Langzeitstudie bestätigt: Dauerkiffen beeinträchtigt Gehirnentwicklung

08.01.2016

Wenn junge Menschen regelmäßig kiffen, kann dies Folgen für ihre Gehirnentwicklung haben, bestätigt eine Langzeitstudie aus den USA.

Mann mit Baustellenhütchen auf dem Kopf

Bild: kallejipp / photocase.com

Die Reifung des Gehirns vollzieht sich von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Wie auf einer Großbaustelle finden Umbaumaßnahmen in verschiedenen Bereichen des Gehirns statt. Neue Verbindungen werden geknüpft und überschüssige Nervenzellen abgebaut.

Ein wichtiger Prozess der Hirnreifung ist die so genannte Myelinisierung. Myelin ist eine Substanz, die aus Fetten und Proteinen besteht und Nervenbahnen wie eine isolierende Schicht umwickelt. Ebenso wie die Isolation eines Stromkabels einen störungsfreien Stromfluss ermöglicht, verbessern myelinisierte Nervenbahnen die Signalübertragung und erhöhen dadurch die kognitiven Fähigkeiten der Person. Myelinisierte Nerven werden auch als weiße Substanz bezeichnet, weil Myelin weiß erscheint.

Längsschnittstudie über zwei Jahre

Frühere Studien haben bereits darauf hingewiesen, dass sich starker Cannabiskonsum in der Jugend ungünstig auf die Hirnreifung auswirken kann, weil der Prozess der Myelinisierung gestört wird. In diesen Studien wurden Konsumierende aber meist nur einmalig untersucht. Studienleiterin Mary Becker und ihr Team haben eine Gruppe von 23 jungen Erwachsenen mit starkem Cannabiskonsum hingegen zwei Mal im Abstand von zwei Jahren untersuchen können. Somit konnte das Team überprüfen, wie sich die Hirnreifung innerhalb dieses Zeitraums entwickelt. Zum Vergleich wurden abstinente Personen im selben zeitlichen Abstand untersucht.

In der Studie wurde ein spezielles Verfahren der Magnetresonanztomographie eingesetzt, das als Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI) bezeichnet wird. Anhand dieses Verfahrens lässt sich die Beschaffenheit von Nervenfasern im Gehirn ermitteln. Mit Hilfe dieser Methode konnte bei den Personen der Kontrollgruppe zwei Jahre nach der Erstuntersuchung eine bedeutsame Zunahme der Myelinisierung festgestellt werden. Bei den Cannabiskonsumierenden der Studie war die Myelinisierung jedoch deutlich weniger fortgeschritten.

Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Schädigung und Cannabiskonsum

Es zeigte sich sogar eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je stärker der Cannabiskonsum war, desto verlangsamter war die Myelinisierung in bestimmten Bereichen des Gehirn. Dazu gehörte beispielsweise auch der Bereich des Corpus Callosums, das die linke und rechte Hirnhälfte miteinander verbindet. Erst kürzlich konnte in einer anderen Studie nachgewiesen werden, dass der Konsum von hochpotentem Cannabis mit Schädigungen im Bereich des Corpus Callosums in Zusammenhang steht.

Aus Sicht des Forschungsteams werden damit frühere Studien bestätigt, in denen Veränderungen in der Struktur der weißen Substanz bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit starkem Cannabiskonsum gefunden wurden.

Quelle:
Becker, M. P., Collins, P. F., Lim, K. O., Muetzel, R. L. & Luciana, M. (2015). Longitudinal changes in white matter microstructure after heavy cannabis use. Developmental Cognitive Neuroscience, doi:10.1016/j.dcn.2015.10.004.

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