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26.06.2019
Ist dein Ringfinger länger als dein Zeigefinger? Laut einer aktuellen Studie könnte dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Suchtrisiko sein – wenn du ein Mann bist.

Bild: triloks / istockphoto.com
2D:4D ist keine Bezeichnung für ein Allradauto und auch kein Roboter-Kollege von R2-D2 aus Star Wars. Das Kürzel wird in der Wissenschaft für das Längenverhältnis zwischen dem zweiten und dem vierten Finger benutzt, also zwischen Zeige- und Ringfinger. Das „D“ steht für den englischen Begriff „digit“, zu Deutsch: Finger.
Warum interessiert sich die Wissenschaft dafür? Das 2D:4D-Verhältnis wird Studien zufolge im Mutterleib durch männliche Sexualhormone beeinflusst. Ist der Zeigefinger kürzer als der Ringfinger, stand das noch ungeborene Kind sehr wahrscheinlich stärker unter dem Einfluss männlicher Sexualhormone wie Testosteron. Dieser Umstand ist insofern interessant für die Wissenschaft, als Hormone in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung und somit auch das spätere Verhalten einer Person beeinflussen können.
Ein Forschungsteam der Universität Erlangen-Nürnberg weist darauf hin, dass Testosteron im Rahmen der Gehirnentwicklung auch das Belohnungssystem des Kindes prägen kann. Das Belohnungssystem spielt eine wichtige Rolle bei Entwicklung süchtiger Verhaltensweisen wie Drogenkonsum oder exzessivem Computerspielen. Studienleiter Johannes Kornhuber und sein Team sind daher der Frage nachgegangen, ob das 2D:4D-Verhältnis Rückschlüsse auf das Suchtrisiko einer Person zulässt.
Da schon einige Studien zu diesem Thema durchgeführt wurden, hat das Team eine so genannte Meta-Analyse durchgeführt. Es hat alle relevant erscheinenden Studien gesichtet und zusammengefasst. Von anfänglich über 4.000 gesichteten Artikeln sind letztlich 18 in die Analyse eingeflossen.
Im Ergebnis konnte das Team tatsächlich einen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen dem 2D:4D-Verhältnis und Suchtverhalten nachweisen. Je kürzer der Zeigefinger im Verhältnis zum Ringfinger war, desto stärker konsumierte die Person Alkohol und desto mehr spielte sie Computerspiele. Für illegale Drogen und Rauchen konnte kein Zusammenhang nachgewiesen werden.
Eine Auswertung nach Geschlecht offenbarte, dass das 2D:4D-Verhältnis jedoch nur für Männer, nicht aber für Frauen relevant war. Anzumerken ist, dass der Zusammenhang generell eher schwach ausgeprägt war. Das bedeutet: Ein im Verhältnis zum Ringfinger kurzer Zeigefinger war zwar häufiger bei Männern anzutreffen, die gerne Alkohol trinken und Computerspielen, aber eben nicht immer.
Der Zusammenhang hat jedoch statistisch betrachtet an Stärke zugenommen, wenn Abhängigkeit als unterscheidendes Merkmal einbezogen wurden. Alkoholabhängige Männer wiesen deutlich häufiger einen vergleichsweise kurzen Zeigefinger auf als nicht abhängige Männer.
Wozu ist diese Erkenntnis nun gut? Kornhuber und sein Team sprechen davon, dass die Rolle des 2D:4D-Verhältnisses möglicherweise in Kombination mit anderen Merkmalen als Früherkennungszeichen für ein mögliches Suchtrisiko genutzt werden könnte. Dazu sei aber weitere Forschung notwendig.
Quelle:
Siegmann, E.-M., Bouna-Pyrou, P., Lenz, B. & Kornhuber, J. (2019). Digit ratio (2D:4D) in relation to substance and computer use: a meta-analysis. Journal of Neural Transmission, 126, 623-636.
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