Schulabbruch wegen Kiffen?

17.01.2014

Viele Studien bestätigen: Wer schon früh mit dem Kiffen anfängt, wird die Schule mit höherer Wahrscheinlichkeit vorzeitig oder mit einem niedrigen Bildungsabschluss beenden. Doch ist Cannabiskonsum tatsächlich die Ursache hierfür?

Schüler an einem Tisch, hinter einem Stapel Bücher versunken

Bild: John Dow / photocase.com

Ganz klar, das Kiffen ist verantwortlich für den Schulabbruch. Diese salopp formulierte Position lässt sich aus verschiedenen früheren Studien ableiten, die zu diesem Thema veröffentlicht wurden. So zeigte sich beispielweise in einer Längsschnittstudie aus Neuseeland, dass 82 Prozent der Jugendlichen, die früh mit dem Kiffen angefangen hatten, die Schule vorzeitig beendeten. Die Abbruchquote der Jugendlichen, die noch nie gekifft hatten, betrug lediglich 16 Prozent.

Einige Forscherinnen und Forscher vertreten die Ansicht, dass Cannabiskonsum einen direkten Einfluss auf die schulische Leistung und langfristig auf das Bildungsniveau hat, weil Marihuana und Haschisch eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit nach sich ziehen und Motivationsprobleme verursachen würden.

Doch in der Wissenschaft wird auch die Hypothese diskutiert, dass andere Faktoren dahinterstecken könnten, die sowohl den Cannabiskonsum als auch das erreichte Bildungsniveau beeinflussen. Ein internationales Team um Studienleitern Karin Verweij aus den Niederlanden hat diese Möglichkeit in einer aktuellen Studie untersucht.

Zwillingsstudie

Eine der besten Methoden, um Faktoren daraufhin zu testen, ob sie als Ursache für ein bestimmtes Phänomen in Frage kommen, sind Studien mit Zwillingen. Anhand von genetisch identischen Zwillingen kann beispielsweise untersucht werden, ob der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum eine Ursache für Schulabbrüche ist, wenn jeweils der eine Zwilling kifft und der andere nicht.

Angenommen, der frühe Einstieg ist eine Ursache für das vorzeitige Verlassen der Schule. Dann müsste das Risiko für einen Schulabbruch beim kiffenden Zwilling erhöht sein, während die Schullaufbahn des nicht-konsumierenden Zwillings normal verläuft.

Verweij und ihr Team haben eben diese Methode angewendet und befragten über 3.000 Zwillinge, von denen 571 monozygote, also eineiige Zwillinge waren. Praktischerweise gab es unter den eineiigen Zwillingen auch Paare, bei denen nur einer vor dem 18. Lebensjahr mit dem Kiffen angefangen hatte. Die Studienfrage lautete: Ist der Schulabbruch oder ein niedriger Bildungsabschluss ursächlich auf frühen Cannabiskonsum zurückzuführen? Oder ist der Bildungserfolg eher die Folge von anderen Faktoren, die sowohl den Cannabiskonsum als auch die Schulleistungen beeinflussen?

Zwillinge haben gleiches Risiko

Den Ergebnissen zufolge trifft vermutlich die letztgenannte Hypothese zu. Denn das Risiko für einen Schulabbruch war bei den Personen eines Zwillingspaares jeweils gleich hoch und unabhängig vom Cannabiskonsum des einen oder anderen. Hat bei einem Zwillingspaar einer die Schule ohne Abschluss beendet, war auch bei dem anderen die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöht. Oder aber beide Zwillinge beendeten ihre Schullaufbahn erfolgreich.

Laut Verweij und ihrem Team ist der frühe Cannabiskonsum somit vermutlich keine bedeutsame Ursache für einen vorzeitigen Schulabbruch. Vielmehr sind es genetische oder Umweltfaktoren, wie der elterliche Erziehungsstil und das soziale Umfeld, die einen ursächlichen Einfluss sowohl auf den Cannabiskonsum, als auch auf den Schulabbruch haben.

Das vorliegende Studienergebnis darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum dennoch nicht ohne Risiko ist, wie andere Studien belegen.

Quellen:

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