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 HomeNews > Bei Kontakt zu Ex-Kiffern reduzieren Studierende ihren Cannabiskonsum

15.07.2020

Bei Kontakt zu Ex-Kiffern reduzieren Studierende ihren Cannabiskonsum

Wie stark beeinflusst der Freundeskreis das Kiffen oder Nichtkiffen? Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie Cannabiskonsum durch das soziale Umfeld beeinflusst wird.

Zwei Männer teilen sich einen Joint

Bild: vladans / istockphoto.com

„Das erste Mal war fantastisch, es war zusammen mit einigen meiner besten Freunde. Wir saßen in der Küche, rauchten ein paar Joints und ich erinnere mich daran, dass ich richtig stoned war,“ berichtet der 20-jährige Martin in einer Studie aus Dänemark zum Werdegang von Cannabiskonsumierenden. Anfangs sei Kiffen eine spaßige Sache unter Freunden gewesen. Doch irgendwann habe Martin gemerkt, dass er immer mehr kifft und ihm die Kontrolle über seinen Konsum zu entgleiten scheint. Er habe Angst gehabt, seinem Umfeld davon zu erzählen. Denn in den Augen seiner Altersgenossen sei Cannabis keine Droge, die Probleme verursachen oder abhängig machen könnte.

„Natürliches Experiment“ testet den Peer-Effekt beim Cannabiskonsum

Auch in der Forschung gibt es Hinweise darauf, dass die Gruppe der Gleichaltrigen ein wichtiger Aspekt beim Drogenkonsum von jungen Erwachsenen ist. Vom „Peer-Effekt“ wird in der Forschung gesprochen. „Peer“ ist die englische Bezeichnung für Gleichaltrige. Allerdings ist nicht immer klar, was Ursache und was Wirkung ist. Einerseits kann der Konsum der Gleichaltrigen das eigene Verhalten beeinflussen. Andererseits ist denkbar, dass sich eine Person den eigenen Neigungen entsprechend dazu passende Freundinnen oder Freunde sucht. Was trifft mehr zu?

Um diese Frage genauer zu untersuchen, haben Studienleiter Yi Li aus China und sein Kollege Guang Go aus den USA die Chance für ein „natürliches Experiment“ genutzt, wie sie schreiben. Knapp 2.000 Studierende einer Universität in den USA waren daran beteiligt. In den USA leben Studierende häufig in Wohnheimen, die zu ihrer Hochschule gehören. Wer mit wem ein Zimmer teilt, wird von der Hochschule oft nach dem Zufallsprinzip festgelegt. Die Studierenden können nicht selbst entscheiden, mit wem sie zusammenwohnen. Ihre persönlichen Neigungen scheiden somit aus.

Reduzierter Konsum, wenn Mitbewohnende nicht mehr kifften

Yi Li und Guang Go haben für ihre Auswertung sichergestellt, dass nur zufällig zusammengewürfelte Wohngemeinschaften in die Studie eingehen. Ihrer Analyse zufolge trifft der Peer-Effekt jedoch nur auf einen Teil der Studierenden zu. Wer beispielsweise vor Studienbeginn noch keine Erfahrung hatte mit Cannabis, ließ sich auch von kiffenden Mitbewohnerinnen oder Mitbewohnern nicht beeinflussen. Ihre Haltung zum Nichtkonsum schien gefestigt. Vom Peer-Effekt keine Spur.

Anders sah es für Studierende aus, die bereits vor dem Studium gekifft hatten. Ihr Konsumverhalten veränderte sich, wenn sie mit bestimmten Personen zusammenwohnten. War die andere Person Nie-Kiffer änderte dies nichts am Konsumverhalten der Studierenden. Kiffte die andere Person sowohl vor Studienbeginn als auch danach, hatte dies ebenfalls keinen Einfluss auf die Konsumhäufigkeit. Jedoch reduzierten Studierende ihren Cannabiskonsum, wenn auch ihr Mitbewohner oder ihre Mitbewohnerin während des Studiums aufgehört hat zu kiffen.

Bei Ex-Kiffern scheint es somit einen Peer-Effekt zu geben, bei Nie-Kiffer jedoch nicht. Einen bedeutsamen Einfluss auf den Cannabiskonsum der Studierenden konnten Li und Go nur nachweisen, wenn ehemals Konsumierende auf noch Konsumierende treffen.

Allerdings können die Ergebnisse nach Einschätzung der Forscher nicht verallgemeinert werden. Sie beziehen sich nur auf die Gruppe der Studierenden. Außerdem haben Yi Li und Guang Go in ihrer Studie nicht untersucht, was die Ursache für den gefundenen Effekt sein könnte. Eine mögliche Erklärung sei, dass Studierende, die den Ausstieg aus dem Cannabiskonsum geschafft haben, mit ihren kiffenden Mitstudierenden darüber sprechen. Ehemals Konsumierende würden in der Regel als glaubwürdiger angesehen als beispielsweise die Eltern oder die Medien.

 

Quellen:

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