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 HomeNews > Eingeschränktes Lernvermögen bei Kokainabhängigkeit

15.07.2016

Eingeschränktes Lernvermögen bei Kokainabhängigkeit

Die Kokainabhängigkeit gilt als besonders hartnäckig in der Behandlung. Warum eigentlich? Ein Lernexperiment der Universität Cambridge hat aufgezeigt, dass Kokainabhängige nur schwer ihr Verhalten ändern können - auch unter Androhung von Stromschlägen.

Frau bohrt sich mit dem Finger in der Nase

Bild: Nadine Platzek / photocase.de

„Abhängigkeit kommt nicht über Nacht“, erklärt Studienleiterin Karen Ersche. Drogenabhängige Menschen haben meist über einen längeren Zeitraum konsumiert. Der zunächst gelegentliche Konsum wird mit der Zeit zur Gewohnheit. Bestimmte Situationen lösen fast automatisch Konsum aus. Erst kürzlich hatte eine britische Studie zeigen können, dass im Gehirn von Kokainabhängigen eine Art Hintertür zur Abhängigkeit entsteht. Betroffene haben dadurch nicht mehr die vollständige Kontrolle über ihren Konsum.

In mehreren Experimenten haben Karen Ersche und ihr Team zeigen können, dass Kokainabhängige grundsätzlich Schwierigkeiten haben, gewohnheitsmäßiges Verhalten zu kontrollieren. Sowohl Belohnung als auch Bestrafung waren bei Kokainabhängigen weniger wirksam als bei einer Kontrollgruppe.

Erlerntes Verhalten kaum zu unterdrücken

In einem Experiment mussten die Teilnehmenden durch Versuch und Irrtum lernen, welche Bilder mit einer Belohnung verbunden waren. Die Belohnung erfolgte in Form von Punkten, die zu einem Geldbetrag führten. In mehreren Durchgängen konnten die Testpersonen lernen, welche Tasten sie drücken müssen, um die Belohnung zu erhalten. Getestet wurden 72 Kokainabhängige und 53 Personen mit nur geringer Drogenerfahrung. In diesem Versuch zeigte sich, dass die Gruppe der Kokainabhängigen nicht so treffsicher war wie die Kontrollgruppe.

Anschließend wurde den Teilnehmenden erklärt, dass ein Teil der Bilder keine Belohnung mehr nach sich zieht. Die Personen der Kontrollgruppe haben ihr Verhalten schnell angepasst und auf unnötige Tastendrücke verzichtet. Kokainabhängige haben sich hingegen häufig weiterhin so verhalten, als wenn die Bilder immer noch mit einer Belohnung verbunden sind. Sie hatten offenbar Schwierigkeiten, das gerade erlernte Verhalten zu unterdrücken.

Stromschläge wenig effektiv

In einem zweiten Experiment ging es um die Vermeidung von kleinen Stromschlägen in die linke oder die rechte Hand. Die Stromschläge waren nicht gefährlich, aber unangenehm. Die Probandinnen und Probanden mussten lernen, welche Bilder mit Stromschlägen verbunden waren und welche nicht. In einem anschließenden Test konnten sie durch das Drücken von Fußpedalen verhindern, Stromschläge zu bekommen.

Auch hier war das Lernverhalten der Kokainabhängigen vergleichsweise schlecht. Beim Vermeiden von Stromschlägen erreichten sie nicht das Niveau der Kontrollgruppe. Dies spricht dafür, dass Kokainabhängige generell Schwierigkeiten damit haben, ein neues Verhalten zu erlernen.

Entwicklung alternativer Gewohnheiten sinnvoll

Nach Meinung des Forschungsteams lassen sich auf der Grundlage ihrer Studienergebnisse Schlussfolgerungen für die Behandlung der Kokainabhängigkeit ableiten. So sei es angesichts der Ergebnisse sinnvoller, die Betroffenen in der Verhaltenstherapie dabei zu unterstützen, andere gesündere Gewohnheiten zu entwickeln anstatt daran zu arbeiten, mit Belohnung und Bestrafung den Kokainkonsum in den Griff zu kriegen.

Quellen:

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