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 HomeNewsArchiv > 2013 > Wie Cannabis die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt

News-Archiv


Archiv Jahr 2013


08.02.2013

Wie Cannabis die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt

Ein Forschungsteam aus der Schweiz hat überprüft, was im Gehirn unter der Wirkung von Cannabis passiert. Schon bei niedrigen THC-Konzentrationen sei mit Einschränkungen in der Fahrtüchtigkeit zu rechnen.

Mann sitzt auf einem auf der Straße aufgemaltem Auto und hält imaginäres Lenkrad in der Hand

Bild: suze / photocase.com

Es gibt zahlreiche Studien, in denen nachgewiesen werden konnte, dass Cannabiskonsum die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt und bekiffte Fahrerinnen und Fahrer häufiger in Unfälle verwickelt sind. In Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern Europas gilt daher, dass grundsätzlich jeglicher Nachweis von Cannabis am Steuer zum Führerscheinverlust führen kann.

„Null-Toleranz-Politik“

In der Schweiz wurde 2005 die so genannte „Null-Toleranz-Politik“ eingeführt. Jeder Nachweis von Cannabis im Blut wird wie eine Fahrt unter Alkohol gewertet, wobei genau genommen eine Toleranzschwelle von 1,5 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) überschritten werden muss. In Deutschland liegt diese Grenze bei 1 ng/ml.

Ein Forschungsteam der Universität Lausanne in der Schweiz hat vor diesem Hintergrund eine Studie mit 31 Männern im Alter zwischen 18 und 30 Jahren durchgeführt und ließ sie im Dienste der Wissenschaft kiffen. Damit sollte überprüft werden, wie THC die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt und ob sich Leistungseinschränkungen auch noch bei geringen THC-Konzentrationen im Blut nachweisen lassen.

Die Probanden mussten ihre Leistungsfähigkeit mit Hilfe eines simplen Videospiels unter Beweis stellen, bei dem sie mittels eines Joysticks einem Punkt auf einem Bildschirm folgen mussten. Je besser die Auge-Hand-Koordination klappte, desto leistungsfähiger war die Person. Während dieser Übung wurde die Hirnaktivität mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) gemessen. Um individuelle Unterschiede und Lernfortschritte zu berücksichtigen, konnten die Probanden im Vorfeld üben und mussten ihr Können auch in einer computergestützten Fahrsimulation zeigen.

Joint oder Placebo?

Während des Versuchs bekamen die Probanden entweder einen Joint oder ein Placebo zu rauchen. Weder die Testperson noch die Versuchsleitenden wussten, wer was bekam. Bis knapp 3 Stunden nach dem Cannabis- bzw. Placebo-Joint wurden mehrmals Blutproben entnommen.

Dabei zeigte sich, dass die Testleistungen unter dem Einfluss von Cannabis im Vergleich zum Placebo vor allem in der ersten Stunde deutlich nachließen. Während der fMRI-Testung lag der höchste gemessene THC-Wert bei 23,7 und der niedrigste bei 2,9 ng/ml. Diese Werte lagen somit bereits nah an der Toleranzschwelle von 1,5 ng/ml. Auch bei niedrigen THC-Werten ließen sich noch signifikante Leistungsdefizite nachweisen.

Die Hirnscans hatten aufgedeckt, dass auch bei einer niedrigen THC-Konzentration verschiedene Hirnareale beeinflusst sind, die für die kognitive Verarbeitung von Aufmerksamkeit zuständig sind. Die Messungen zeigten weiterhin auf, dass die Aktivität in jenen Hirnarealen verstärkt wird, die benötigt werden, wenn Personen über sich selbst nachdenken.

Leistungsminderung bei niedrigen Konzentrationen

Auf der Grundlage ihrer Ergebnisse zieht das Forschungsteam die Schlussfolgerung, dass Cannabis auch schon in geringen Konzentrationen zur Verschlechterung der Fahrtüchtigkeit führt. Betroffene Personen seien womöglich dadurch abgelenkt, dass sie sich mehr mit sich selbst beschäftigen und langsamere Reaktionen in kritischen Situationen zeigen. Insofern würde ihre Studie die „Null-Toleranz-Politik“ bei Cannabis im Straßenverkehr unterstützen, schreibt das Forschungsteam in ihre Studie.

Einschränkend muss allerdings erwähnt werden, dass keine exakte Dosis-Wirkungsbeziehung ermittelt werden konnte, weil alle Probanden dieselbe Menge Cannabis geraucht hatten. Fraglich ist zudem, ob die im Labor gemessene Hirnaktivität sich eins zu eins auf Situationen im Straßenverkehr übertragen lassen.

Quelle:
Battistella, G., Fornari, E., Thomas, A., Mall, J.-F., Chtioui, H., Appenzeller, M., Annoni, J.-M., Favrat, B., Maeder, P. & Giroud, C. (20123). Weed or wheel! FMRI, behavioural, and toxicological investigations of how cannabis smoking affects skills necessary for driving. PLoS ONE 8(1): e52545. doi:10.1371/journal.pone.0052545