drugcom.de > News > Aktuelle Meldungen > Fahren unter Alkoholeinfluss: Selbsteinschätzung kann trügerisch sein
29.07.2026
Kann ich noch fahren oder nicht? Wenn es um Alkohol und die Einschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit geht, verlassen sich Menschen gerne auf ihr Bauchgefühl. Aber das kann trügen, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Bild: Aridula / photocase.de
Alkohol und Autofahren, das ist meist keine gute Kombination. Aufmerksamkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Sehvermögen nehmen ab. Je mehr Alkohol, desto stärker sind die Ausfälle. Da der Gesetzgeber Promillegrenzen festgelegt hat, ist aber nicht jeder Alkoholkonsum vor Fahrantritt verboten. Doch wie steht es um die Fähigkeit, den persönlichen Rauschpegel zu schätzen? Zwei Forscher aus Australien haben eine experimentelle Studie dazu durchgeführt.
160 Erwachsene zwischen 20 und 59 Jahren haben daran teilgenommen. Alle Teilnehmenden wurden zufällig auf eine von drei Gruppen aufgeteilt. Alle bekamen Long-Drinks mit Wodka zu trinken. Je nach Gruppenzugehörigkeit wurde eine Blutalkoholkonzentration von 0,25 Promille, 0,55 Promille oder 0,85 Promille angezielt. Mehrmals wurden die Teilnehmenden gebeten zu schätzen, wie betrunken sie sind, wie gut sie noch fahren könnten und ob sie sich ans Steuer setzen würden.
Interessanterweise haben die Teilnehmenden aus der Gruppe, die am wenigsten Alkohol bekam, ihre Blutalkoholkonzentration in der Tendenz überschätzt. Hingegen haben die Teilnehmenden, die am meisten intus hatten, ihren persönlichen Alkoholpegel unterschätzt.
Die Forschenden erklären diesen Effekt damit, dass bei zunehmendem Alkoholkonsum auch die kognitiven Fähigkeiten abnehmen, die eigene Trunkenheit präzise einschätzen zu können. In konkreten Situationen könne dies nach Einschätzung der Forscher dazu führen, dass sich Personen für Fahrtüchtigkeit halten, obwohl sie es nicht mehr sind.
Hinzukommt ein weiterer Befund, der mit dem typischen Verlauf der Alkoholwirkung zusammenhängt. Diese bildet eine glockenförmige Kurve. Erst steigt die Blutalkoholkonzentration an, erreicht ihren Höhepunkt und fällt dann wieder ab. Vor Erreichen des Scheitelpunkts schätzten die Teilnehmenden ihren Alkoholpegel noch halbwegs korrekt ein. Als sie sich auf dem absteigenden Ast befanden, unterschätzten sie jedoch, wie stark sie noch unter dem Einfluss von Alkohol standen.
Obwohl die Blutalkoholkonzentration vor und nach dem Höhepunkt zu verschiedenen Zeitpunkten etwa gleich hoch ist, schätzten sie diese niedriger ein, wenn die Wirkung nachließ. Dieser Umstand beruhe vermutlich auf einem Effekt, der als „akute Toleranz“ bezeichnet wird. Die ansteigende Alkoholwirkung hebt sich spürbar vom nüchternen Zustand ab. Die nachlassende Wirkung wird hingegen weniger prägnant wahrgenommen. Dies könne dazu führen, dass Betroffene vorschnell der Ansicht sind, wieder fahrtüchtig zu sein, obwohl sie es noch nicht sind.
Die Ergebnisse würden zeigen, wie unsicher die Selbstwahrnehmung unter Alkoholeinfluss ist. Helfen würden objektive Methoden wie Alkoholtester, die den Alkoholpegel aus der Atemluft messen, oder die einfache Regel: Kein Alkohol am Steuer. Für Fahranfängerinnen und -anfänger und bis zum Alter von 21 Jahren gilt ohnehin die Null-Promille-Grenze.
Quelle:
Wie im Freundeskreis Betrunkene vom Autofahren abgehalten werden (07.07.2026)
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