IQ sinkt bei frühem Einstieg in den Cannabiskonsum

31.08.2012

Mit plakativen Schlagzeilen wie „Kiffen macht dumm“ wird in den Medien derzeit über eine neue Studie aus Neuseeland berichtet. Demnach soll Cannabiskonsum zu einem niedrigeren Intelligenzquotienten führen.

Die Hälfte eines Walnusskerns liegt auf einem weißen Untergrund

Bild: suze / photocase.com

In den Kommentaren zum Thema liefern sich Leserinnen und Leser von Online-Magazinen eine heftige Debatte. Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Wer schon als Jugendlicher in das regelmäßige Kiffen einsteigt, hat später einen niedrigeren Intelligenzquotienten (IQ). Wie kommt das Forschungsteam um Studienleiterin Madeline Meier zu dieser Aussage?

Die Studie basiert auf einem Längsschnitt mit einer vergleichsweise großen Stichprobe: 1.004 Probandinnen und Probanden wurden von der Geburt an bis zum Alter von 38 Jahren wiederholt untersucht. Die Intelligenz wurde erstmals im Alter von sieben Jahren getestet, also lange bevor zum ersten Joint gegriffen wurde. Es folgten weitere Erhebungen mit 9, 11 und 13 Jahren. Die daraus ermittelten IQ-Werte wurden mit den Testergebnissen verglichen, die von denselben Probandinnen und Probanden im Alter von 38 Jahren erbracht wurden.

8 Punkte niedrigerer IQ

Nach Analyse der umfangreichen Daten zeigte sich: Je länger die Testpersonen gekifft hatten, desto stärker sank ihr Intelligenzquotient. Besonders stark ausgeprägt war der Effekt bei Kiffern, die an mehr als zwei Messzeitpunkten eine Cannabisabhängigkeit aufwiesen. Zwischen dem Alter von 13 und 38 Jahren betrug der Rückgang der Intelligenz dieser Gruppe bis zu 8 Punkte. Der durchschnittliche IQ-Wert liegt bei 100. Aber auch gelegentlicher Konsum stand bereits mit einem leichten IQ-Rückgang in Zusammenhang. Nur stets abstinente Probandinnen und Probanden konnten ihren IQ mit 38 Jahren etwas verbessern.

Die Ergebnisse blieben auch dann noch signifikant, nachdem die Anzahl der Bildungsjahre mit einbezogen wurden. Das bedeutet: Auch wer lange zur Schule gegangen war oder sogar ein Hochschulstudium absolviert hatte, musste Intelligenzeinbußen hinnehmen, wenn er oder sie viel gekifft hat. Bekanntermaßen können Alkohol und andere Drogen ebenfalls eine intelligenzmindernde Wirkung haben, doch auch nach Einbezug dieser Faktoren blieb der Einfluss des Cannabiskonsums weiterhin signifikant.

Früher Einstieg entscheidend

Der Rückgang der Intelligenz war jedoch nicht bei allen Kiffern zu verzeichnen. Entscheidend war der frühe Einstieg. Wer erst mit 18 Jahren oder später in den Konsum eingestiegen ist, hatte keinen signifikanten Intelligenzverlust. Das Forschungsteam schlussfolgert daraus, dass besonders das jugendliche Gehirn anfällig zu sein scheint für die schädlichen Wirkungen von Cannabis. Denn bekannt ist, dass sich das Gehirn im Teenageralter neu organisiert.

Selbst wenn ehemals frühe Einsteiger das Kiffen wieder aufgegeben hatten, lag das Intelligenzniveau noch unterhalb der Werte, die vor dem Konsumeinstieg gemessen wurden. Dies spricht ebenfalls dafür, dass der frühe Einstieg in die Hirnreifung eingreift, mit langfristigen Folgen für die Leistungsfähigkeit der grauen Zellen.

Schlussfolgerung des Forschungsteams

Ein Rückgang von 8 IQ-Punkten würde zwar nicht nach viel klingen, sagt Meier in einer Pressemitteilung der Duke Universität, ein IQ von 92 statt 100 bedeute aber bereits eine unterdurchschnittliche Intelligenz. Bedenke man, dass ein höherer IQ allgemein mit einer besseren Bildung, einem höheren Einkommen und einem gesünderen Lebensstil zusammenhängt, bringe dieser Unterschied vermutlich langfristig bedeutsame Nachteile mit sich.

Die Autorinnen und Autoren selbst geben zu bedenken, dass ihre Studie streng genommen nicht dazu geeignet ist, den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Intelligenz als ursächlich zu belegen. Denn es sei weiterhin möglich, dass nicht berücksichtigte Faktoren die wahre Ursache sind. Vor dem Hintergrund anderer Studien zur Hirnreifung sei es aber plausibel anzunehmen, dass Cannabis für den Intelligenzverlust verantwortlich ist.

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