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Drugcom: Topthema: Mischkonsum - Experiment mit ungewissem Ausgang

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Topthema

Mischkonsum - Experiment mit ungewissem Ausgang

Oktober 2009

Wer als Kind schon einmal probiert hat, die scheinbar harmlosen Substanzen eines Chemiebaukastens wahllos über den Bunsenbrenner zusammen zu mischen, der wird möglicherweise die Erfahrung gemacht haben, dass unkontrollierte chemische Reaktionen ordentlich Qualm und Gebrodel verursachen können - und den Eltern einen gehörigen Schrecken einjagen. Zugegeben, der nun folgende Übergang zum eigentlichen Thema, dem Mischkonsum, ist ein wenig haarsträubend, doch das Experimentieren mit dem Chemiebaukasten und der gleichzeitige Konsum mehrerer psychoaktiver Substanzen haben eines gemeinsam: Der Ausgang des Experiments ist oft ungewiss und manchmal knallt es ganz schön heftig.

Aufschrift "Good Luck Jumbo" auf Front einer Jahrmarktsbude

Bild: fritz international / photocase.com

„Wir waren bei einem Freund und haben vorher ein Teil [Ecstasy] geschmissen, dazu etwas Wein getrunken und dann einen geraucht [Cannabis]. Danach haben wir weiter getrunken und etwas später die zweite eingeworfen. Dann waren wir in einer Disco“, beginnt Anna* (17 Jahre) ihre Beschreibung des Mischkonsums von Cannabis, Ecstasy und Alkohol bei drugcom. Dieses und andere Beispiele im Bereich Mischkonsum verdeutlichen, dass nicht selten mit großer Selbstverständlichkeit mehrere psychoaktive Substanzen gemeinsam konsumiert werden.

Mischkonsum eher die Regel

Annas Mischkonsum vor und während des Partyfeierns ist kein Einzelfall, sondern sogar das übliche Konsummuster - zumindest wenn Ecstasy dabei ist. So gaben in einer großen Studie, die im Jahr 1999 in fünf europäischen Städten durchgeführt wurde, 92 Prozent von rund 1.600 befragten Ecstasykonsumentinnen und -konsumenten an, beim letzten Konsum von Ecstasy mindestens eine weitere Substanz eingenommen zu haben. Meist waren es Cannabis und Alkohol, aber auch Speed, Kokain oder Halluzinogene. Und aktuelle Studien geben keinen Grund zur Annahme, dass sich die Konsummuster in der Party-Szene in den letzten 10 Jahren grundlegend geändert hätten.

Aber nicht nur Ecstasykonsumierende betreiben Mischkonsum. Auch wenn „nur“ Cannabis als illegale Droge konsumiert wird, ist sehr oft Alkohol mit dabei. Erst kürzlich stellte eine Forschungsgruppe der Technischen Universität Dresden fest, dass die meisten Cannabiskonsumierenden, die einen problematischen Konsum entwickelt haben, auch Alkohol in nicht mehr risikoarmen Mengen trinken.

Wechselwirkungen erst in jüngster Zeit erforscht

Nun sind die gesundheitlichen Risiken, die sich aus dem Konsum einzelner Substanzen wie Alkohol und Cannabis ergeben, einigermaßen gut erforscht. Doch was passiert eigentlich im Körper, wenn mehrere Substanzen zur gleichen Zeit genommen werden? Erst in jüngster Zeit wurden Studien zu den Auswirkungen des Mischkonsums publiziert. Die medizinische Forschung ist noch weit davon entfernt, differenziert Aussagen über Wechselwirkungen, Risiken und Langzeitfolgen aller illegalen Drogen machen zu können. Aber zum Thema Mischkonsum liegen mittlerweile einige Forschungsergebnisse vor. Dies liegt zum Teil auch daran, dass aufgrund des großangelegten „Feldversuchs“, also dem unkontrollierten Mischkonsum vor allem in der Party-Szene, inzwischen eine größere Anzahl an Personen als potentielle Studienobjekte infrage kommt.

Mischkonsum schlägt auf das Gedächtnis

Dass Ecstasy nicht gut für das Gedächtnis ist, dürfte mittlerweile gut belegt sein. Allerdings wird eher von kleinen Effekten ausgegangen (siehe topthema Juni 2009). Doch wie wirkt sich das im Alltag aus? Macht es sich überhaupt bemerkbar? Um dies zu untersuchen haben die britische Forscherin Catharine Montgomery und ihr Kollege John Fisk Personen befragt, die Mischkonsum betreiben. Eine Gruppe mit und eine ohne Ecstasyerfahrung. In ihrer Studie sind sie der Frage nachgegangen, ob sich Gedächtnisprobleme und andere kognitive Fehlleistungen im Alltag von Konsumierenden bemerkbar machen und welchen Einfluss Ecstasy hat. Heraus kam, dass vor allem die Mischkonsumgruppe mit Ecstasyerfahrung häufiger Dinge verlegen, Verkehrsschilder übersehen oder Schwierigkeiten haben, einer Fernsehsendung zu folgen.

Eine statistische Analyse hat schließlich ergeben, dass jedoch nicht Ecstasy, sondern Cannabis den stärksten Effekt unter den einzelnen Substanzen hat. In allen untersuchten Bereichen des Alltagsgedächtnisses zeigte sich ein bedeutsamer negativer Einfluss für Cannabiskonsum, allerdings in Zusammenhang mit Mischkonsum. Das Forschungsteam gibt aber selber zu bedenken, dass der Cannabiskonsum bei den befragten Mischkonsumentinnen und -konsumenten besonders stark ausgeprägt war.

Die Frage, welche Droge nun den stärkeren Einfluss hat, ist angesichts des real existierenden Mischkonsums möglicherweise aber eine müßige. Darauf weist eine Studie von Rosa Hoshi und ihrem Team hin. Sie verglichen verschiedene Gruppen von aktuellen und ehemaligen Konsumierenden mit und ohne Ecstasyerfahrung, wobei sie viel Wert darauf legten, dass die Versuchspersonen im Hinblick auf Alter, Intelligenz und anderer Variablen vergleichbar sind. Das Autorenteam kommt zu dem Ergebnis, dass nicht Ecstasy alleine, sondern der Mischkonsum generell verantwortlich ist für den Rückgang der kognitiven Leistungsfähigkeit.

Psychose-Symptome wahrscheinlicher bei Mischkonsum

Neben kognitiven Problemen können Drogen, die einen tiefgreifenden Einfluss auf unser Befinden haben, auch unangenehme Empfindungen hervorrufen. Mitunter sind sogar psychotische Symptomen wie optische Halluzinationen oder paranoide Wahnvorstellungen möglich. Forschungsergebnissen zufolge, sind vor allem Personen, die Mischkonsum mit Ecstasy und anderen Stimulanzien wie Kokain und Amphetamine betreiben, davon betroffen. Zudem sind psychische Probleme wie Angststörungen und Depressionen weiter verbreitet bei Konsumentinnen und Konsumenten, die auf ein größeres Drogenrepertoire zurückgreifen.

Hohe Belastung für den Kreislauf

Bekannt ist, dass Ecstasy besonders häufig mit Cannabis zusammen konsumiert wird. Doch die Drogenmischung ist eine hohe Belastung für den Organismus. So führt Ecstasy für die Dauer der Wirkung zu einer Erhöhung der Körpertemperatur. Problematisch daran ist, dass Ecstasy vor allem bei höherer Körpertemperatur neurotoxisch wirkt. Cannabis kann diesen Effekt verschlimmern. In einem Laborversuch der Radboud Universität in den Niederlanden kam ein Forschungsteam zu der Entdeckung, dass die Körpertemperatur unter dem zusätzlichen Einfluss von THC - dem Hauptwirkstoff von Cannabis - langsamer wieder auf das Normalmaß zurückfällt als wenn Ecstasy allein konsumiert wird. Beim Mischkonsum von THC und Ecstasy bleibt die Körpertemperatur also länger auf einem hohen Level. Die nervenschädigende Wirkung hält somit länger an.

Zudem wurde in der Studie festgestellt, dass der Puls beim Mischkonsum um durchschnittlich 60 Schläge pro Minute ansteigt. Dies könne für empfindliche Personen bereits riskant werden. Bei einer Versuchsperson wurde sogar ein kurzfristiger Anstieg auf über 180 Schläge pro Minute gemessen, was in etwa der Pulsfrequenz eines Tour-de-France-Fahrers beim Berganstieg entspricht.

Mischkonsum von Alkohol und Ecstasy schädigt Leber

Wenn zum Ecstasy noch Alkohol hinzukommt, dann steht vor allem der Leber Schwerstarbeit bevor, denn sie ist für den Abbau zuständig. Doch insbesondere die in der Club-Szene vorherrschenden klimatischen Bedingungen, also heiße und stickige Räume, sind ein Problem für die Leber. Darauf weist eine tierexperimentelle Untersuchung einer Forschungsgruppe aus Portugal hin. Sie haben den Effekt von Alkohol und Ecstasy auf Leberzellen bei unterschiedlichen Temperaturen untersucht. So führten Ecstasy und Alkohol zusammen in stärkerem Maße zum Absterben von Leberzellen als die Einzelsubstanzen. Unter erhöhten Temperaturbedingung schließlich hatte der Zelltod nach Angaben der Autorinnen und Autoren sogar „dramatisch“ zugenommen. Wer Alkohol und Ecstasy zusammen konsumiert und sich bei schweißtreibendem Tanzen verausgabt, riskiert somit in besonderem Maße, seine Leber zu schädigen.

Führerschein weg

Ärger mit der Polizei wird man zudem bekommen, wer man sich unter dem Einfluss von Drogen am Steuer erwischen lässt. Was erschwerend hinzu kommt, sogar als Beifahrer kann es passieren, dass der Lappen weg ist. So wurde einem 23-Jährigen Beifahrer, bei dem nach einer Blutprobe ein erheblicher Alkoholwert von 1,39 Promille und Cannabis nachgewiesen wurde, der Führerschein entzogen. Nach einer Beschwerde des Mannes bestätigte das Verwaltungsgericht Stuttgart den Entzug mit der Begründung, dass der Mischkonsum von Alkohol und Cannabis ausreiche, um die Fahreignung zu verneinen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das unkontrollierte Mischen von psychoaktiven Substanzen in höherem Maße mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, als der jeweilige Einzelkonsum. Dennoch ist der Mischkonsum vor allem in der Club-Szene häufig anzutreffen. Oftmals werden die Drogen ganz gezielt zur Modulation der aktuellen Stimmungslage eingesetzt, wenn man den Ergebnissen einer qualitativen Studie folgt. In Interviews wurden Drogenkonsumierende zu ihren Motiven des Mischkonsums gefragt. Ein Interviewpartner sagte beispielsweise: „Man weiß halt, was man in dem Augenblick, um die und die Empfindung oder den und die Stufe, sag ich mal, des Draufseins zu erhalten, weiß man auch ganz genau, jetzt muss ich einen Kaffee trinken, jetzt muss ich noch mal eine halbe E nehmen oder sollte ich noch mal [eine Line Speed] ziehen.“ Folgt man dem Bericht weiter, so wird jedoch auch deutlich, dass nicht jeder die Wirkungen einzelner Substanzen gezielt dosiert. So sagte eine Interviewperson nur lapidar: „Wenn ich einmal anfange, dann muss es auch krachen.“

Dabei werden der Körper und seine Organe erheblich belastet. Langfristig steigt das Risiko für Hirnschäden, psychische Probleme und Leberschäden. Der Tag nach derartigen Mischkonsumexzessen ist denn auch meist von einem ausgewachsenen Kater geprägt. So schreibt Anna dazu: „Mir ging es dreckig. Ich hatte total Muskelkater und mein Magen hat ziemlich wehgetan. Durchfall und Erbrechen waren auch dabei und etwas Kratzen in der Lunge. Meine Laune war nicht gerade die Beste; ich würde sagen etwas depressiv und total lustlos.“

*Name geändert


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