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 HomeNewsCannabis > Wie die soziale Phobie problematischen Cannabiskonsum fördert

31.08.2018

Wie die soziale Phobie problematischen Cannabiskonsum fördert

Bekannt ist, dass sozial ängstliche Menschen stärker gefährdet sind, eine Cannabisabhängigkeit zu entwickeln. Eine neue Studie hat Hinweise dafür geliefert, welcher psychologische Mechanismus der Problematik zugrundliegen könnte.

Mann mit weit geöffneten Augen

Bild: illmedia / photocase.de

Niemand blamiert sich gerne in der Öffentlichkeit. Bei Menschen mit sozialer Phobie kann sich aber schon im Vorfeld einer sozialen Situation die Sorge davor, sich möglicherweise daneben zu benehmen, unerträgliche Ausmaße annehmen. Die Angst kann so stark sein, dass die Person gesellige Situationen ganz meidet.

Frühere Studien haben bereits nachweisen können, dass ein vergleichsweise hoher Anteil Cannabiskonsumierender unter einer sozialen Phobie leidet. Meist tritt die soziale Phobie vor dem ersten Joint in Erscheinung. Die Motivation für den Cannabiskonsum ist dann vor allem geprägt durch den Wunsch, unangenehme Gefühle zu „bewältigen“. Hierfür hat sich der englische Begriff „Coping“ etabliert. Der Konsum zu Coping-Zwecken ist vermutlich auch der Grund, warum Cannabiskonsumierende mit einer sozialen Phobie im Vergleich zu nicht-ängstlichen Kiffen ein bis zu 7-fach erhöhtes Risiko haben, eine Cannabisabhängigkeit zu entwickeln.

Negativ verzerrte Rückschau verstärkt soziale Phobie

Anthony Ecker und Julia Buckner haben in ihrer Studie einen speziellen Aspekt der sozialen Phobie vertieft untersucht. So sei es durchaus typisch für sozial ängstliche Menschen, dass sie ihr eigenes Verhalten rückschauend bewerten, wenn sie mit anderen Menschen zusammen waren. Allerdings wird die Rückschau in der Regel stark durch negative Gedanken verzerrt. Sozial Ängstliche sind gewissermaßen ihre eigenen schlimmsten Kritiker. Das Grübeln über die vermeintliche eigene Unzulänglichkeit verstärkt jedoch ihre Neigung, Angst vor zwischenmenschlichen Kontakten zu entwickeln. In der Fachsprache wird hierfür der englische Begriff Post-Event Processing verwendet.

Das Forschungsteam hat überprüft, wie sich das Post-Event Processing auf den Cannabiskonsum auswirkt. Dazu führte es eine Online-Befragung unter 244 Studierenden der Psychologie durch. Alle Teilnehmenden haben zumindest einmal in den letzten drei Monaten gekifft.

Kiffer mit sozialer Phobie nutzen Konsum stärker zu Coping-Zwecken

Zunächst bestätigten die Ergebnisse frühere Untersuchungen: Je stärker die soziale Phobie ausgeprägt war, desto mehr Cannabis-bezogene Probleme nannten die Beteiligten. Sozial ängstliche Kiffer konsumierten dennoch nicht mehr als nicht ängstliche. Typisch war allerdings, dass sie den Konsum häufiger zu Coping-Zwecken benutzten, also um unangenehme Gefühle auszublenden.

Die Auswertung hat zudem aufgedeckt, dass die Neigung zur negativ verzerrten Rückschau eine Art Vermittlerrolle spielt: Je stärker die soziale Angst ausgeprägt ist, desto intensiver betreiben Betroffene das Post-Event Processing. Die negative Selbstbeurteilung fördert wiederum die Entwicklung eines problematischen Cannabiskonsums, vermutlich weil das Kiffen zunächst Erleichterung verschafft. Das Post-Event Processing könne nach Einschätzung von Ecker und Buckner somit erklären, warum eine Cannabisabhängigkeit und die daraus resultierenden Probleme bei sozial ängstlichen Menschen besonders stark ausgeprägt sind.

Ecker und Buckner empfehlen Personen mit sozialer Phobie, sich beim Ausstieg aus dem Cannabiskonsum auch mit ihren Ängsten zu beschäftigen und insbesondere die negativ geprägten Gedankenspiele zu bearbeiten. So seien beispielsweise gezielte ablenkende Aktivitäten nach sozialen Interaktionen hilfreich, um das Post-Event Processing zu unterbinden. Als wirksame Unterstützungsmaßnahme haben sich hierbei professionelle Behandlungsverfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen.

Quelle:
Ecker, A. H. & Buckner, J. D. (2018). Cannabis-Related Problems and Social Anxiety: The Mediational Role of Post-Event Processing. Substance Use & Misuse, 53(1), 36-41.

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