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28.06.2004
Die Zahl der Klienten, die wegen problematischem Cannabiskonsum Hilfe aufsuchen, hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verfünffacht. Dennoch bilden diese Klienten nur die berühmte „Spitze des Eisbergs“.
„Als wir anfingen, Gras zu rauchen, war es normal, meistens nüchtern zu sein und den gemeinsamen Rausch als Besonderheit zu genießen. Später war es die Ausnahme, nicht bekifft zu sein. Ich steckte meine Bong in die Schultasche, verließ eine Viertelstunde eher das Haus und rauchte vier Köpfe auf einem Spielplatz, um in der Schule offiziell anwesend zu sein, aber in meinen Kopf abwesend sein zu können. (…) Das Gehirn habe ich anstatt mit kreativen Impulsen mit Schwachsinn gefüllt. Die wichtigsten Jahre meiner Jugend sind, wenn ich mich an sie erinnern will, ein großer grüner Brei.“ So schildert der 20-jähriger Abiturient Amon Barth seine Entwicklung vom Probierer zu Dauerkonsument in der aktuellen Ausgabe des SPIEGELS (27/2004).
Roland Simon und Dilek Türk vom Institut für Therapieforschung in München (IFT) zeigen in einer gerade veröffentlichten Studie auf, dass offenbar immer mehr junge Menschen, den Weg vom anfänglichen Experimentieren mit Cannabis, bis hin zum Dauerkiffen mit weit reichenden psychischen und sozialen Folgeproblemen beschreiten. Demnach hat sich die Anzahl der Klienten, die wegen einer Cannabisproblematik eine Drogenberatungsstelle aufsuchen, zwischen 1992 und 2002 von 2.600 auf 14.700 mehr als verfünffacht.
Eine Analyse der Klienten ergibt: Der typische Cannabisklient ist männlich, zwischen 18 und 24 Jahren alt, ledig und ohne festen Partner. Im Unterschied zu Alkohol- und Opiatabhängigen, die in Betreuung sind, leben die Cannabisklienten meist noch zuhause und befinden sich in der Schul- oder Berufsausbildung. Infolge ihres Konsums, haben die meisten Konsumenten große Probleme in Schule und Ausbildung. „Cannabis wirkt oft als Verstärker von Problemen, die die Jugendlichen durch den Konsum lösen oder vergessen wollen“, resümiert die Bundesdrogenbeauftragte Marion Caspers-Merk.
Die meisten Cannabisklienten erhoffen sich von der Drogenberatung, den Konsum ganz einstellen zu können, 31 % möchten wenigstens ihren Cannabiskonsum reduzieren und 29 % nimmt die Beratung in Anspruch, weil sie den Konsum anderer Drogen verringern wollen.
Im Rahmen der Studie sind auch die Konsumenten selber zu Wort gekommen. So geben zwar immerhin 44 % der Klienten an, sehr mit der Beratung zufrieden zu sein. Je intensiver der Konsum vor Beginn der Behandlung war desto weniger zufrieden zeigen sie sich jedoch mit der Beratung. Bemängelt wird beispielsweise, dass oft Heroinabhängige und Cannabisklienten gemeinsam in Gruppenangeboten betreut werden. Diese und andere Gründe mögen dafür verantwortlich sein, so die Autoren der Studie, dass lediglich 15 % der Cannabiskonsumenten, die einen problematischen Cannabiskonsum betreiben, eine Drogenberatung aufsuchen.
Die Autoren Simon und Türk kommen zu dem Schluss, dass es in Zukunft wichtig sei, spezielle Betreuungsverfahren für Cannabiskonsumenten zu entwickeln, die auch den unterschiedlichen Bedürfnissen der Konsumenten gerecht werden.
Pressemitteilung der Drogenbeauftragten des Bundesregierung
IFT-Studie als PDF (677 KB)
DER SPIEGEL 27/2004, Titelstory: „Ein großer grüner Brei“
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