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06.07.2022
Plötzlich wurde er aggressiv und schlug um sich. Synthetische Cannabinoide können unberechenbares Verhalten auslösen, wie der Fallbericht eines 31-Jährigen illustriert.

Bild: youngID / photocase.de
„Mein Herz, mein Herz“ schrie er, bevor er zusammenbrach. Zu dem Zeitpunkt hielt sich der 31-Jährige in der Wohnung seiner Schwester auf. Als sie von der Arbeit nach Hause kam, habe er noch normal gewirkt. Er habe sich duschen wollen, erinnert sich die Schwester. Kurz darauf hörte sie seine Schreie.
Umgehend alarmierte sie den Notruf. Als der Rettungsdienst vor Ort war, schien ihr Bruder wieder voll bei Bewusstsein zu sein. Er habe zwar einen leicht nervösen Eindruck gemacht, sich aber kooperativ verhalten. Plötzlich sei er aufgestanden, habe seine Schwester mit den Worten „Ich liebe dich“ an sich gedrückt und sei dann aggressiv gegenüber den Rettungskräften aufgetreten. Diese konnten sich nur mit Mühe vor dem 31-Jährigen schützen, der sie laut schreiend attackierte.
Anschließend rannte er aus der Wohnung und traf im Hausflur auf die zwischenzeitlich gerufene Polizei. Zunächst habe der 31-Jährige versucht, auch diese mit Faustschlägen und Fußtritten zu traktieren. Dann habe er sich zwei Pflanzkübel gegriffen, die im Hausflur standen, und diese nach der Polizei geworfen, verfehlte sein Ziel allerdings. Schließlich rannte er aus dem Haus.
Seiner Schwester sei es letztlich gelungen, ihren Bruder zu beruhigen und ihn wieder in die Wohnung zu lotsen. Dort angekommen habe er sich ohne weiteren Widerstand von der Polizei abführen und in ein Krankenhaus bringen lassen.
Franziska Gaunitz und Hilke Andresen-Streichert vom Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln haben den Fallbericht in einem Fachjournal veröffentlicht. Laut einem medizinischen Bericht des behandelnden Krankenhauses habe der 31-Jährige zum Zeitpunkt der Einweisung nur minimal berauscht gewirkt. Im Blut des Patienten konnten allerdings synthetische Cannabinoide identifiziert werden, darunter 5F-NPB-22 und 5F-ADB, auch bekannt als 5F-MDMB-PINACA.
In der Wohnung der Schwester fand die Polizei Reste einer Kräutermischung. Der 31-Jährige hatte im Internet eine Tüte mit der Aufschrift „Popeye 2G“ gekauft und sich einen Joint daraus gedreht. Die synthetischen Cannabinoide konnten darin ebenfalls nachgewiesen werden.
Wegen der tätlichen Angriffe musste sich der 31-Jährige juristisch verantworten. Vor Gericht erklärte er, dass er nach dem Rauchen der Kräutermischung nicht mehr er selbst gewesen sei. Er habe sich überwältigt gefühlt von der Wirkung der Droge und seine Umgebung nicht mehr richtig wahrgenommen. An seine aggressiven Attacken gegen die Rettungskräfte und die Polizei habe er keine Erinnerung. Er habe das Gefühl gehabt, sterben zu müssen und den starken Drang, der Situation zu entfliehen. Er erinnere sich lediglich daran, Herzschmerzen und starke Angst verspürt zu haben.
Andere Drogen außer Cannabis seien laut Gaunitz und Andresen Streichert nicht gefunden worden. Die Blutwerte deuten zwar darauf hin, dass der 31-Jährige gewohnheitsmäßig Cannabis raucht. Die Ärztinnen halten es aber für wahrscheinlich, dass die synthetischen Cannabinoide verantwortlich waren für den psychotischen Anfall, den der Mann hatte. In der Literatur gibt es weitere Berichte von Horror-Trips, die durch Kräutermischungen ausgelöst wurden. Der aktuelle Fall unterstreiche nach Meinung der Ärztinnen die Risiken, die mit dem Konsum von synthetischen Cannabinoiden verbunden sind.
Quelle:
Gaunitz, F. & Andresen-STreichert, H. (2022). Analytical fndings in a non-fatal intoxication with the synthetic cannabinoid 5F-ADB (5F-MDMB-PINACA): a case report. Internationale Journal of Legal Medicine, 136, 577-589.
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