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 HomeNews > Wie viel Alkohol kann als risikoarm bezeichnet werden?

19.05.2017

Wie viel Alkohol kann als risikoarm bezeichnet werden?

Zu viel Alkohol ist ungesund. Das ist klar. Aber wie viel ist zu viel? Eine Expertengruppe hat dazu neue Vorschläge vorgelegt.

Mann steht im

Bild: kallejipp / photocase.com

Über 40 Tequila soll der 16-Jährige getrunken haben. Bei einem Wetttrinken. Erst brach Lukas W. zusammen, dann fiel er ins Koma. Fünf Wochen später war er tot. 2007 hatte der tragische Fall des jugendlichen Komatrinkers Schlagzeilen gemacht.

Zum Glück sind tödliche Alkoholvergiftungen eher selten. Die meisten alkoholbedingten Todesfälle sind meist ein Resultat jahrelang überhöhten Alkoholkonsums. So gilt Alkohol beispielsweise als Verursacher von Krebserkrankungen und Leberzirrhose. Jedes Jahr sterben Schätzungen zufolge mindestens 74.000 Menschen an den Folgen von Alkohol.

Die Schädlichkeit von Alkohol gilt aber als dosisabhängig. Bis zu einem bestimmten Level spricht man von einem risikoarmen Konsum. In Deutschland gelten bis zu 12 Gramm reiner Alkohol pro Tag für Frauen als risikoarm. Bei Männern liegt dieser Wert bei 24 Gramm. Dem entsprechen etwa ein Glas Bier à 0,3 Liter für Frauen oder zwei Gläser Bier für Männer.

Unterschiedliche Grenzwerte in europäischen Ländern

Die Grenzwerte für risikoarmen Konsum sind allerdings von Land zu Land unterschiedlich. Während in Finnland der Grenzwert für Männer bei 20 Gramm reinen Alkohol liegt, gelten in Estland bis zu 40 Gramm als risikoarm. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Kevin Shield hat sich zur Aufgabe gemacht, neue Grenzwerte auf der Grundlage wissenschaftlicher Daten zu ermitteln.

Dazu wurden eine Reihe von Erhebungsdaten zusammengetragen, die Angaben zur Häufigkeit bestimmter Todesursachen enthalten. Diese Daten stammen von der Welt-Gesundheits-Organisation, den Vereinten Nationen und mehreren Meta-Analysen zum Alkoholkonsum. Hinzu kamen Zahlen zum Alkoholkonsum aus sieben europäischen Ländern, darunter Estland, Finnland, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien und Polen.

Was ist ein akzeptables Risiko?

Eine grundsätzliche Frage der Studie betraf die Risiko-Definition: Wie hoch darf ein Risiko sein, um noch in die Kategorie „risikoarm“ zu fallen? Oder anders gefragt: Welches Risiko sind Menschen in der Regel bereit zu akzeptieren? Generell unterscheidet das Forschungsteam zwischen Risiken, die Menschen freiwillig eingehen und solchen, denen sie unfreiwillig ausgesetzt sind.

Wenn von einer Million Menschen, die unfreiwillig einem bestimmten Risiko ausgesetzt sind, einer an den Folgen dieses Risikos stirbt, werde nach Angaben des Forschungsteams üblicherweise von einem akzeptablen Risiko gesprochen. Das Verhältnis von eins zu einer Million sei beispielsweise Grundlage für die Trinkwasserverordnung in Australien und den USA und werde auch bei Grenzwertbestimmungen für krebserregende Substanzen in der Luft und im Boden verwendet.

Freiwillig würden sich Menschen aber in der Regel deutlich höheren Risiken aussetzen, erklärt das Forschungsteam. So würden die meisten Menschen ein Risiko, das um das Tausendfache höher ist als ein unfreiwilliges Risiko, noch als akzeptabel bezeichnen. Konkret heißt das: Ein Risiko, bei dem ein Mensch von Tausend an den Folgen stirbt, würde demzufolge gemeinhin toleriert.

Neue niedrigere Grenzwerte

Das Forschungsteam hat nun das Erkrankungsrisiko infolge von unterschiedlichen Trinkmengen ermittelt. Es kommt zu dem Schluss, dass für Frauen zwischen 8 und 10 Gramm reiner Alkohol pro Tag als risikoarm bezeichnet werden könne, wenn man in Kauf nimmt, dass eine Frau von 1.000 an den Folgen des als risikoarm bezeichneten Alkoholkonsums stirbt. Bei Männern müsse eine Grenze von 15 bis 20 Gramm reinem Alkohol pro Tag angelegt werden.

Das bedeutet auch, dass die offiziellen Grenzwerte für risikoarmen Konsum in vielen Ländern gesenkt werden müssten. Werden die aktuellen Grenzwerte der einbezogenen Länder zugrunde gelegt, so sei davon auszugehen, dass beispielsweise in Deutschland 5,7 Männer von 1.000 vorzeitig an den Folgen des Alkoholkonsums sterben. In Estland liege das Sterberisiko sogar bei 44,8 Männern von 1.000.

Aus Sicht des Forschungsteam sei es wichtig, der Bevölkerung deutlich zu machen, was genau unter „risikoarm“ zu verstehen sei, damit jede Frau und jeder Mann auf der Basis wissenschaftlich ermittelter Risiken entscheiden könne, welches persönliche Risiko sie oder er bereit ist einzugehen.

Quelle:
Shield, K. D., Gmel, G., Gmel, G., Mäkelä, P., Probst, C., Room, R. & Rehm, J. (2017). Lifetime risk of mortality due to different levels of alcohol consumption in seven European countries: implications for low-risk drinking guidelines. Addiction, DOI: 10.1111/add.13827.

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