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 HomeNews > Leidet die Empathiefähigkeit bei häufigem Ecstasykonsum?

24.11.2017

Leidet die Empathiefähigkeit bei häufigem Ecstasykonsum?

Ecstasy kann das Bedürfnis verstärken, anderen Menschen nahe zu sein. Doch wie wirkt sich häufiger Ecstasy-Konsum langfristig auf die Empathiefähigkeit aus? Eine Studie aus der Schweiz hat Ecstasykonsumierende hierzu gründlich durchgecheckt.

Papierschnipsel mit Drogennamen beschriftet, Ecstasy im Vordergrund

Bild: Empato / iStockphoto.com

Ecstasy wird oft als Kuschel- oder Liebesdroge bezeichnet. Denn Konsumierende verspüren meist das verstärkte Bedürfnis, anderen Menschen nahe zu sein. Eng damit verknüpft ist auch die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinversetzen zu können, auch Empathie genannt. Die Wirkung von Ecstasy geht vor allem auf eine erhöhte Ausschüttung des Botenstoffs Serotonin zurück. Nach dem Konsum braucht es dann eine Weile, bis die Serotoninspeicher wieder gefüllt sind. Leidet womöglich die Fähigkeit zur Empathie darunter?

Eine Forschungsgruppe aus Deutschland und der Schweiz hat diese Frage an 38 Ecstasykonsumierenden und 56 Personen einer vergleichbaren Kontrollgruppe überprüft. Die Ecstasykonsumierenden haben nach Selbstangaben in den letzten 12 Monaten im Schnitt etwa eine Pille pro Woche konsumiert. Mittels Haaranalyse wurde die konsumierte Menge an MDMA, dem Ecstasywirkstoff, noch etwas genauer ermittelt. Zusätzlich wurde die Konzentration des Hormons Oxytocin im Blut der Teilnehmenden bestimmt. Die Substanz wird umgangssprachlich auch als „Bindungshormon“ bezeichnet, da es unter anderem bei Körperkontakt ausgeschüttet wird, wenn zwei Menschen sich nahe stehen.

Beide Gruppen absolvierten mehrere Tests, mit deren Hilfe ihre Empathiefähigkeit und ihr soziales Verhalten überprüft wurden. Beispielsweise sollten die Versuchspersonen die Emotionen benennen, die Personen auf Portraitfotos zeigten. Zudem hatten sie die Aufgabe, ein Video zu schauen und die Gefühle, Gedanken und Absichten der darin vorkommenden Charaktere zu beschreiben. In einem weiteren Spiel ging es darum herauszufinden, wie sozial sich die Versuchspersonen verhalten, wenn sie die Möglichkeit haben, reales Geld mit anderen zu teilen.

Mehr MDMA - weniger Empathie

Entgegen den Erwartungen des Forschungsteams verhielt sich die Gruppe der Ecstasykonsumierenden nicht nur sozialer als die Kontrollgruppe, sondern zeigte sich auch empathischer. Wurden Ecstasykonsumierende allerdings auf Grundlage der Haaranalyse untereinander verglichen, so nahmen die Empathiewerte ab, je mehr MDMA in den Haaren nachgewiesen werden konnte. Wie sind diese Ergebnisse zu interpretieren?

Ob die höheren Empathiewerte von Ecstasykonsumierenden schon vor dem Konsum bestanden oder ob sie eine Folge häufigen Ecstasy-Konsums sind, kann mit der vorliegenden Studie nicht beantwortet werden. Aus Sicht des Forschungsteams sei es aber plausibel anzunehmen, dass Ecstasykonsumierende schon vor der ersten Pille empathischer waren und sie ein verstärktes Interesse daran haben, anderen Menschen nahe zu sein. Dies sei vermutlich auch die Motivation für den Konsum der Droge.

Kein Mangel an Oxytocin

Die Annahme, dass es Ecstasykonsumierenden an Empathie mangelt und sie Ecstasy konsumieren, um dieses Defizit auszugleichen, würde durch das vorliegende Ergebnis jedenfalls nicht unterstützt. Beide Gruppen weisen beispielsweise einen ähnlichen Level an Oxytocin im Blut auf. Auf Dauer könne sich starker Ecstasykonsum aber vermutlich negativ auf die Empathiefähigkeit auswirken, da hohe MDMA-Konzentrationen im Haar mit niedrigeren Empathiewerten in Zusammenhang stehen.

Das Forschungsteam weist allerdings darauf hin, dass sich die an der Studie beteiligten Ecstasykonsumierenden eher untypisch verhalten, da sie außer Cannabis kaum andere Drogen konsumiert haben. Vor allem in der Partyszene sei der Konsum weiterer Stimulanzien wie Amphetamine oder Kokain verbreitet. So wurde der Konsum von Kokain in einer früheren Studie mit niedrigeren Empathiewerten in Verbindung gebracht. Das Ergebnis der vorliegenden Studie könne somit nur begrenzt auf alle Ecstasykonsumierende verallgemeinert werden.


Quelle:
Wunderli, M. D., Vonmoos, M., Treichler, L., Zeller, C., Dziobek, I., Kraemer, T., Baumgartner, M. R., Seifritz, E. & Quednow, B. B. (2017). Social cognition and interaction in chronic users of 3,4-methylenedioxymethamphetamine (MDMA, “Ecstasy”). International Journal of Neuropsychopharmacology, pyx098.

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