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Kokain kann Herz und Lunge schädigen

19.08.2020

Der Konsum von Kokain kann schwerwiegende körperliche Schäden verursachen. Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie der Kokainkonsum mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge zusammenhängt.

Bild: Nomad Soul / Fotolia.com

Ein 31-jähriger Mann erschien in der Notaufnahme des Siena General Hospital in Italien. Er litt unter Brustschmerzen, Atemnot und Erschöpfung. Der Mann hatte keine Vorerkrankungen, gestand jedoch langjährigen Kokainmissbrauch ein. Untersuchungen enthüllten eine auf 80 Millimeter erweiterte linke Herzkammer. Das Herz schlug schwach und kontrahierte nur unzureichend. Außerdem hatte der Patient Wasser in der Lunge, wodurch die Atemfunktion eingeschränkt wird. Als Ursache hierfür kommen Herzschäden in Betracht, wie sie bei dem Patienten festgestellt wurden.

Durch eine medikamentöse Behandlung und völlige Kokainabstinenz konnten sich das Herz und die Lunge des Mannes erholen. Etwa ein Jahr später hatte er keine Symptome mehr. Den Ärztinnen und Ärzten zufolge waren die Herzschäden wahrscheinlich durch den Kokainmissbrauch verursacht worden. Einzelfälle haben allerdings nur eine begrenzte Aussagekraft, wenn es darum geht, die Ursachen einer Erkrankung zu erforschen.

Groß angelegte Studie mit Daten von über 8.000 Patientinnen und Patienten

Ein Forschungsteam aus den USA um Studienleiterin Theresa Winhusen hat nun eine groß angelegte Studie durchgeführt, um zuverlässigere Antworten auf die Frage zu erhalten, ob Kokainkonsum das Herz-Kreislauf-System und die Lunge schädigt [Quelle 1]. Das Team hatte Zugriff auf anonymisierte Patientendaten, die bis zu 17 Jahre in die Vergangenheit reichten. Insgesamt konnte das Team mehr als 8.000 Patientinnen und Patienten herausfiltern, bei denen eine Kokainabhängigkeit diagnostiziert wurde und die mindestens zwei Mal positiv auf Kokain getestet wurden.

Die Kokainabhängigen wurden in zwei Gruppen unterteilt, je nachdem ob sie zusätzlich eine Tabakabhängigkeit aufwiesen oder nicht. Denn Tabakkonsum gilt als eine Hauptursache für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge und viele der Probandinnen und Probanden der Studie waren abhängig von Tabak.

Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe mit Personen gebildet, die keine Kokainabhängigkeit aufwiesen und in der Vergangenheit nicht positiv auf Kokain getestet wurden. Diese Personen wurden so ausgewählt, dass sie mit Blick auf eine Reihe von relevanten Faktoren wie Alter, Geschlecht, Wohnort und weiterem Substanzkonsum mit den Kokainkonsumierenden vergleichbar waren. Ebenso wie die Gruppe der Kokainabhängigen wurden auch die Nicht-Abhängigen entsprechend ihrem Tabakkonsum in zwei Gruppen aufgeteilt.

Kokainkonsum erhöht Risiko für Erkrankungen – auch ohne Tabakrauchen

Der Gruppenvergleich hat aufgezeigt, dass regelmäßiger Kokainkonsum tatsächlich mit einem erhöhten Risiko für sechs von acht untersuchten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge einhergeht. Dazu zählen Schlaganfälle, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkte, Asthma, COPD und Lungenentzündungen.

Die Ergebnisse verdeutlichten darüber hinaus, dass auch Kokainkonsumierende, die kein Tabak rauchen, häufiger unter Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lunge leiden als Personen der Vergleichsgruppe. Beispielsweise wurden bei 18 Prozent der Patientinnen und Patienten, die zwar Kokain konsumierten, aber keinen Tabak rauchten, Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. In der kokain- und tabakabstinenten Kontrollgruppe traf dies nur auf 13 Prozent zu.

Das Forschungsteam hat darüber hinaus eine höhere Sterblichkeitsrate unter den Kokainkonsumierenden nachweisen können, auch wenn sie nicht zusätzlich rauchten. Jedoch lässt sich nicht sagen, woran die Personen letztlich verstorben sind.

Quellen:

  • Winhusen, T., Theobald, J., Kaelber, D. C. & Lewis, D. (2020). The association between regular cocaine use, with and without tobacco co-use, and adverse cardiovascular and respiratory outcomes. Drug and Alcohol Dependence, 214, doi.org/10.1016/j.drugalcdep.2020.108136
  • Zacà, V., Lunghetti, S., Ballo, P., Focardi, M., Favilli, R. & Mondillo, S. (2007). Recovery from cardiomyopathy after abstinence from cocaine. The Lancet, 369 (9572), 1574.

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