanden nicht wussten, was und wie viel sie bekommen. In einer zeitlich exakt strukturierten Untersuchungsanordnung wurden diverse Tests mit den Probandinnen und Probanden durchgeführt, in denen sie unter anderem ihre kognitive Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten und geschulte Interviewer auf Anzeichen von psychoseähnlichen Symptomen achteten.
Wie reagierten nun die Teilnehmerinnen und Teilnehmer? Tatsächlich zeigten die regelmäßig konsumierenden Personen im Vergleich zur Kontrollgruppe eine Toleranz gegenüber der Wirkung von Cannabis. Allerdings bezog sich die Toleranz nur auf die negativen, unerwünschten Wirkungen. Die regelmäßig Konsumierenden zeigten weniger Einschränkungen in den kognitiven Funktionen und es wurden auch weniger Anzeichen von psychoseähnlichen Effekten festgestellt.
Hinsichtlich der erwünschten Effekte zeigte sich hingegen keine Toleranz. Die regelmäßigen Kiffer berichteten ein ebenso starkes „High“-Gefühl wie die selten Konsumierenden, sprich: Alle waren mehr oder weniger gleich „breit“.
Die Studie brachte auch einen interessanten Nebenaspekt hervor: Häufig Cannabis Konsumierende zeigten bei den Tests, in denen ihre kognitiven Leistungen überprüft wurden, bei geringen Dosen THC bessere Leistungen, als in der Placebobedingung. Sie waren also leicht berauscht klarer im Kopf als nüchtern. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass ein gewisser THC-Pegel möglicherweise der Normalzustand bei diesen Personen entspricht und sie so in gewohnter Weise agieren können.
Warum die regelmäßig Konsumierenden anders auf das THC reagieren als die Kontrollgruppe, darüber können die Forscher nur spekulieren. Sie vermuten, dass hier genetische Faktoren eine Rolle spielen, wie bereits frühere Studien nahelegen.
Denkbar sei zudem, so vermuten die Autorinnen und Autoren, dass die Toleranz gegenüber den unerwünschten Effekten die Entwicklung einer Abhängigkeit begünstigt. Denn wer keine Sensibilität gegenüber den negativen Folgen hat, der wird seinen Konsum nicht in der Weise regulieren, wie jemand, der merkt, wann es zuviel ist.
Quelle:
D’Souza, D. C., Ranganathan, M., Braley, G. et al. (2008). Blunted Psychomimetic and Amnestic Effects of delta-9-Tretrahydrocannabinol in Frequent Users of Cannabis. Neuropsychopharmacology, 33, 2505-2516. Abstract
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