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 HomeNewsArchiv > 2013 > Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität in der Kindheit kein erhöhtes Risiko für spätere Drogenabhängigkeit

News-Archiv


Archiv Jahr 2013


19.04.2013

Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität in der Kindheit kein erhöhtes Risiko für spätere Drogenabhängigkeit

Ein vergleichsweise hoher Anteil an jungen Menschen, die an der Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, werden alkohol- oder drogenabhängig. Auf der Basis einer Längsschnittstudie kommt ein internationales Forschungsteam zu dem Schluss, dass jedoch nicht Aufmerksamkeitsprobleme oder Hyperaktivität, sondern vor allem oppositionelles Verhalten in der Kindheit das Risiko für Drogenabhängigkeit erhöht.

Ein etwa 8- bis 10-jähriger Junge schreit

Bild: Count*0 / photocase.com

Studien zufolge betreiben ein vergleichsweise hoher Anteil an Personen mit ADHS Drogenmissbrauch oder werden drogenabhängig. Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Sylvana Côté und Richard Tremblay weist in seiner Publikation jedoch darauf hin, dass mit ADHS zusammenhängende Verhaltensprobleme bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

Neben Aufmerksamkeitsproblemen und Hyperaktivität sei das Verhalten von Kindern mit ADHS auch häufig dadurch geprägt, dass sie ein starkes Trotzverhalten zeigen oder sich oft mit anderen Kindern streiten. Unklar sei, welchen Anteil solche Verhaltensauffälligkeiten an der späteren Drogenabhängigkeit haben.

Längsschnitt über 15 Jahre

Aus diesem Grund untersuchte das Forschungsteam die Daten einer groß angelegten Längsschnittstudie mit Kindergartenkindern aus der Provinz Quebec in Kanada. Über einen Zeitraum von 15 Jahren wurden mehrfach Befragungen durchgeführt. Für die Studie wurden die Daten von 1803 Personen ausgewählt, bei denen im Alter von 21 Jahren entweder der Missbrauch oder die Abhängigkeit von einer oder mehrerer Substanzen festgestellt wurde. Die Frage lautet: Welche Faktoren aus der Kindheit zeigen den größten Zusammenhang mit späterem Substanzkonsum?

Das Forschungsteam kam nach Auswertung zu dem Schluss, dass oppositionelles Verhalten in der Kindheit am stärksten mit späteren Drogenproblemen in Zusammenhang steht. Oppositionelles Verhalten bedeutet, dass das Kind häufig ungehorsam ist, Wutausbrüche hat, nicht mit anderen Kindern teilt oder sich häufig mit ihnen streitet. Eltern erleben dies meist als ausgeprägtes Trotzverhalten.

Doppelt so hohes Risiko für Cannabisabhängigkeit

Laut den Berechnungen weisen Kinder mit starkem oppositionellem Verhalten eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für späteren Cannabismissbrauch auf wie Kinder mit vergleichsweise gering ausgeprägtem oppositionellem Verhalten. Die Wahrscheinlichkeit für späteren Kokainmissbrauch ist bei diesen Kindern sogar fast um das 3-fache höher.

Hingegen konnten für die typischen ADHS-Symptome Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen kein Zusammenhang mit späteren Alkohol- oder Drogenkonsum ermittelt werden. Lediglich für die Entstehung einer Nikotinabhängigkeit erwiesen sich Aufmerksamkeitsprobleme in der Kindheit als bedeutsamer Faktor.

Ausgehend von den Studienergebnissen erläutert Jean-Baptiste Pingault, Erstautor der Studie, dass insbesondere die Vorbeugung und Behandlung von Aufmerksamkeitsproblemen und oppositionellem Verhalten die Wahrscheinlichkeit für späteren Substanzmissbrauch verringern könne.

Quellen: