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01.07.2026
In einer Langzeitstudie wurde untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale Voraussetzung dafür sind, dass sich problematischer Alkoholkonsum entwickeln kann – oder davor schützen.

Bild: petrenkod / iStock.com
Jeder Mensch hat eine individuelle Persönlichkeit. Schon in der Kindheit zeigen sich Unterschiede. Persönlichkeitsmerkmale sind vergleichsweise stabile psychische Eigenschaften. Sie bestimmen maßgeblich, wie wir mit unserer Umwelt interagieren. Auch wie wir mit Alkohol umgehen.
Wenn es um Alkohol geht, interessiert sich die Forschung meist dafür, welche Verhaltensweisen oder Eigenschaften einer Person die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Alkohol zum Problem wird. Beispielsweise ist bekannt, dass das Geschlecht eine Rolle spielt. Männer betreiben mit einer höheren Wahrscheinlichkeit riskanten Alkoholkonsum als Frauen.
In einer Studie aus Belgien haben Forschende die Entwicklung problematischen Alkoholkonsums aus einer anderen Perspektive betrachtet. Sie haben sich angeschaut, ob es Persönlichkeitsmerkmale gibt, die eine Voraussetzung, also notwendig dafür sind, dass sich eine Alkoholabhängigkeit überhaupt entwickeln kann.
Das Team um Studienleiterin Angela Giugovaz hat Daten einer Langzeitstudie ausgewertet, in der die Persönlichkeitsentwicklung von 306 Teilnehmenden ab dem Grundschulalter verfolgt wurde. Im Laufe von 23 Jahren fanden vier Befragungen statt. Bei der vierten Erhebung wurden die Teilnehmenden im Alter von etwa 30 Jahren auch zu ihrem Alkoholkonsum befragt.
Zu jedem Messzeitpunkt haben die Forschenden Persönlichkeitsmerkmale erhoben. Dabei haben sie sich an den so genannten „Big Five“ orientiert, auch bekannt als Fünf-Faktoren-Modell. Demnach bilden fünf Eigenschaften die Grundlage unserer Persönlichkeit. Dazu gehören:
Die Analyse hat ergeben, dass von den fünf untersuchten Persönlichkeitsmerkmalen eine hervorsticht, wenn es um Alkohol geht: Gewissenhaftigkeit. Eine gering ausgeprägte Gewissenhaftigkeit scheint demnach eine notwendige Bedingung dafür zu sein, dass sich Alkoholprobleme entwickeln können. 93 Prozent der Teilnehmenden, die im jungen Erwachsenenalter ein Alkoholproblem entwickelt haben, zeigten schon in der Kindheit eine niedrig ausgeprägte Gewissenhaftigkeit, die über die Jahre relativ stabil geblieben ist.
Die Forschenden ziehen daraus die Schlussfolgerung: Wer schon als Kind sehr gewissenhaft ist, könnte nahezu immun dagegen sein, später Alkoholprobleme zu entwickeln. Das traf je nach Alter auf 7 bis 19 Prozent der Befragten zu.
Die große Mehrheit der Befragten war zwar weniger gewissenhaft und damit potenziell gefährdet, Alkoholprobleme zu entwickeln. Allerdings bedeutet es nicht, dass sie automatisch problematischen Alkoholkonsum entwickeln. Von den Teilnehmenden mit geringer ausgeprägter Gewissenhaftigkeit tranken im Erwachsenenalter nur rund 3 Prozent auf gefährliche Weise. Eine geringe Gewissenhaftigkeit scheint zwar notwendig, aber noch nicht hinreichend zu sein, um Alkoholprobleme zu entwickeln.
Einschränkend muss erwähnt werden, dass insgesamt nur neun Personen in der Längsschnittstudie hochriskanten Alkoholkonsum betrieben haben. Auch geben die Forschenden zu bedenken, dass die Studie ausschließlich Personen aus der belgischen Region Flandern umfasst und eine diverser zusammengesetzte Stichprobe möglicherweise zu anderen Ergebnissen kommen könnte.
Die Forschenden erklären den Zusammenhang zwischen Gewissenhaftigkeit und problematischen Alkoholkonsum mit der Fähigkeit zur Selbstregulation. Gewissenhaftigkeit umfasst demnach Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit, Ehrgeiz und Ordentlichkeit. Wer diese Merkmale in hohem Maße besitzt, kann dem Reiz kurzfristiger Belohnungen wie Alkohol besser widerstehen und trifft eher überlegte Entscheidungen. Umgekehrt neigen weniger gewissenhafte Menschen zu impulsivem Verhalten, was den Alkoholkonsum fördern kann.
Auch wenn Gewissenhaftigkeit eine vergleichsweise stabile Persönlichkeitseigenschaft ist, unveränderbar ist sie nicht. Giugovaz und ihr Team verweisen auf Studien, denen zufolge sich Gewissenhaftigkeit auch im jungen Erwachsenenalter noch trainieren lasse. Dabei geht es meist darum, bewusst neue Gewohnheiten zu etablieren, die gewissenhaftes Verhalten fördern. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass Studierende, die zur Aufschieberitis neigen, durch die gezielte Aneignung von Lernstrategien nicht nur bessere Resultate erzielen, sondern auch zufriedener sind und generell ihr Lernverhalten verbessern, sprich: gewissenhafter werden.
Wer herausfinden will, ob der persönliche Umgang mit Alkohol problematisch ist, kann dies innerhalb weniger Minuten mit dem Selbsttest Check your Drinking tun. Konsumregeln geben eine Orientierung, wie der Alkoholkonsum begrenzt werden kann. Folgende kostenlose und anonym nutzbare Beratungsangebote bieten auch individuelle Unterstützung:
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