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10.04.2019

Wo viel gekifft wird, gibt es mehr Psychosen

Je heftiger der Cannabiskonsum, desto höher das Risiko. Vor allem in Städten wie London oder Amsterdam, in denen vorwiegend hochpotente Cannabissorten konsumiert werden, gibt es auffällig viele Fälle von Psychosen. Eine internationale Studie bestätigt damit eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Cannabis und Psychose.

Junger Mann mit Bart und Kopfhörer um den Hals hält Bong und bläst Rauch aus

Bild: © William Casey / Fotolia.com

Um es gleich vorweg klar zu stellen: Die neue Studie unter der Leitung von Marta Di Forti vom King’s College London kann nicht beweisen, dass Cannabis Psychosen verursacht. Ein zweifelsfreier Beweis ist bei diesem komplexen Thema ohnehin schwierig bis unmöglich. Die Studie bestätigt aber bisherige Hinweise auf eine dosisabhängige Beziehung. Das heißt: Nimmt der Konsum an Intensität zu, steigt das Risiko, an einer Psychose wie Schizophrenie zu erkranken.

Eine frühere Studie des King’s College London hatte bereits Hinweise dafür geliefert, dass der Konsum von hochpotenten Cannabissorten das Risiko für eine Psychose erhöht. Ein häufig angeführtes Argument widerspricht allerdings der Annahme, dass Cannabis Psychosen verursacht: Würde Cannabis ursächlich eine Psychose auslösen, müsste es in Regionen, in denen viel gekifft wird, mehr Fälle von Psychose geben, was nicht der Fall sei.

Erstmalig vergleicht Cannabis-Studie Psychose-Risiko auf Bevölkerungsebene

Um dieses scheinbare Paradox zu untersuchen, hat Di Forti zusammen mit einem internationalen Forschungsteam eine groß angelegte Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. 10 Regionen innerhalb Europas und eine in Brasilien waren daran beteiligt. Damit wurde erstmalig untersucht, ob sich die Verbreitung des Cannabiskonsums auf den Anteil an Neuerkrankungen in unterschiedlichen Regionen auswirkt.

Das Forschungsteam hat alle Patientinnen und Patienten einbezogen, die zwischen Mai 2010 und April 2015 zum ersten Mal aufgrund einer Psychose in Behandlung waren. 901 Patientinnen und Patienten bildeten die Fall-Gruppe. 1.237 jeweils repräsentativ für die Region ausgewählte Personen der erwachsenen Bevölkerung wurde als Kontrollgruppe hinzugezogen. Alle Teilnehmenden wurden gefragt, ob sie Cannabis konsumieren und wenn ja, wie oft und welche Sorte Cannabis sie bevorzugen. Marihuana oder Haschisch mit einem THC-Anteil von mindestens 10 Prozent wurde als hochpotenter Cannabis eingestuft.

5-fach erhöhtes Psychose-Risiko bei Konsum hochpotenten Cannabis

Generell zeigte sich: Unter den Patientinnen und Patienten mit Psychose war Cannabiskonsum deutlich stärker vertreten als in der Kontrollgruppe. 30 Prozent der Personen in der Fallgruppe konsumierten täglich Cannabis, aber nur 7 Prozent in der Kontrollgruppe. Während 37 Prozent der Patientinnen und Patienten eine Vorliebe für starken Cannabis hatten, war dies nur bei 19 Prozent der Teilnehmenden in der Kontrollgruppe der Fall.

Laut den Berechnungen des Forschungsteams erhöht täglicher Cannabiskonsum im Vergleich zur Abstinenz das Risiko für eine Psychose um das 3-fache. Wer täglich kifft und dabei hochpotenten Cannabis bevorzugt, hat sogar ein annährend 5-fach höheres Risiko als abstinente Personen. Gelegentlicher Konsum von Cannabis hatte unabhängig vom THC-Gehalt hingegen keinen Einfluss auf das Psychose-Risiko.

Regionale Unterschiede bei Häufigkeit von Psychosen

Der Zusammenhang zwischen Konsumintensität und Psychose-Risiko zeigte sich in allen untersuchten Regionen. Allerdings unterschieden sich die Regionen hinsichtlich der Häufigkeit von Psychosen. Dies spiegelte auch die unterschiedliche Verfügbarkeit von hochpotentem Cannabis wider: Wo starker Cannabis leicht verfügbar war, traten vergleichsweise viele Fälle von Psychose auf.

Unter der Annahme, dass Cannabis tatsächlich Psychosen verursacht, würden sich nach Berechnungen des Forschungsteams insgesamt 12 Prozent aller Fälle von Neuerkrankungen verhindert lassen, wenn hochpotenter Cannabis nicht mehr verfügbar wäre. In einer Gegend wie Palermo, wo praktisch keine hochpotenten Cannabissorten auf dem Markt sind, würde sich somit kaum etwas an der Häufigkeit von Psychoseerkrankungen ändern. Ganz anders sieht es in Cannabis-Hochburgen wie London oder Amsterdam aus. In London könnten 30 Prozent aller Psychosefälle und in Amsterdam sogar 50 Prozent aller Neuerkrankungen verhindert werden, wenn hochpotenter Cannabis vom Markt verschwinden würde.

Wechselseitige Beeinflussung von Psychose-Risiko und Cannabiskonsum denkbar

Allerdings kann die Studie, wie eingangs erwähnt, nicht belegen, dass Cannabis Psychosen tatsächlich verursacht. In einem Kommentar zur Studie hebt die Forscherin Suzanne Gage hervor, dass andere Studien einen bedeutsamen Einfluss genetischer Faktoren herausarbeiten konnten. Gene würden demnach nicht nur das Psychos-Risiko bestimmen, sondern maßgeblich auch den Hang zum Kiffen beeinflussen. Ebenso sei eine gegenseitige Beeinflussung denkbar. Personen mit einer bislang verborgenen Psychose könnten eine verstärkte Neigung zum Kiffen entwickeln, was wiederum das Risiko für den Ausbruch einer Psychose erhöht.

Di Forti und ihr Team schlussfolgern, dass ihre Studie somit die bisherigen Annahmen zu den schädlichen Auswirkungen täglichen Cannabiskonsums auf die psychische Gesundheit bestätigen. Insbesondere der Konsum hochpotenter Cannabissorten könne das Risiko für den Ausbruch einer Psychose erhöhen.

Quellen:

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