Ritalin
Welche Substanz steckt in Ritalin?
Ritalin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament von Novartis Pharma, dessen Hauptinhaltsstoff der amphetaminartige Wirkstoff Methylphenidat ist. Aufgrund seiner Wirkung unterliegt dieser Wirkstoff den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) gemäß Anlage III.
Wie sieht missbräuchlicher Konsum von Ritalin aus?
Beim missbräuchlichen, d. h. nicht bestimmungsgemäßen Konsum wird Ritalin wegen seiner anregenden Wirkung konsumiert: zur Vertreibung von Müdigkeit, zur Aufmerksamkeitssteigerung, um nächtelang studieren oder feiern zu können und um die euphorisierende Wirkung zu erleben. Über die Verbreitung des missbräuchlichen Konsums gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Jedoch ist anzunehmen, dass ein gewisser Anteil der medizinischen Verschreibungen nicht bestimmungsgemäß konsumiert wird.
In der Drogenszene wird Ritalin auch als „Ersatz-Speed“ gehandelt. Die Tabletten werden zumeist oral eingenommen, jedoch auch pulverisiert nasal konsumiert (durch die Nase gesnieft), oder in Wasser aufgelöst injiziert. Eine besondere Gefahr geht vom Spritzen aus, denn die nicht löslichen Füllstoffe der Tablette können hierbei kleine Blutgefäße verstopfen und Schäden an der Lunge oder der Netzhaut hervorrufen.
Welche Risiken und Nebenwirkungen hat Ritalin?
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch, d. h. nach ärztlicher Verordnung und in der verordneten Dosierung, treten als Nebenwirkungen des Medikaments sehr häufig Schlafstörungen und verstärkte Reizbarkeit auf. Häufig kommt es auch zu Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen. Zudem soll bei bestimmten Vorerkrankungen wie z. B. Erkrankungen im Herz-Kreislauf-System, Angsterkrankungen oder dem Tourette-Syndrom nach Angaben des Herstellers kein Ritalin eingenommen werden.
Bei nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch können jedoch deutlich höhere Dosierungen der Fall sein, mit weitreichenden Risiken. So ist unter anderem mit Krampfanfällen, Herzrhythmusstörungen sowie Kopfschmerzen und Verwirrtheit zu rechnen. Auch sind beispielsweise Angstzustände, Wahnvorstellungen oder Aggressivität möglich. In der aktuellen Forschung werden auch Halluzinationen und plötzliche Todesfälle als mögliche Risiken genannt. Bei nicht bestimmungsgemäßem Konsum kann sich auch eine psychische Abhängigkeit entwickeln.
Was ist das medizinische Anwendungsgebiet von Ritalin?
Das medizinische Anwendungsgebiet von Ritalin umfasst zum einen das so genannte Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), das vor allem bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen vorkommt. Es wird im Volksmund auch „Zappelphillip-Syndrom“ genannt. Zum anderen wird es bei der Narkolepsie eingesetzt. Bei dieser Erkrankung treten plötzliche Schlafanfälle während des Tages auf.
In der allgemeinen Öffentlichkeit bekannt wurde Ritalin vor allem im Zusammenhang mit ADHS. Zwar wird der Wirkstoff seit über 50 Jahren eingesetzt, doch erst in den letzten Jahren geriet es in Deutschland in die Kritik, da es zu einem extremen Anstieg der Verordnungen kam. Diese haben von 1993 bis 2001 um das 20-fache zugenommen.
Die Kritik an der Verschreibungspraxis wuchs, da anzunehmen war, dass es vermehrt zu Fehldiagnosen bzw. Fehlverordnungen kommt, die eine missbräuchlichen Verwendung des Stimulantiums nach sich ziehen könne. Die Bundesärztekammer wurde daher im Jahre 2002 von der damaligen Bundesregierung gebeten, Empfehlungen für die Diagnose und Behandlung von ADHS zu entwickeln.
Wie wirkt Ritalin bei ADHS im Gehirn?
Ritalin stellt die Informationsübertragung zwischen Nervenzellen wieder her, indem es dopaminhaltige Verbindungen im Gehirn stimuliert. Bei ADHS-Erkrankten liegt ein Mangel am Botenstoff Dopamin vor, was zu Unruhe und Konzentrationsmängeln führt. Durch die medikamentöse Stimulation können Betroffene ruhiger werden und ihre Konzentrationsfähigkeit steigern.
Es wird davon ausgegangen, dass sich bei bestimmungsgemäßen Einsatz und therapeutisch wirksamer Dosierung von Ritalin keine Abhängigkeit entwickelt. Hingegen würden Kinder mit unbehandeltem ADHS ein höheres Risiko für späteren Substanzmissbrauch haben. Dieser missbräuchliche Konsum zielt vermutlich ebenso darauf ab, die Unruhe zu dämpfen, wobei dann unter Umständen auch andere Substanzen wie Cannabis eine Rolle spielen können.
Wichtige Erkenntnisse auf einen Blick:
- Ritalin enthält den Wirkstoff Methylphenidat und wird primär zur Behandlung von ADHS und Narkolepsie eingesetzt.
- Bei missbräuchlichem Konsum dient es zur Leistungssteigerung oder Euphorisierung, birgt jedoch hohe Risiken wie Herzrhythmusstörungen oder psychische Abhängigkeit.
- Die Wirkung basiert auf dem Ausgleich eines Dopaminmangels im Gehirn. Personen mit ADHS werden dadurch ruhiger und können sich besser konzentrierten.
- Während bei therapeutischer Dosierung kein Abhängigkeitsrisiko vermutet wird, kann das Spritzen von Tabletten lebensgefährliche Gefäßverstopfungen verursachen.