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 HomeNewsArchiv > 2015 > Früher Cannabiskonsum stört räumliches Gedächtnis

News-Archiv


Archiv Jahr 2015


10.04.2015

Früher Cannabiskonsum stört räumliches Gedächtnis

Wo war nochmal der zweite Gorilla? Das räumliche Gedächtnis hilft nicht nur beim Auffinden von Paaren beim Memory-Spiel. Es hilft auch bei der Orientierung oder dabei, das vor der Uni abgestellte Fahrrad wiederzufinden. Einer Studie zufolge stört der frühe Einstieg in den Cannabiskonsum jedoch die neuronale Entwicklung des räumlichen Gedächtnisses.

Memoryspiel mit einer umgedrehten Karte, auf der ein Gorrilla zu sehen ist

Bild: BZgA

In der Pubertät ähnelt unser Gehirn einer großen Baustelle. An verschiedenen Stellen erfolgen Umbaumaßnahmen. Neue Verbindungen werden geknüpft und überschüssige Neuronen abgebaut, damit das Gehirn im Erwachsenenalter möglichst effizient arbeiten kann. Eine wichtige Fähigkeit, die unser Gehirn in dieser Phase ausbaut, ist das Arbeitsgedächtnis. Es speichert kurzfristig Dinge, damit wir uns beispielsweise am Ende dieses Satzes noch an den Anfang erinnern können.

Zum Arbeitsgedächtnis gehört auch das Erinnern räumlicher Informationen. Die Leistungsfähigkeit des räumlichen Gedächtnisses ist abhängig vom Frontalhirn, das während der Pubertät besonders von Umbaumaßnahmen betroffen ist. Ein US-Forschungsteam hat nun experimentell belegen können, dass durch regelmäßigen Cannabiskonsum in der Jugendphase die Fähigkeit zum räumlichen Erinnern gestört wird.

Affen statt Menschen

In dem Experiment untersuchten Studienleiter Christopher Verrico und sein Team jedoch Affen anstelle von Menschen. Dadurch sei es einfacher, andere Faktoren, die Einfluss auf die Gedächtnisentwicklung haben können, zu kontrollieren, zumal es sich aus ethischen Gründen verbietet, Jugendlichen experimentell Cannabis zu verabreichen. Die Affen seien aber in einem Alter gewesen, das dem eines menschlichen Teenagers entsprechen würde.

Über sechs Monate bekam eine Gruppe von Rhesusaffen an 5 Tagen die Woche den Cannabiswirkstoff THC gespritzt. Die verabreichte THC-Dosis soll in etwa der Menge entsprochen haben, die Kiffer mit einem Joint aufnehmen. Eine andere Gruppe von Affen bekam hingegen nur ein wirkstofffreies Placebo gespritzt. Während der sechs Monate wurden die Affen beider Gruppen darauf trainiert, Aufgaben zu lösen, in denen sowohl ihr räumliches Gedächtnis gefordert war als auch ihr Erinnerungsvermögen für die Beschaffenheit von Objekten. Diese konnten sich in Form und Farbe unterscheiden.

Cannabis stört das räumliche Erinnerungsvermögen

Nach sechs Monaten zeigten sich klare Unterschiede: Obwohl beide Affengruppen das identische Training absolvierten, schnitten die Tiere, die nur eine Placebo-Injektion erhielten, bei Tests zum räumlichen Gedächtnis deutlich besser ab. Die Leistungen der Affen, die THC bekamen, hatten sich zwar ebenfalls verbessert, aber nicht in dem Maße wie ihre Artgenossen aus der Kontrollgruppe. Für das Erinnern von Objekten fanden sich dagegen keine Unterschiede zwischen den Affengruppen.

Die unterschiedliche Wirkung auf das räumliche und das auf Objekte bezogene Gedächtnis würde sich durch die unterschiedlichen Phasen der Gedächtnisentwicklung erklären lassen. Verrico und sein Team erläutern, dass sich das Wiedererkennen von Objekten bereits in der Kindheit entwickelt. Die kritische Phase für die Ausbildung des räumlichen Gedächtnisses liege hingegen in der Pubertät. Insofern sei der Befund ein Beleg dafür, dass sich THC-Konsum in der Jugend insbesondere auf jene kognitiven Leistungen auswirkt, deren neuronale Grundlage sich in dieser Zeit erst noch ausbildet.

Quelle:
Verrico, C.D, Gu H, Peterson, M.L., Sampson, A.R.., Lewis, D.A. (2014). Repeated Δ9-tetrahydrocannabinol exposure in adolescent monkeys: persistent effects selective for spatial working memory. Am J Psychiatry, 171(4), 416-425.