drugcom.de > News > Aktuelle Meldungen > Problematischer Cannabiskonsum geht oft einher mit psychischen Problemen
22.07.2026
Manche Menschen konsumieren mehr Cannabis als ihnen guttut. Eine aktuelle Studie zeigt: Wer viel kifft, hat oft noch andere psychische Probleme.

Bild: David-W / photocase.de
Nicht jeder Cannabiskonsum wird zum Problem. Doch wenn das Kiffen negative Folgen verursacht und die Person trotzdem weiter konsumiert, spricht man von problematischem Konsum. Eine aktuelle Studie aus Deutschland legt nahe, dass Betroffene besonders häufig noch andere psychische Probleme haben.
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Eva-Maria Krowartz wollte herausfinden, wie eng Cannabiskonsum mit psychischen Belastungen zusammenhängt. Dafür nutzte es Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys, einer großen repräsentativen Befragung von Erwachsenen in Deutschland. Die Forschenden analysierten die Daten von knapp über 1.000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren, die im letzten Jahr Cannabis konsumiert haben.
Die Ergebnisse zeigen, dass jede vierte Person mit Cannabiskonsum die Kriterien für problematischen Konsum erfüllte. Die Konsummuster von Personen mit und ohne problematischen Cannabiskonsum unterschieden sich teils deutlich. Von den Personen mit problematischem Konsum kifften 45 Prozent, also fast die Hälfte, täglich. Dies traf aber nur auf 8 Prozent der Personen zu, die Cannabis nicht auf problematische Weise konsumieren.
Auffällig waren auch Unterschiede beim Einstieg in den Cannabiskonsum. 41 Prozent der problematisch Konsumierenden hatten bereits vor dem 16. Lebensjahr mit dem Kiffen angefangen, während es bei nicht-problematisch Konsumierenden nur 19 Prozent waren.
Ein besonders wichtiger Befund betrifft die psychische Gesundheit. Die Studie erfasste so genannte Kernsymptome psychischer Erkrankungen. Das sind Symptome, die für sich genommen zwar noch keine Diagnose erlauben, aber immer vorkommen, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt. Das sind beispielsweise Gefühle von Niedergeschlagenheit, hinter der sich eine Depression verbergen kann oder eine längere Phase ängstlicher Angespanntheit, die bei einer generalisierten Angststörung vorkommt. Insgesamt acht verschiedene Kernsymptome psychischer Erkrankungen haben die Forschenden abgefragt.
Der Analyse zufolge steht die mentale Gesundheit in Zusammenhang mit problematischen Cannabiskonsum. So berichteten 41 Prozent der problematisch Konsumierenden vier oder mehr Symptome psychischer Erkrankungen, während dies unter den nicht-problematisch Konsumierenden nur auf 27 Prozent zutraf.
Laut den Forschenden sind mehrere Erklärungen denkbar. Eine mögliche Rolle spielt die sogenannte Selbstmedikation. Manche Menschen nutzen Cannabis gezielt, um Symptome wie Angst, Niedergeschlagenheit oder Schlafprobleme zu lindern. Das kann kurzfristig funktionieren, aber langfristig das Risiko für problematischen Konsum erhöhen.
Hinzu kommen biologische Effekte. Cannabis beeinflusst eine Reihe von Botenstoffen, die im Gehirn auf unterschiedliche Funktionen wie die Stimmung, das Denken oder die Motivation regulierend einwirken. Der Einfluss von Cannabis könne daher ungünstige Effekte auf diese Hirnfunktionen zur Folge haben. Psychische Probleme wie psychotische Symptome, Angst oder emotionale Instabilität könnten gehäuft auftreten.
Außerdem gibt es Hinweise auf gemeinsame Risikofaktoren, etwa die Gene oder belastende Lebensumstände, die sowohl psychische Probleme als auch problematischen Konsum begünstigen.
Wichtig zu wissen ist, dass die Studie nur Zusammenhänge aufzeigt, aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Die Forschenden gehen aber davon aus, dass psychische Probleme und Cannabiskonsum in einer wechselseitigen Beziehung stehen und sich gegenseitig verstärken können. Die Forschenden betonen daher dass es wichtig sei, problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
Wer sich unsicher ist, wie es um die Risiken des persönlichen Cannabiskonsums steht, kann folgende Hilfsangebote kostenlos und weitestgehend anonym nutzen:
Quelle:
Wie Cannabis mit traumatischen Erfahrungen und Paranoia zusammenhängt (19.05.2026)
Mehr Psychosen nach der Cannabis-Legalisierung? (09.12.2025)
Höheres Risiko für psychiatrische Probleme bei Konsum von hochpotentem Cannabis (31.12.2024)
Wer häufig Cannabis konsumiert, verspürt weniger Vorfreude (03.02.2026)
Führt Kiffen zum Tabakrauchen oder ist es andersherum? (24.09.2024)Webanalyse / Datenerfassung
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