Sind Kiffer faul?

03.08.2012

Sie sind träge und kriegen ihr Leben nicht auf die Reihe. So zumindest lautet ein gängiges Klischee vom Dauerkiffer. Es mag tatsächlich Cannabiskonsumierende geben, die das stereotype Bild vom lustlosen Kiffer erfüllen. Aber was ist wirklich dran am Klischee? In einer Studie aus Norwegen wurde diese Frage untersucht.

Junger Mann liegt der Länge nach auf dem Bauch und mit herabhängenden Armen auf einem Sofa.

Bild: IGphotography / istockphoto.com

Bereits in den 1960er Jahren wurde der Begriff „Amotivationssyndrom“ geprägt. Die Bezeichnung ging zurück auf Beobachtungen in der psychiatrischen Praxis: Manche dauerhafte Konsumentinnen und Konsumenten wirkten allgemein antriebsvermindert und schienen den Alltagsanforderungen mit einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüberzutreten. Eine Vielzahl an Studien zu diesem Thema konnte eine generell demotivierende Wirkung von Cannabis, die über die akute Wirkung hinausgeht, jedoch nicht bestätigen, weshalb der Begriff schon zu den Akten gelegt wurde.

Der norwegische Forscher Christer Hyggen hat die Diskussion nun wieder aufgerollt und sich angeschaut, wie es mit der Arbeitsmoral von Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten aussieht. Im Rahmen einer repräsentativen Studie hat er untersucht, ob Cannabiskonsumierende eine geringere Arbeitsmotivation aufweisen, als Personen, die abstinent sind oder nur sehr selten konsumieren.

Die Befragung

1.997 norwegische Bürgerinnen und Bürger wurden zwischen 1985 und 2010 insgesamt sechsmal zu verschiedenen Themen des alltäglichen Lebens befragt. Wer an zwei Befragungszeitpunkte angab, innerhalb des letzten Jahres Cannabis konsumiert zu haben, wurde als „regelmäßiger Konsument“ bezeichnet. Im Gegensatz dazu wurden diejenigen, die nur an einem Befragungszeitpunkt angaben, Cannabis zu konsumieren, als „Experimentierer“ definiert.

Die Arbeitsmotivation wurde anhand von bestimmten Aussagen eingestuft, zu denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Zustimmung oder Ablehnung angeben sollten. Hierzu gehörten Aussagen wie „Ich werde unruhig, wenn ich nichts zu tun habe“ oder „Selbst wenn ich viel Geld gewinnen würde, würde ich weiterhin arbeiten“.

Geringere Arbeitsmotivation

Die Analyse der Befragungsdaten ergab, dass die regelmäßigen Konsumentinnen und Konsumenten tatsächlich eine geringere Arbeitsmotivation aufweisen als diejenigen, die mit der Substanz nur experimentieren oder gar nicht konsumieren. Andere Merkmale, die ebenfalls einen Einfluss auf die Arbeitsmotivation haben können wie beispielsweise die Arbeitszufriedenheit, das Bildungsniveau oder die psychische Gesundheit, wurden ebenfalls in der Analyse berücksichtigt. Deswegen könne davon ausgegangen werden, dass der Zusammenhang zwischen regelmäßigem Cannabiskonsum und verminderter Arbeitsmotivation auf kein anderes Merkmal zurückzuführen ist.

Die Ergebnisse enthalten aber auch gute Nachrichten für alle, die ihren Konsum einstellen. So stieg die Arbeitsmotivation unter ehemaligen Kiffern nach ihrem Konsumstopp deutlich an.

Henne oder Ei?

Ist die Frage, ob Kiffen faul macht, nun geklärt? Sicherlich nicht. Denn das berühmte „Henn-Ei-Problem“ bleibt unbeantwortet. So ist nicht klar, was zuerst da war: Ist der Konsum von Cannabis tatsächlich als Grund für die geringere Arbeitsmotivation zu betrachten oder neigen arbeitsscheue Menschen eher zum Cannabiskonsum? Oder ist das Kiffen nur Begleiterscheinung eines eher alternativen Lebensstils, der nicht mit der gängigen Arbeitsmoral konform geht? Diese Fragen könne seine Studie nicht beantworten, schreibt Hyggens in seinem Artikel, der in der Fachzeitschrift Addiction veröffentlicht wurde. Er habe nur Zusammenhänge, aber keine Ursachen-Wirkungsbeziehung untersucht.

Eine Aussage wie „Kiffen macht faul“ lässt sich daher nicht von der Studie ableiten. Somit darf weiterhin davon ausgegangen werden, dass es ein generelles Amotivationssyndrom, das zur Arbeitsunlust führt, nicht gibt.

Quelle:
Hyggen, C. (2012). Does smoking cannabis affect work commitment? Addiction, 107 (7), 1309-1315.     

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