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12.12.2003
Alexander Walke, Torhüter beim Fußballverein Werder Bremen und der U20-Nationalmannschaft ist positiv auf Cannabis gestestet worden. Nun gilt er im Sport als Dopingsünder. Doch wer die Wirkung von Cannabis kennt, stellt sich die Frage: Warum steht Cannabis eigentlich auf der Dopingliste?
"Cannabinoide sind grundsätzlich keine Sportdroge, sondern eine Gesellschaftsdroge", erklärt Professor Wilfried Kindermann, leitender Mannschaftsarzt der deutschen Olympia-Athleten, im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). "Es ist nicht eindeutig erwiesen, dass sie leistungsfördernd wirken", erläutert der Mediziner.
Wenn Marihuana und Haschisch nicht für einen illegalen Anschub der körperlichen Leistungsfähigkeit sorgen, warum wird dann ein Drogenkonsument als Dopingsünder abgestempelt? "Dazu muss man die Philosophie der Dopingliste kennen", sagt Professor Kindermann. "Es wird beabsichtigt, auch die Einnahme gesellschaftlicher Drogen zu verurteilen und zu bekämpfen. Es handelt sich also mehr um eine moralisch-ethische Geschichte." Es gebe, so der Olympia-Arzt, unter Experten "sehr kontroverse Meinungen" darüber, ob die Dopingliste auch Drogen enthalten solle. Seiner Ansicht nach, "ist der Effekt beim Konsum von Cannabis nicht so durchdringend, dass damit eine relevante Leistungssteigerung erreicht werden könnte."
Das Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln sieht das ähnlich. Auf ihrer Internetseite heißt es allerdings auch: "In Spielsportarten kann ein Sportler unter Cannabis eine Gefährdung der Mitspieler bewirken, da er aufgrund der sedierenden Wirkung eine Distanz zu der aktuellen Spielsituation erlebt und ein höheres Risiko in Zweikämpfen in Kauf nehmen kann." Von einer "Verschlechterung der Koordination" wird dort berichtet. "Darüber aber gibt es keine exakten Studien", sagt Professor Wilfried Kindermann.
Der Bremer Bundesligatrainer Thomas Schaaf betont, es sei Werders "Pflicht, uns in dieser schweren Situation um Alex zu kümmern." Ebenso betont Schaaf, dass bei Alexander Walke keine Drogenabhängigkeit vorliegt: "Wenn man das ständig nimmt, kann man davon sprechen, aber davon kann in diesem Fall ja nun nicht die Rede sein." Uli Stielike, U20-Nationaltrainer, zeigt sich dennoch unversöhnlich: "Für Deutschland wird er wohl nicht mehr spielen." Ohne Rücksicht auf mögliche Zweideutigkeiten schiebt der tobende Trainer die Begründung nach: "So viel Gras kann darüber so schnell gar nicht wachsen."
Siehe auch Cannabis im druglex
www.waz.de
www.spiegel.de
www.werder-online.de
Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln
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