Gibt es einen Zusammenhang zwischen frühem Cannabiskonsum und Arbeitslosigkeit?

30.10.2015

Der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum steht im Verdacht, sich in vielerlei Hinsicht ungünstig auf die Entwicklung Jugendlicher auszuwirken. Eine Studie aus Schweden hat untersucht, ob Kiffen in der Jugend auch mit Arbeitslosigkeit im Erwachsenenalter in Zusammenhang steht.

Junger Mann mit Joint im Mund fässt sich mit beiden Händen an den Kopf

Bild: William Casey / Fotolia.com

Arbeitslosigkeit kann viele Gründe haben. Ein Forschungsteam aus Schweden ist der Frage nachgegangen, ob Cannabiskonsum in der Jugend das Risiko erhöht, später arbeitslos zu sein. Dazu haben Studienleiterin Anna-Karin Danielsson und ihr Team die Daten von fast 50.000 Männern ausgewertet, die zwischen 1969 und 1970 zur Musterung für den schwedischen Wehrdienst einberufen wurden.

Neben der medizinischen Eignungsprüfung erfolgte zusätzliche eine Befragung, in der die 18- bis 20-Jährigen Angaben zu ihrem sozialen Hintergrund und zum Drogenkonsum machten. In der aktuellen Studie hat das Forschungsteam schließlich überprüft, wer von diesen Männern zwischen 1990 und 1995 arbeitslos gemeldet war. Dies war möglich, da allen Männern eine persönliche Identifikationsnummer zugewiesen wurde, die auch in den Datenbanken der Ämter in Schweden verwendet wird.

Zum Zeitpunkt der Musterung hatten 9 Prozent der Männer schon mal Cannabis konsumiert, rund 2 Prozent hatten schon mehr als 50-mal gekifft. Die Auswertung aller Daten machte deutlich, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen frühem Cannabiskonsum und späterer Arbeitslosigkeit.

Nun ließe sich einwenden, dass noch viele andere Faktoren aus der Kindheit und Jugend eine Rolle dabei spielen, welchen beruflichen Erfolg ein Mensch später hat. So sind beispielsweise der soziale Status der Eltern, die Intelligenz, psychiatrische Erkrankungen oder anderer Drogenkonsum ebenfalls von Bedeutung. Danielsson und ihr Team haben daher diese und andere mögliche Einflussfaktoren in einer weiteren Auswertung mit berücksichtigt.

26 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Arbeitslosigkeit

Nach Einbezug von weiteren Risikofaktoren war der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Arbeitslosigkeit tatsächlich deutlich weniger stark ausgeprägt. Jedoch hatten Männer, die mit 18 Jahren schon mehr als 50-mal gekifft hatten, dennoch eine 26 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit später arbeitslos zu sein als Männer, die nicht in der Jugend gekifft haben.

Warum das so ist, darüber können die Forscherinnen und Forscher nur spekulieren. Denn trotzdem eine Vielzahl von möglichen Einflüssen berücksichtigt wurden, kann ein ursächlicher Zusammenhang nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Denkbar ist, dass Cannabis nicht die Ursache, sondern ebenfalls nur die Folge anderer ungünstiger Bedingungen ist, die nicht in der Studie erfasst wurden. So konnten beispielsweise Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit nicht berücksichtigt werden.

Festzuhalten ist aber, dass der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum und insbesondere der intensive Konsum als Jugendlicher ein wichtiger Hinweis darauf ist, dass möglicherweise weitere Probleme vorliegen, die den späteren beruflichen Erfolg gefährden.

Quelle:
Danielsson, A.-K., Falkstedt, D., Hemmingsson, T., Allebeck, P. & Agardh, E. (2015). Cannabis use among Swedishmen in adolescence and the risk of adverse life course outcomes: results from a 20 year-follow-up study. Addiction, DOI: 10.1111/add.13042.


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