Home > News > Aktuelle Meldungen > Verminderte kognitive Flexibilität bei Abhängigkeit von Methamphetamin
27.05.2026
Die neurotoxische Wirkung von Methamphetamin geht einer aktuellen Studie zufolge mit verminderter kognitiver Flexibilität einher. Der Effekt ähnele den Frühsymptomen der Parkinson-Erkrankung.

Bild: BeritK / iStock.com
Die Aufgabe erinnert an Malen nach Zahlen. Im Trail-Making-Test sind die Zahlen allerdings zufällig verstreut. Zudem gibt es auch Buchstaben. Die Aufgabe lautet: Ziehe eine Linie von 1 zu A, dann von A zu 2, von 2 zu B, von B zu 3 und so weiter. Klingt nicht sonderlich kompliziert. Doch an der Geschwindigkeit der Testausführung und der Anzahl an Fehlern, die dabei gemacht werden, lässt sich ablesen, wie es um die so genannte kognitive Flexibilität bestellt ist.
Allgemein gesprochen handelt es sich bei der kognitiven Flexibilität um die Fähigkeit, sich an veränderte Situationen anzupassen. Der Trail-Making-Test erfordert beispielsweise das mentale Umschalten zwischen Zahlen und Buchstaben unter Zeitdruck. In der Studie haben bei dieser Aufgabe 49 Personen, die sich in einer frühen Phase der Abstinenz nach einer behandelten Methamphetaminabhängigkeit befanden, deutlich schlechter abgeschnitten als 30 Personen einer Vergleichsgruppe.
Nach Aussagen von Studienleiter Kevin Murnane und seinem Team würden ihre Ergebnisse einen Beleg dafür liefern, dass chronischer Konsum von Methamphetamin Symptome verursachen kann, die den frühen Anzeichen der Parkinson-Krankheit ähneln. Andere Studien legen bereits nahe, dass Methamphetamin die Parkinson-Krankheit auslösen könnte.
Bei der Parkinson-Krankheit sterben in einer bestimmten Hirnregionen Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin freisetzen. Typische Symptome der Erkrankung sind Bewegungsstörungen wie Muskelsteifigkeit und Zittern im Ruhezustand.
Die Forschenden erklären, dass sich bereits im Frühstadium der Parkinson-Erkrankung, noch bevor Bewegungsstörungen offensichtlich werden, Defizite in der kognitiven Flexibilität bemerkbar machen. Der Trail-Making-Test sei daher geeignet, frühe Anzeichen der Parkinson-Krankheit zu identifizieren.
Murnane und sein Team haben zudem Hinweise auf einen geschlechtsspezifischen Effekt finden können. So waren Männer mit Methamphetaminabhängigkeit tendenziell langsamer in der Bearbeitung des Tests als abhängige Frauen. Bei Frauen hingegen spielte auch die Konsumform eine Rolle. Ihre Leistungen waren schlechter, wenn sie intravenös konsumierten. Bei Männern spielte die Konsumform keine Rolle.
Einschränkend muss erwähnt werden, dass die Personen der Methamphetamingruppe weniger gut gebildet waren als die Vergleichsgruppe und auch mehr andere psychiatrische Probleme hatte wie Depressionen oder Angststörungen.
Dennoch hätten die Ergebnisse nach Einschätzung der Forschenden eine praktische Bedeutung. So setzen Therapien wie die kognitive Verhaltenstherapie eine gewisse mentale Flexibilität voraus, um Fortschritte in der Behandlung zu erzielen. Genau diese Fähigkeit scheint aber beeinträchtigt zu sein.
Möglicherweise habe verminderte kognitive Flexibilität daher einen Anteil daran, dass Betroffenen der Ausstieg oft schwerfällt und häufig rückfällig werden. Die Forschenden schlagen daher vor, spezielle Trainings zur Verbesserung der kognitiven Flexibilität in die Behandlungsprogramme zu integrieren.
Quellen:
Konsumierende von Partydrogen leiden häufiger unter traumatischen Erfahrungen (02.07.2019)
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Überdosis Stimulanzien wird oft nicht erkannt (19.08.2025)
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